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Alle Neune Thal

12.01.2019

Training im Kegeln: Drei Tage lang Muskelkater

Die Kegelanlage der Alle Neune Thal ist modern ausgestattet. Über einen Computer lassen sich bestimmte Kegelbilder auf die Bahn stellen, um spezielle Spielsituationen gezielt trainieren zu können.
Bild: Stefan Kümmritz

Das Kegeln wird häufig belächelt, dabei gehört einiges dazu, um unter Wettkampfbedingungen viel Holz abzuräumen. So trainiert der der AN Thal.

Während von der Nebenbahn ein „Klack“ vom etwas unsauberen Aufsetzen der Kugel herüber klingt, legt Norbert Kandler sein Sportgerät fast geräuschlos auf. Dann rollt die Kugel schnell und unaufhaltsam auf der spiegelglatten Bahn ihrem Ziel entgegen: neun Kegeln, die ein geschlossenes Bild abgeben. Ein Krachen – die Kugel ist aufgeprallt und hat alle Kegel umgeworfen. Norbert Kandler, der „Kegelgott“ und Sportwart von Landesligist Alle Neune Thal, nimmt das Ergebnis gelassen hin. Was für Laienspieler ein großartiges Erlebnis ist, ist für ihn Normalität. Sonst könnte er kaum auf die Ergebnisse kommen, die ihn befähigen, in der ersten Mannschaft von AN Thal auf Holz- und Punktejagd zu gehen.

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Das gilt genauso für Dominik Stoll, der seit dem 28. November 2015 den heimischen Bahnrekord mit bundesligareifen 624 Holz hält und auch gerade im Training steht. Und natürlich für die anderen Mitglieder der ersten Mannschaft, Florian Ferigutti, Florian König, Thomas Lehner, Stefan Mazeth sowie die Reservisten Dominik Abt und Dennis Dworatschek. Wobei es Ausnahmen gibt: Den Einzelbahnrekord in Thal (182 Holz) hält seit ein paar Tagen Tobias Suwald von der dritten Mannschaft.

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Alle Neune Thal trainieren in einer modernen Halle

Die moderne Thaler Anlage hat vier Bahnen und so können nicht alle Teammitglieder gleichzeitig trainieren. Für die Spieler, allesamt reine Amateure, obwohl sie in der vierthöchsten deutschen Klasse antreten, kein Problem. Auch aus beruflichen Gründen wäre ein Mannschaftstraining gar nicht möglich. Einen echten Trainer gibt es auch nicht. „Unser Sportwart Norbert Kandler übernimmt diese Aufgabe so ein wenig“, berichtet Abteilungsleiter Sebastian Abt. „Er gibt als erfahrener Kegler Tipps und während des Wettkampfs warten die Spieler untereinander mit Ratschlägen auf.“ Im Übrigen hat der Verein sechs Männermannschaften, ein Frauenteam und ein paar A-Jugendliche, die mit den Altersgenossen des SC Vöhringen eine Spielgemeinschaft bilden. Da die Anlage vereinseigen ist, laufen dort die Übungseinheiten ab.

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Das Training ist sehr individuell. „Normalerweise simuliert zunächst jeder den Wettkampf mit den Würfen in die Vollen und ins Abräumen. Das heißt, es werden 120 Kugeln gespielt“, erklärt Dominik Abt, der als Bestleistung starke 599 Kegel aufweist und in der ersten und der zweiten Mannschaft eingesetzt wird. 120 mal die Kugel raushauen, die circa 2,5 Kilogramm wiegt – da brauchen die Spieler Kraft, Kondition und Konzentration. Und ein Handtuch, mit dem man sich und der Kugel den Schweiß abwischt. „Ein Trainingsspiel dauert etwa eine Stunde“, sagt Sebastian Abt. „Wer sich dann noch gezielt verbessern will, kann mit dem Computer verschiedene Bilder aufstellen, um das Abräumen zu üben. Da gibt es ganz schwierige Bilder und es heißt üben, üben, üben.“

Wie trainieren Kegler?

Dass Kegeln ein ernst zu nehmender Sport ist, mussten ein paar Fußballer erfahren, die ein Spielchen mitgemacht hatten. „Die haben noch drei Tage später Muskelkater gehabt. In den Armen, Beinen, vor allem aber im Gesäß“, erkärt der Abteilungsleiter. Norbert Kandler kann berufsbedingt meistens nur einmal pro Woche trainieren, dann aber sehr intensiv. „Wichtig ist, dass man länger trainiert als ein Wettkampf dauert, damit man für diesen fit ist“, sagt er. „Wenn man bei sich zum Beispiel beim Gassenspiel oder bei bestimmten Bildern Schwächen erkennt, geht man an diese im Anschluss ans Wettkampftraining noch ran.“ Technik trainieren eigentlich nur Anfänger. „Jeder Kegler entwickelt mit der Zeit seinen eigenen Stil. Manch einer spielt auch mit Effet, aber das trainiert man sich nicht an, höchstens in der Bundesliga. Wichtig ist, dass man die Kugel gut auf dem Auflagebrett aufsetzt. Der Schiedsrichter wacht darüber.“

Ein generelles Training über das auf der Bahn hinaus gibt es bei AN Thal nicht. Auch sonst ist das in unteren Klassen unüblich. Der eine oder andere, so auch Kandler, spielt noch nebenher noch etwas Fußball. Manch einer geht zum Laufen, Radfahren oder ins Fitnessstudio, was der Kondition und Kraft zu Gute kommt. Gezwungen wird dazu allerdings niemand.

„Bei Lehrgängen sieht das anders aus“, weiß Dominik Abt. „Da stehen zum Beispiel auch Krafttraining, Laufen oder Seilspringen auf dem Programm.“ Aber zu Lehrgängen gehen in der Regel auch nur die jungen Kerle.

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