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Covid-19
07.08.2020

Griechenland und Spanien: Immer mehr Corona-Fälle

Die griechischen Strände ziehen viele Menschen an. Nun ist die Stimmung allerdings durch viele Corona-Infektionen getrübt.
Foto: Lefteris Partsalis, XinHua/dpa

Lange galt Griechenland im Kampf gegen die Corona-Pandemie als Vorbild. Doch jetzt nimmt die Zahl der Infizierten deutlich zu. Auch Spanien hat zu kämpfen.

„Locker, aber erlesen, entspannt, aber elegant, zugleich abgeschieden und kosmopolitisch“ – so wirbt das Alemagou auf der Kykladeninsel Mykonos um Kundschaft. Der Komplex am Strand von Ftelia umfasst Restaurant, Beach-Bar und eine Villa für bis zu 16 Gäste. Jetzt ist der Laden zu. Sieben Angestellte wurden am Mittwoch positiv auf Covid-19 getestet. Die Gesundheitsbehörden suchen nun nach den Gästen, die sich in den vergangenen Tagen im Alemagou aufgehalten haben. Damit hat die Pandemie auch Griechenlands berühmteste Promi-Insel erreicht.

Lange galt Griechenland im Kampf gegen die Epidemie als Vorbild. Die Infektionsraten waren so niedrig wie in kaum einem anderen europäischen Staat. Doch nun steigt die Kurve der täglich gemeldeten neuen Fälle steil an. 153 waren es am Donnerstag, der zweithöchste Wert seit Beginn der Pandemie. Zuletzt wurden am 21. April 156 Fälle festgestellt. Davon entfielen seinerzeit aber 153 auf einen einzigen Infektionsherd, eine Flüchtlingsunterkunft. Jetzt sind die neuen Fälle breit gestreut: 40 in der Hauptstadtprovinz Attika, 38 im nordgriechischen Thessaloniki – also in dicht bevölkerten Großstadtregionen, wo die Nachverfolgung der Infektionswege besonders schwierig ist.

 

Griechenlands "Corona-Papst" schlägt Alarm: Der R-Wert ist angestiegen

Der Epidemiologe Dimitris Tsiodras, Griechenlands „Corona-Papst“, schlägt Alarm: „Die Entwicklung kann sehr schnell außer Kontrolle geraten“, warnt der Professor. Der Reproduktionsfaktor R, der Mitte Juli noch bei dem vorbildlichen Wert von 0,4 lag, hat inzwischen die Marke von 1 erreicht. Das bedeutet: Jeder Infizierte steckt im Schnitt eine weitere Person an.

Die Befürchtung, der Neustart des Tourismus könnte die Zahlen ansteigen lassen, hat sich nicht bewahrheitet. Von den am Donnerstag gemeldeten 153 neuen Fällen betreffen nur 18 ausländische Urlauber. Bei Stichproben von 1,3 Millionen Urlaubern, die im Juli einreisten, wurden nur 400 positive Testergebnisse festgestellt, sagt Tourismusminister Charis Theocharis. Dass die Infektionszahlen wieder stark ansteigen, sei vor allem auf wachsende Leichtfertigkeit vieler junger Leute zurückzuführen, meinen die Fachleute. Mit ständigen Kontrollen in Bars und an den Stränden versucht die Polizei jetzt, die Abstandsregeln und Hygienevorschriften durchzusetzen. Einen neuen Lockdown mit Ausgangssperren und geschlossenen Geschäften will die Regierung auf alle Fälle vermeiden. Stattdessen setzt sie auf lokale Beschränkungen.

Nicht nur Griechenland hat mit steigenden Infektionszahlen zu kämpfen. Auch in Spanien ist keine Entspannung in Sicht. Corona ist dort wieder auf dem Vormarsch – trotz nationaler Maskenpflicht, die sogar im Freien gilt. In den letzten sieben Tagen registrierten die Gesundheitsbehörden mehr als 19.400 neue Fälle. Das sind nahezu 2800 Infektionen pro Tag – so viele wie in keinem anderen Land Europas. Als Folge raten inzwischen etliche europäische Länder von Spanien-Reisen ab oder verhängen eine Quarantäne beziehungsweise Testpflicht für Rückkehrer.

Spanien hat mit Corona zu kämpfen: Am schlimmsten ist es im Norden

Am schlimmsten sieht es weiterhin im Norden Spaniens aus. In den Brennpunkt-Regionen Katalonien mit der Costa Brava und Barcelona, in Aragonien und in Navarra ist keine Besserung in Sicht. In diesen Territorien wird schon seit gut einem Monat der kritische Wochenwert von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner weit überschritten. Weswegen zum Beispiel Deutschland diese Regionen als „Risikogebiete“ einordnet. Von diesem Samstag an gilt für deutsche Rückkehrer aus Risikogebieten eine Testpflicht.

Regional sieht die epidemiologische Lage in Spanien sehr unterschiedlich aus: Die Kanarischen Inseln haben die niedrigste Infektionsquote des spanischen Königreichs. Und die Inseln arbeiten hart dafür, dass dies auch so bleibt: Sie wollen eine Testpflicht für alle ankommenden Reisenden einführen. Und die Regionalregierung verspricht zudem allen Touristen, die auf den Vulkaninseln an Corona erkranken, für sämtliche Behandlungskosten aufzukommen.

Auf Mallorca und den anderen balearischen Mittelmeerinseln ist die Virus-Lage inzwischen nicht mehr ganz so rosig. Die Fallzahlen steigen stetig an. Die statistische Infektionsrate kletterte auf 34,3 Fälle in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner. Es wurde auf Mallorca auch über Erkrankungen von mehreren Touristen berichtet, konkrete Angaben dazu machten die Inselbehörden aber nicht. Bestätigt wurde hingegen, dass ein Inselhotel und ein Restaurant wegen Virus-Ausbrüchen geschlossen werden mussten.

In Madrid übersprang die Krankheitsrate inzwischen ebenfalls den bedenklichen Schwellenwert von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner. Als Folge ist daher nicht auszuschließen, dass auch Madrid demnächst von Deutschland zum „Risikogebiet“ deklariert wird.

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