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Rassismus
09.08.2020

Umbenennung des "Drei Mohren": Darum sind Begriffe wie "Mohr" rassistisch

Begriffe wie "Mohr" sind problematisch, sagen die Professoren Anatol Stefanowitsch und Susan Arndt.
Foto: Silvio Wyszengrad

Das Augsburger Hotel "Drei Mohren" ändert seinen Namen. Während einige den Schritt begrüßen, verstehen andere die Aufregung nicht. Warum sind Begriffe wie "Mohr" belastet?

Es gibt sie noch immer zuhauf in der deutschen Sprache: Begriffe, die diskriminierend und rassistisch belastet sind. Da sind Mohrenapotheken, im Biergarten bestellt man Zigeunerschnitzel und bis vor ein paar Jahren naschte man - zumindest im Süden Deutschlands - noch Mohrenköpfe. In Augsburg ist in dieser Woche erneut die Diskussion um das Wort "Mohr" entflammt. Denn das Hotel "Drei Mohren" in der Maximilianstraße wird seinen Namen künftig in "Maximilian's" ändern.

Die Reaktionen der Menschen aus der Region fallen dabei ganz unterschiedlich aus: "Endlich" war in den sozialen Netzwerken zu lesen. Es sei ein längst überfälliger Schritt des Hotels gewesen, den Namen zu ändern. Andere hingegen verstehen die Aufregung nicht, behaupten sogar, dass der Begriff "Mohr" nie negativ aufgeladen war.

Forscher: "Mohr" war schon immer eine Fremdbezeichnung

Dass dies nicht korrekt ist, weiß Anatol Stefanowitsch. Der Professor lehrt an der Freien Universität Berlin und beschäftigt sich mit Sprachpolitik sowie Sprache und Diskriminierung. Beim Begriff "Mohr" gebe es gleich mehrere Probleme, erklärt der Wissenschaftler: "Er stammt aus einer Zeit, in der es - freundlich ausgedrückt - eine große Unwissenheit gab, was die verschiedenen Volksstämme in Afrika betrifft." Schon immer handelte es sich bei diesem Wort um eine Fremdbezeichnung, Afrikaner hätten sich nie selbst so genannt, sagt Stefanowitsch.

Das nächste Problem: Das Wort stammt aus einer Zeit, als Leute, die als Mohren bezeichnet wurden, in Deutschland nicht als vollwertige Menschen anerkannt wurden. "Spätestens da war der Begriff verbrannt und hätte nicht so lange weiterverwendet werden dürfen", erklärt er.

Expertin: "Mohr" steht für Rassismus

Ähnlich sieht das Susan Arndt, Professorin an der Uni Bayreuth. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren ebenfalls mit Rassismus in der deutschen Sprache. Der Begriff "Mohr" stehe für Rassismus, sagt sie im Interview, ohne das Wort auszusprechen. Denn sie vertritt die Devise: "Wir müssen über Rassismus sprechen, ohne ihn zu reproduzieren."

Das M- und auch das N-Wort seien von Beginn an negativ belastet gewesen. "Die Denkweise war: Wer dunkle Haut hat, ein verbranntes Gesicht, der stammte aus klimatheoretischer Sicht aus einer Region, in der keine Vernunft möglich war." Später sei der Begriff dann für Heiden oder Feinde benutzt worden. "Das diente als Basis zu rechtfertigen, dass diese Menschen versklavt werden durften", erklärt Arndt.

Schließlich seien "Mohr" und das N-Wort synonym verwendet worden - nämlich für "Menschen, die dazu da seien, Weißen zu dienen. Davon haben sich die Begriffe niemals emanzipiert".

Herkunft wichtiger als Beruf "Das ist rassistisch"

Dem Berliner Professor Stefanowitsch ist indes unklar, warum sich das Hotel nicht von Anfang an "Drei Mönche" nannte, schließlich waren diese Geistlichen aus Abessinien der Legende des Hotels nach die Namensgeber. "Warum konzentrierte man sich nicht auf den Beruf, sondern die vermeintliche ethnische Herkunft der Männer? Das hätte man bei weißen Menschen nie gemacht. Das ist rassistisch."

Ähnlich problematisch sieht der Wissenschaftler das Wort "Mohr" im Namen vieler Apotheken. "Diese behaupten oft, der Heilige Mauritius wäre der Namensgeber. Wenn das so wäre, könnte man sie auch Sankt-Mauritius-Apotheken nennen." Eine böse Absicht unterstellt er den damaligen Augsburger Namensgebern des "Drei Mohren" aber nicht - "eher eine gewisse Naivität". Dass sich das Hotel nun vom Namen trennt, sei höchste Zeit und hätte schon viel früher passieren müssen.

N-Wort kam mit entstehender Rassentheorie in den Sprachgebrauch

Bei Weitem ist "Mohr" nicht der einzige Begriff in der deutschen Sprache, der rassistisch aufgeladen ist. Noch extremer ist das beim N-Wort der Fall. "Dieser Begriff stand immer im kolonialistischen Kontext und kam mit der entstehenden Rassentheorie im 19. Jahrhundert in den Sprachgebrauch. Er hat also eine nochmal problematischere sprachliche Geschichte als der Mohr."

Stefanowitsch: Auch Zigeuner ist problematisch

Ebenfalls hartnäckig hält sich der Begriff des Zigeuners, beispielsweise in Verbindung mit dem Schnitzel oder der Soße. Auch hier hätten die Sinti und Roma bereits klargemacht, dass sie so nicht genannt werden wollen. "Zigeuner war ebenfalls von Anfang an eine Fremdbezeichnung. Vor allem der Nationalsozialismus hat dem Wort nochmal eine neue Dimension gegeben, die ausreichend hätte sein müssen, nicht mehr daran festzuhalten." Generell solle man sich klarmachen: Welche Tradition soll verteidigt werden? Bei all diesen Wörtern gebe es keinen guten Grund, sie weiterhin zu verwenden, betont Stefanowitsch. Professorin Arndt ergänzt: "Wenn ich ein Hotel oder eine Apotheke mit diesem Namen besitze, dann kann ich ihn ändern und damit meinen kleinen Beitrag gegen Rassismus leisten."

Hören Sie sich darüber hinaus auch unseren Podcast mit Stadträtin Lisa McQueen zum Thema Rassismus an:

Problematisch sind Arndt zufolge auch Umschreibungen wie "Farbige" oder "Menschen mit dunkler Haut". Weißsein werde dabei immer als Norm angesehen. Ohnehin sei Hautfarbe eine Kategorie, die die Rassentheorie erfunden hat. Alternativen wären zum Beispiel "Schwarze Deutsche" oder "People of Color".

Ein Problem sieht die Forscherin auch beim Wort "Indianer". Sie wurden nicht als vollwertige Menschen angesehen, von denen man glaubte, ihnen das Land wegnehmen zu dürfen. Besonders im Fasching begründen die Menschen die Wahl ihres Indianer-Outfits oft damit, deren Naturverbundenheit Tribut zollen zu wollen. "Das ist das Problem. Die Einwanderer dachten: 'Wir haben die Kultur, ihr die Natur und weil wir die Natur zähmen, dürfen wir das besitzen, was euch gehört.'"

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Die Diskussion ist geschlossen.

09.08.2020

Unsinn - das Ganze. So wurden z.B. Mohr und Neger noch nie synonym verwendet. Der Mohr tauchte in der Allgemeiunspraxchge gar nicht auf. Höchstens bei einer Schokolade oder einem Kunderbuchg odewr einem süßen Gebäck.
Schade, daß manche offensichtlich keine Sorgen, Probleme haben - aber vermutlich handelt es sich um eine Freizeitbeschäftigung von von beruflich unausgelasteten Mitmenschen.

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10.08.2020

Ich gehe davon aus, dass Ihre Hautfarbe weiß ist?

Nur weil es früher "normal" war, muss es nicht richtig sein. Wie engstirnig kann man eigentlich sein?
Wenn Sie meinen, dass "Neger" nichts diskriminierendes hat, haben wohl eher Sie ein größeres Problem mit Ihrer Wahrnehmung.

Ich kann es nicht nachvollziehen wieso Leute so ein großes Problem damit haben, dass man diese Begriffe meiden bzw. gegen Zeitgemäßere Begriffe ersetzen kann oder sollte.
Weiße regen sich auf, dass man nicht mehr Negerkuss oder sonst was sagen darf, dass hat man doch schon immer gesagt und das hat doch alles gar nichts mit diskriminierung zu tun....meine Güte, wir sind im Jahr 2020...Wer es jetzt noch nicht kapiert hat, dass es ein Rassismus-Problem, auch in Deutschlan gibt hat echt nix kapiert. Und das es ein Problem gibt, haben Sie mit Ihrem Kommentar schön gezeigt...

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10.08.2020

Ansichten sind hautfarbenunabhängig. Wir haben in Deutschland kein Rassismusproblem(von Vereinzelten mal abgesehen) - wir haben ein Problem der Neudefinition von Begriffen unter Wegwerfung guter und alter Traditionen. Der Zeitgeist, den Sie ansprechen, liegt oft daneben. Und in diesem Falle ist es die Minderheit die den 150%igen Ansatz versucht. Im empfehle mal Werke von Prof. Dr. Dr. Spitzer zu lesen der diverse Facetten dieses Zeitungeistes zerlegt.

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09.08.2020

Es wird Zeit, daß "Corona" wieder richtig zuschlägt um solche schwachsinnigen Debatten in den Hintergrund zu drängen. Mohr, Neger, Gelbhaut, Rothaut, Weißhaut und was weiß ich noch nicht alles hatte bis vor einigen Jahrzehnten noch nichts Diskriminierendes (auch eine Erfindung der letzten Jahrzehnte an sich. Es waren einfach Synonyme - vielleicht mit einem besonderen Touch. Und so sieht ers die überwiegende Mehrzahl heute noch.

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