Rund zwei Drittel aller menstruierenden Frauen in Deutschland im Alter zwischen 14 und 50 leiden unter schmerzhaften Regelblutungen (Dysmenorrhoe). Das hat eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des AOK-Bundesverbandes ergeben. Bei vielen Mädchen und Frauen äußern sich diese durch Symptome wie Krämpfe oder ein ziehendes Gefühl im Unterleib. In manchen Fällen können die Schmerzen sogar bis in den Rücken und in die Beine ausstrahlen. Auch weitere heftige Begleiterscheinungen wie Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen sind möglich. Wie gesund.bund.de, ein Portal des Bundesministeriums für Gesundheit, informiert, sind die körperlichen Beeinträchtigungen bei einer von zehn Frauen so stark ausgeprägt, dass sie ein bis drei Tage im Monat nicht dazu imstande sind, ihren Alltag zu bewältigen.
Auch wenn die Menstruation ein natürlicher Bestandteil im Leben von Frauen ist, müssen die damit verbundenen Schmerzen nicht einfach hingenommen oder ausgehalten werden. Wodurch Periodenschmerzen ausgelöst werden, was man dagegen tun kann und wann man ärztlichen Rat einholen sollte, erfahren Sie hier.
Periodenschmerzen: Was steckt dahinter?
Beim Menstruationszyklus handelt es sich um einen monatlich wiederkehrenden, natürlichen Prozess. Wie das Online-Portal des Berufsverbands der Frauenärztinnen und Frauenärzte, frauenaerzte-im-netz.de erklärt, beginnt er mit dem ersten Tag der Menstruation und endet am letzten Tag vor der nächsten Monatsblutung. Grundsätzlich wird er in vier aufeinanderfolgende Phasen gegliedert, erklärt die Cleveland Clinic. Die einzelnen Phasen beschreiben dabei eine Abfolge verschiedener Vorgänge, die im Körper stattfinden, um ihn auf eine potenzielle Schwangerschaft vorzubereiten.
Ein zentraler Bestandteil des monatlichen Zyklus ist laut gesund.bund.de die Verdickung der Gebärmutterschleimhaut. Dies geschieht, damit sie eine befruchtete Eizelle aufnehmen kann. Findet keine Einnistung der Eizelle statt, setzt die Menstruation ein. Dabei zieht sich die Muskulatur der Gebärmutter in unregelmäßigen Abständen zusammen und entspannt sich wieder.
Diese wiederholten Kontraktionen sorgen dafür, dass sich die oberste Schicht der Schleimhaut von der Gebärmutterwand ablöst. Das dabei entstehende Gemisch aus Blut und Gewebe wird über den Muttermund und die Scheide aus dem Körper ausgeschieden. Während manche Frauen kaum etwas davon mitbekommen oder nur ein leichtes Ziehen verspüren, löst der Prozess bei anderen schmerzhafte Symptome wie Krämpfe aus.
Wodurch werden Schmerzen während der Periode ausgelöst?
Nach Angaben von gesundheitsinformation.de, einem Gesundheitsportal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), unterscheidet man medizinisch zwei Arten von Schmerzen, die während der Periode auftreten:
- Primäre Regelschmerzen
- Sekundäre Regelschmerzen
Ursachen für primäre Regelschmerzen
Primäre Regelschmerzen werden dem Portal zufolge allein durch das Zusammenziehen der Gebärmutter ausgelöst. Von zentraler Bedeutung sind dabei hormonähnliche Botenstoffe – die sogenannten Prostaglandine. Sie sind dafür verantwortlich, dass sich die Muskulatur der Gebärmutter zusammenzieht, damit die Schleimhaut abgestoßen werden kann. Es wird vermutet, dass Frauen, die unter primären Regelschmerzen leiden, besonders empfindlich auf diese Botenstoffe reagieren, beziehungsweise ihr Körper zu viel davon produziert. Häufig betroffen von dieser Form der Periodenschmerzen sind Frauen unter 30 Jahren mit starken Regelblutungen. Daneben können auch familiäre Veranlagungen oder Stress eine Rolle spielen.
Laut der Cleveland Clinic beginnen die Schmerzen in der Regel ein bis zwei Tage vor Beginn der Periode und klingen innerhalb von zwei bis drei Tagen wieder ab. Sie sind die häufigste Form der Regelschmerzen. Wie gesundheitsinformation.de außerdem informiert, lassen die Beschwerden oft wenige Jahre nach der ersten Periode nach oder verschwinden ganz. Auch nach der Geburt des ersten Kindes können die Symptome leichter werden.
Ursachen für sekundäre Regelschmerzen
Sekundäre Regelschmerzen werden laut gesundheitsinformation.de häufig durch gutartige Geschwülste verursacht. Dazu können beispielsweise Myome oder Polypen gehören. Treten besonders starke Schmerzen auf, kann aber auch eine Endometriose dahinterstecken. Dabei befindet sich die Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb der Gebärmutter, im Bauchraum. Weiterhin nennt das Portal die Kupferspirale zur Empfängnisverhütung als mögliche Ursache.
Diese Form der Periodenschmerzen tritt in der Regel erst auf, wenn eine junge Frau schon seit einigen Jahren ihre Periode hat. Die Beschwerden können der Cleveland Clinic zufolge schon früher im Zyklus beginnen und dauern in der Regel länger an als primäre Regelschmerzen.
Symptome: Wie äußern sich Periodenschmerzen?
Periodenschmerzen sehen vielfältig aus. Laut der Cleveland Clinic und gesund.bund.de können unter anderem folgende Symptome auftreten:
- Krämpfe
- Ziehende oder pochende Schmerzen im Unterleib
- Druckgefühl im Unterleib
- Schmerzen in den Beinen und im Bereich des unteren Rückens
- Übelkeit bis hin zum Erbrechen
- Durchfall
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Allgemeines Unwohlsein
Was kann man gegen Periodenschmerzen tun?
Laut gesundheitsinformation.de können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen bei Periodenschmerzen helfen. Sie gehören zur Wirkstoffgruppe der sogenannten nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR). Durch ihre hemmende Wirkung auf die Prostaglandin-Produktion können sie Beschwerden lindern. Obwohl die meisten Frauen NSAR gut vertragen, sind dennoch Nebenwirkungen möglich, insbesondere Magenbeschwerden.
Wie das Portal weiter erklärt, können auch verschiedene hormonelle Verhütungsmittel, darunter die Antibabypille oder die Hormonspirale, Regelschmerzen abschwächen. Grund dafür ist, dass sich die Gebärmutterschleimhaut nicht in voller Dicke aufbaut, wodurch die Monatsblutung oft kürzer und schwächer als bei der natürlichen Periode ausfällt oder sogar ganz ausbleibt. Jedoch kann diese Form der Verhütungsmittel mit verschiedensten Nebenwirkungen einhergehen und zudem das Risiko einer Thrombose erhöhen. Welche hormonellen Verhütungsmittel infrage kommen, sollte individuell mit der Frauenärztin oder -arzt abgesprochen werden.
Das Portal gesund.bund.de verweist zudem auf Studien, die darauf hindeuten, dass Wärme zum Beispiel in Form von Wärmepflaster oder Wärmegürtel Periodenschmerzen lindern können. Auch Wärmflaschen, warme Bäder oder Saunagänge gelten als wohltuend. Einige Studien legen außerdem nahe, dass sich körperliche Bewegung wie Joggen, Yoga, Gymnastik oder auch nur Spaziergänge positiv auf die Beschwerden auswirken. Grundsätzlich sollten Frauen während ihrer Menstruation Stress möglichst reduzieren. Dabei können auch Entspannungstechniken, Atemübungen oder Yoga helfen.
Stecken sekundäre Regelschmerzen hinter dem Leiden, gibt es dem Portal des Gesundheitsministeriums zufolge weitere Behandlungsmöglichkeiten. Demnach können auch Operationen infrage kommen.
Starke Schmerzen während der Menstruation: Wann sollte man zum Arzt gehen?
Auch wenn Periodenschmerzen unangenehm sind, sind sie in der Regel nicht gefährlich. Wenn die Schmerzen jedoch sehr stark sind und den Alltag beeinträchtigen oder mit der Zeit zunehmen, sollte man laut gesund.bund.de ärztlichen Rat einholen. Sofort einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen sollte man nach Angaben des medizinischen Nachschlagwerks MSD Manual bei:
- starken Schmerzen, die plötzlich einsetzen
- ständigen Schmerzen
- Schmerzen, die schlimmer werden, wenn man den Bauch berührt oder geht
- Fieber oder Schüttelfrost
- dickem, weißem oder gelblichem Ausfluss aus der Scheide
Auch interessant: Neben Regelschmerzen leiden viele Frauen noch unter anderen Beschwerden während ihrer Periode. Dazu gehören unter anderem Heißhungerattacken oder ein verstärktes Verlangen nach Kohlenhydraten.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren