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Kommentar: Es gibt bessere Lösungen als Luftfilter für Schulen

Kommentar

Es gibt bessere Lösungen als Luftfilter für Schulen

Michael Pohl
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    Viele Eltern verfolgen fassungslos, wie in Politik und Medien über den Schutz der Schulen vor der nächsten sich anbahnenden Corona-Welle debattiert wird. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder präsentiert in letzter Minute vor den Ferien ein Zuschussprogramm für Luftfilter, nachdem seine Regierung die bisherige Förderung im April sang- und klanglos auslaufen ließ.

    SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz verkündet schlicht die „Hoffnung“, Fortschritte bei den Impfungen würden normalen Schulunterricht nach den Ferien möglich machen, und Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock fordert „eine Luftfilteranlage für jeden Klassenraum in diesem Land“. Die CDU-Minister für Gesundheit Jens Spahn und für Bildung Anja Karliczek reden dagegen wieder offen von Wechsel- und Distanzunterricht.

    Versagt die Politik erneut bei der Vorbereitung auf den Herbst?

    Über all dem stellt sich die große Frage, ob die Politik erneut dabei versagt, den Sommer dafür zu nutzen, die Schulen auf eine weitere Corona-Welle vorzubereiten. Noch weniger als im vergangenen Jahr fehlt es an Warnungen. Die Delta-Variante wird sich auch in Deutschland zu einer großen vierten Welle aufbauen.

    Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass es angesichts der wachsenden Impfquote unter den Erwachsenen diesmal trotz hochschießender Inzidenzzahlen weniger Schwerkranke auf den Intensivstationen und Tote geben könnte. Doch was ist mit den Kindern?

    Impfungen reichen nicht als Garantie für den Unterricht

    Für die unter Zwölfjährigen gibt es noch gar keinen Impfstoff. Bei den Jugendlichen streitet die Wissenschaft angesichts dürrer Studiendaten über Risiken und Nutzen der Impfungen. Dies dürfte die Verunsicherung vieler Eltern nicht lindern, ob sie ihre Kinder mit den derzeit üblichen Erwachsenenmitteln wirklich impfen lassen sollen.

    Und selbst wenn, verstreicht viel Zeit. Bis ein Termin steht, die erste und die mit mindestens drei Wochen Abstand zweite Impfung erfolgt. Und dann dauert es noch mal bis zu 14 Tage, bis der volle Impfschutz wirkt. So vergehen schnell zwei Monate. Umso befremdlicher wirkt die Langsamkeit der Politik gegenüber der sich in vielen Ländern rasend schnell ausbreitenden aggressiven Delta-Variante.

    Luftfilter sind keine Ideallösung für Schulen

    Warum gibt es also nicht längst Luftfilter für jedes Klassenzimmer? Die Gründe dafür sind vielschichtig. Und wider Erwarten liegt es nicht unbedingt am Geld. Unter vielen Kommunalpolitikern, die als Schulträger für die meisten Schulen verantwortlich sind, und auch unter vielen Schulleitern besitzen mobile Luftfilteranlagen zur Corona-Bekämpfung so viel Attraktivität wie die Corona-Warn-App für Normalbürger: Die Hoffnung, die Pandemie mit Technik zu besiegen, ist am Anfang groß.

    Doch später auch die Ernüchterung, dass sich der praktische Nutzen scheinbar in Grenzen hält. Auch bei Luftfiltern ist regelmäßiges Lüften und Abstandhalten vorgeschrieben. Manche Billiggeräte sind so laut, dass sie bis zur Wirkungslosigkeit runtergedreht werden. Vor allem gibt die Politik keine Garantie, dass nicht trotz Filter doch die Schule dicht gemacht wird. All das müsste nicht sein.

    Bund bezuschusst nachhaltige Lüftungstechnik so hoch wie nie

    Fast alle großen Hersteller kennen die Grenzen und Vorbehalte gegen Luftfilter und haben deshalb inzwischen eine bessere Lösung im Angebot. Fast jede namhafte Firma der Branche hat insbesondere für Klassenzimmer große Raumlüftungsgeräte entwickelt, die ohne Fachpersonal binnen weniger Stunden betriebsfertig installiert werden können und energiesparend für infektionsgeschützte gesunde Raumluft ohne nerviges Lüften im Unterricht sorgen. Sie tauschen die Luft laufend komplett aus und blasen dabei die Viren raus.

    Das Beste: Die Geräte machen auch nach der Pandemie Sinn, weil sie in der Regel automatisch und wartungsfrei ein Hauptproblem in Klassenzimmern beseitigen – den ansteigenden CO2-Gehalt. Meist liegen Müdigkeit und nachlassende Konzentration nicht am Lehrer, sondern an ausatmenden Mitschülern.

    Für die Gemeinden wären die Lüftungsanlagen ein gutes Geschäft - aber keiner will es

    Die meisten Geräte kosten mit Einbau unter 10.000 Euro – für Grundschulen fördert der Bund sie zu 80 Prozent. Jeder Gemeinderat sollte jetzt schnell die folgende Rechnung aufstellen: Ein Luftfiltergerät für 3000 Euro wird vom Freistaat zur Hälfte gefördert und kostet die Kommune 1500 Euro, ein nachhaltiges Raumluftgerät nach Abzug des Bundeszuschusses 2000 Euro. Klare Sache, möchte man meinen.

    Doch auch auf kommunaler Ebene droht die Politik zu versagen: Aus ganz Deutschland gingen trotz kinderleichter Förderbedingungen bislang erbärmliche 176 Zuschussanträge beim Bund ein. Die Gemeinden sollten endlich ihre Hausaufgaben machen. Und auch der Bund muss gesunde und sichere Luft auch für Schulkinder über zwölf Jahren fördern und endlich für sein Programm werben!

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