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Verkehr

16.08.2019

Was bringen höhere Bußgelder wirklich? Das sagt eine Psychologin

Hier klappt die Rettungsgasse. Aber wie heftig soll derjenige büßen, der sie blockiert?
Bild: Sina Schuldt, dpa

320 Euro sollen Verkehrssünder künftig zahlen, wenn sie durch die Rettungsgasse fahren. Helfen bei notorischen Falschfahrern nur drastische Strafen?

Es klingt unglaublich, doch es passiert immer wieder: Während Rettungskräfte schwer verletzte Unfallopfer versorgen, verlässt einen Autofahrer die Geduld und er fährt durch die Rettungsgasse, um dem Stau zu entgehen. Dafür sollen nach den Plänen von Verkehrsminister Andreas Scheuer künftig 200 bis 320 Euro Bußgeld fällig werden, plus zwei Punkte in Flensburg und vier Wochen Fahrverbot. Doch lassen sich diejenigen davon beeindrucken, die sich offenbar weder für das Schicksal der Unfallopfer noch für die Sicherheit anderer Menschen auf der Straße interessieren, sondern nur für die eigene Zeitersparnis?

Fahren durch die Rettungsgasse: Sind vier Wochen Fahrverbot genug?

Dr. Cäcilia Haberger ist skeptisch. „Um notorische Verkehrssünder abzuschrecken, müssen Strafen wirklich saftig sein“, sagt die Münchner Verkehrspsychologin, die regelmäßig Fahrer betreut, die wegen ihres Verhaltens im Straßenverkehr zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung müssen – landläufig als „Idiotentest“ bekannt. Vier Wochen Fahrverbot seien nicht drastisch genug für Menschen, die häufig wenig Bereitschaft dafür hätten, sich an Regeln zu halten. Ein Monat ohne Auto lasse sich oft relativ unproblematisch mit dem Jahresurlaub überbrücken. Wirklich schmerzhaft ist ein solches Verbot ihrer Ansicht nach bei einem Zeitraum von etwa einem halben Jahr. Geldbußen hätten bei solchen Fahrern ohnehin kaum Wirkung, „das zahlen die einfach“.

In der Schweiz können Fahrzeuge bei massiven Verstößen im Straßenverkehr beschlagnahmt werden. Das macht Haberger zufolge am meisten Eindruck auf Verkehrssünder. Die Psychologin warnt aber davor, pauschal über alle Autofahrer zu urteilen. Wer durch eine Rettungsgasse fährt, müsse anders behandelt werden als jemand, der ordnungswidrig auf einem Radweg parkt – auch für dieses Vergehen will Scheuer die Bußgelder von 15 auf 100 Euro deutlich anheben. Für einen Autofahrer, der sich grundsätzlich an Regeln halte und der möglicherweise gedankenlos auf einem Radweg geparkt habe, sei eine solche Summe ein wirksamer Denkzettel.

Was bringen höhere Bußgelder wirklich? Das sagt eine Psychologin

Verstöße müssen auch kontrolliert werden

Davon überzeugt ist auch Carolin Ritter, Geschäftsführerin des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Der Verein steckt zusammen mit einigen Verbänden hinter der Petition für höhere Bußgelder, deren Unterschriften Verkehrsminister Scheuer vor kurzem überreicht wurden. „Wer aus persönlicher Bequemlichkeit auf einem Geh- oder Radweg parkt, handelt sicherlich nicht böswillig, gefährdet aber schwächere Verkehrsteilnehmer“, sagt Ritter.

Sinnvoll ist eine Bußgeld-Erhöhung ihrer Einschätzung nach aber nur dann, wenn die Verstöße in Zukunft auch konsequenter kontrolliert werden. Darin liegt auch für Haberger einer der Knackpunkte – viele rücksichtslose Autofahrer würden unter anderem deshalb rasen und drängeln, weil sie sich ihrer Anonymität sicher seien.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Härtere Strafen für Verkehrssünder sind sinnvoll

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