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Islam

22.04.2020

Fastenmonat: Ramadan in Zeiten der Corona-Krise

In der afghanischen Hauptstadt Kabul wartet ein Ladenbesitzer mit Mundschutz vor Beginn des Fastenmonats Ramadan auf Kunden. Viele muslimische Geistliche haben die Regeln inzwischen gelockert.
Bild: Rahmat Gul, dpa

Für Muslime in aller Welt beginnt in dieser Woche die Fastenzeit. Dazu gehört auch das gemeinsame Feiern. Doch wie soll das gehen?

Nach einem langen Tag des Fastens bei Sonnenuntergang mit der Großfamilie und Freunden gemeinsam beim Abendessen sitzen – das ist für viele Muslime das Wichtigste am heiligen Monat Ramadan. Doch in diesem Jahr wird der islamische Fastenmonat, der an diesem Freitag beginnt, ganz anders sein als sonst. Die traditionellen Festmähler wird es in vielen Ländern wegen der Corona-Pandemie nicht geben, Moscheen an den heiligsten Stätten des Islam sind geschlossen. Mancherorts dürfen die Gläubigen das Fasten in diesem Jahr sogar ganz ausfallen lassen. Die knapp zwei Milliarden Muslime – rund ein Viertel der Weltbevölkerung – stehen vor einem ungewöhnlichen Fastenmonat.

Das Fasten im Ramadan ist neben dem Glaubensbekenntnis, der Wallfahrt nach Mekka, den fünf täglichen Gebeten und der Almosengabe eine der fünf Säulen des Islam. Schon in normalen Zeiten bringen der Verzicht auf Nahrung und Wasser von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und das allabendliche Schlemmen gesundheitliche Risiken mit sich. In diesem Jahr wird der Ramadan von der Furcht vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus beherrscht.

Das tägliche Fastenbrechen gilt als unverzichtbar

Das tägliche Fastenbrechen – ob als Zusammenkunft im Familienkreis, als politisches oder gesellschaftliches Ereignis beim Luxusmenü im Fünfsterne-Hotel oder als Massenspeisung auf Plastiktellern – ist im Ramadan eigentlich unverzichtbar. Doch wie beim christlichen Osterfest erzwingt die Pandemie auch bei den Muslimen ein Umdenken. Der Rat der Hohen Gelehrten, die höchste religiöse Instanz in Saudi-Arabien, schärfte den Gläubigen in aller Welt am Sonntag ein, wegen der Gefahr einer weiteren Ausbreitung des Virus sei das Abstandhalten wichtiger als das Zusammensein. Das Leben anderer Menschen zu schützen, sei ein gottgefälliger Akt, betonten die Gelehrten in der Heimat der heiligsten islamischen Städte, Mekka und Medina.

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Das öffentliche Fastenbrechen wird nicht nur in Saudi-Arabien ausfallen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden die Gläubigen davor gewarnt, durch Massenversammlungen das Leben von Menschen zu gefährden. Ägypten und Jordanien haben öffentliche Veranstaltungen im Ramadan grundsätzlich verboten.

Saudische Behörden schicken zehntausende Mekka-Besucher nach Hause

Bereits in den vergangenen Wochen hatten die saudischen Behörden zudem zehntausende Mekka-Besucher nach Hause geschickt. Sie prüfen auch eine Absage der Pilgerfahrt Hadsch im Juli. Wegen der Einstellung der internationalen Flugverbindungen können ausländische Besucher ohnehin nicht in den Moscheen von Mekka und Medina beten. Auch die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem, nach Mekka und Medina die drittheiligste Stätte des Islam, wird im Ramadan geschlossen bleiben.

Arbeiter desinfizieren den Boden um die Kaaba, das quaderförmige Gebäude in der Großen Moschee.
Bild: Amr Nabil, dpa

In der Islamischen Republik Iran könnte das Fasten ganz ausfallen. Der schiitische Gottesstaat, das am schlimmsten betroffene Land des Nahen Ostens, verzeichnet nach offiziellen Angaben zwar eine leichte Entspannung der Lage. Doch ein Bericht des Parlaments in Teheran kam vor wenigen Tagen zu dem Ergebnis, dass die tatsächliche Zahl der Todesopfer bei fast 10.000 liegen könnte – und damit doppelt so hoch wie in der regierungsamtlichen Bilanz ausgewiesen. Die Zahl der Infektionen könnte demnach bis zu 800.000 betragen, zehnmal so schlimm wie offiziell zugegeben.

Revolutionsführer Ajatollah Ali Khamenei, in politischen wie religiösen Fragen der mächtigste Mann im Iran, verkündete angesichts der Gefahr in einer Fatwa, einem islamischen Rechtsgutachten, das Fasten im Ramadan sei unter bestimmten Voraussetzungen verzichtbar. Es könne dann ausfallen, wenn der Ausbruch oder die Verschlimmerung einer Krankheit drohe, erklärte Khameini. Auch Ajatollah Ali Sistani, das religiöse Oberhaupt der Schiiten im Irak, erteilte den Gläubigen die Erlaubnis, in diesem Jahr das Fasten auszulassen.

Nicht überall akzeptieren Geistliche die Zwänge der Pandemie

Nicht überall beugen sich Behörden und Geistliche den Zwängen der Pandemie. In Pakistan, nach Indonesien das bevölkerungsreichste Land der islamischen Welt, sollen die vor wenigen Wochen eingeführten Versammlungsverbote in den Moscheen zum Ramadan aufgehoben werden. Derzeit dürfen nur drei bis vier Gläubige gleichzeitig in einem Gotteshaus beten, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können. Im Fastenmonat wird diese Beschränkung nun abgeschafft, nicht zuletzt weil es wegen der Zugangsbeschränkungen heftige Schlägereien zwischen Gläubigen und der Polizei gab. Zwar sollen die Betenden auch im Ramadan einen Abstand von zwei Meter voneinander einhalten, doch ist unklar, wie das durchgesetzt werden kann, wenn die Moscheen grundsätzlich für alle geöffnet sind.

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