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Innovative Cannabis-Inhalation: Canify investiert in Leipheim

Leipheim

Cannabis-Experte Canify wächst und profitiert von der Gesetzeslage

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    Im ehemaligen Militärhochbunker auf dem Areal Pro in Leipheim verarbeitet das Unternehmen medizinisches Cannabis.
    Im ehemaligen Militärhochbunker auf dem Areal Pro in Leipheim verarbeitet das Unternehmen medizinisches Cannabis. Foto: Bernhard Weizenegger (Archivbild)

    Auf dem ehemaligen Fliegerhorstgelände in Leipheim tut sich einiges: Nicht nur, dass 2025 ein Logistikunternehmen einziehen soll, auch hinter den schweren Türen eines eher unscheinbaren Gebäudes – ein ehemaliger Militärbunker – wird an einem Meilenstein gefeilt. Die Canify AG, die dort medizinisches Cannabis abfüllt und vertreibt, entwickelt als Joint Venture mit dem Medizinunternehmen Alveon eine laut eigenen Angaben effektivere und patientenfreundlichere Anwendung des wirkungsvollen Extrakts der Blüte. Bei einer weiteren Produktneuheit beginnt währenddessen gerade der Vertrieb. Für Entwicklungen wie diese benötigt Canify mehr Platz. Aber auch das Legalisierungsgesetz spielt eine Rolle.

    „Wir erwarten uns eine Revolution“, sagt der Vorstandsvorsitzende Sascha Mielcarek und meint dabei einen Inhalator, den Canify und Alveon weltweit auf den Markt bringen wollen. Es handelt sich um ein Medizinprodukt für die Verdampfung medizinischer Cannabis-Extrakte, das zum einen eine präzise Temperaturregelung und zum anderen eine zuverlässige Dosierung möglich macht.

    Bei der oralen Einnahme von Cannabis-Extrakt tritt die Wirkung relativ spät ein

    Die Inhalation von Cannabisblüten habe zwar den Vorteil einer schnellen Wirkung, sei aber medizinisch nicht die beste Wahl. Für die orale Einnahme in Tropfenform dagegen werde der medizinisch wertvollere Extrakt aus den Cannabisblüten verwendet, bei dieser Darreichungsform dauere es aber ein bis zwei Stunden, bis die Wirkung eintritt. Als erstes zertifiziertes Produkt für die Inhalation von Cannabis-Extrakt schließe der „Smart Dose Vaporizer“ eine Lücke. Bislang müssten sich Patienten selbst einen Verdampfer für die Inhalation und zusätzlich die Cannabisblüten besorgen.

    Sascha Mielcarek ist Vorstandsvorsitzender der Canify AG.
    Sascha Mielcarek ist Vorstandsvorsitzender der Canify AG. Foto: Jana Korczikowski

    Aktuell befindet sich der „Smart Dose Vaporizer“ noch in der Forschungs- und Entwicklungsphase. Und die koste Zeit und Geld, so Mielcarek. Dafür hat das Unternehmen kürzlich ein anderes Produkt in sein Portfolio aufgenommen, dessen Vertrieb am 13. Dezember startet. Bei „Xatepa“, entwickelt vom dänischen Biotech-Unternehmen Tetra Pharm Technologies, werden Cannabinoide sublingual, also unter der Zunge, aufgenommen und wirken schneller als bei herkömmlicher oraler Einnahme von Cannabis-Extrakten, erläutert der Vorstandsvorsitzende. Die Anwendung erfolgt als Spray.

    Durch die größere Produktpalette wird es allmählich eng in den Räumlichkeiten der Firma, die 2018 als Start-up unter dem Namen „Bavaria Weed“ gegründet wurde und sich 2022 mit der dänischen Canify AG zusammenschloss. Die Mitarbeiterzahl ist in den vergangenen Jahren auf 38 gewachsen, von denen 17 in Leipheim beschäftigt sind. Die Lagerkapazität liegt derzeit bei 2,5 Tonnen Cannabisblüten – entweder im Rohzustand, wie sie angeliefert werden, oder in abgepackter Form für den Versand an pharmazeutische Großhändler und Apotheken. Weil der Platz bald nicht mehr ausreiche, müsse kurzfristig umgelagert werden, so Mielcarek. Mittel- bis langfristig ist eine Erweiterung des Standorts geplant. „Wir wollen auf jeden Fall in Leipheim bleiben.“ Dass Canify expandieren muss, liegt auch an der Gesetzeslage, von der man profitiere.

    Durch Legalisierung gibt es auch weniger Hemmungen beim medizinischen Cannabis

    „Mit der neuen gesetzlichen Regelung ist der Absatz deutlich gestiegen.“ Hier müsste man Mielcarek zufolge zwei Bewegungen gesondert betrachten. So würde durch das Gesetz zum einen das medizinische Cannabis nicht mehr dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen, was deutliche Erleichterungen für die Abläufe und den Vertrieb bringt. Auf der anderen Seite stehe die Legalisierung des Privatkonsums und Anbaus von Cannabis in sogenannten Social Clubs. „Das hat mit uns als medizinisches Unternehmen per se nichts zu tun.“

    Eine Mehrkopfwaage hilft beim Abfüllen der Blüten.
    Eine Mehrkopfwaage hilft beim Abfüllen der Blüten. Foto: Julia Greif (Archivbild)

    Das weggefallene Verbot trage aber durchaus zur Entstigmatisierung von Cannabis in der Gesamtbevölkerung bei, wodurch möglicherweise auch die Hemmschwelle für die Aufnahme einer therapeutischen Behandlung sinkt. Wie steht Canify eigentlich zu Forderungen wie der des CDU-Kanzlerkandidats Friedrich Merz, der die Legalisierung wieder rückgängig machen will? „Hier glauben und hoffen wir, dass die Gesetzeslage bei medizinischem Cannabis nicht angerührt wird.“ Würde dieses wieder dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen, wäre das ein Rückschritt, so Mielcarek.

    Die Cannabisblüten in Rohform bezieht das Unternehmen derzeit aus rund zehn Ländern, darunter Uruguay, Kolumbien oder Portugal. Seit Kurzem auch aus dem Staat Lesotho im Süden Afrikas. „Wenn man mit einem Entwicklungsland zusammenarbeitet, schwingt auch ein sozialer Aspekt mit. Wobei in allererster Linie die Qualität des Produkts steht, wenn wir uns für eine neue Kooperation entscheiden.“

    Medizinisches Cannabis

    Medizinisches Cannabis wird vor allem in der Schmerztherapie angewendet, also bei allen Formen von chronischen Schmerzen. Da die Rezeptoren für Cannabinoide im gesamten Körper verteilt sind, gibt es ein breites Wirkungsspektrum. Aber auch auf die mentale Verfassung – etwa bei Depressionen, ADHS oder Angststörungen – kann der Stoff positiven Einfluss nehmen.

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