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Humboldt-Forum

17.12.2020

Nach langer Bauphase: Humboldt-Forum in Berlin ist fertig

Das Gebäude des Humboldt Forums am Berliner Schlossplatz.
Bild: Fabian Sommer, dpa

Einst war das Berliner Stadtschloss Symbol von Preußens Glanz und Gloria, dann wurde es vom DDR-Regime gesprengt. Als Humboldt-Forum ist es wieder erstanden.

Berlin hat einen neuen Mittelpunkt, der so widersprüchlich ist, wie die Geschichte der deutschen Hauptstadt selbst. Das Humboldt-Forum, die Wiedergeburt des 1950 gesprengten Berliner Stadtschlosses auf der Museumsinsel, ist nach achtjähriger Bauzeit fertig gestellt. Mehr als 640 Millionen Euro hat das Gebäude, das historische und moderne Elemente verknüpft, gekostet.

Mit seiner markanten Kuppel, der ausladenden Treppe hinunter zur Spree und dem lichten Innenhof schließt es eine klaffende Lücke im Zentrum der Stadt. Doch wegen Corona ist ungewiss, wann die ersten Besucher durch die nüchternen Innenräume der Anlage flanieren können.

Das Humboldt Forum, hier die modern gestaltete Ostseite in Berlin, öffnet coronabedingt doch noch nicht in diesem Jahr die Türen für die ersten Besucher.
Bild: Jens Kalaene, dpa

Das Humboldt-Froum hat eine wechselvolle Geschichte

Wie umgehen mit einer wechselvollen, zwiespältigen und in Teilen hässlichen Vergangenheit? Das ist die Frage, die sich seit Jahrhunderten und ganz speziell in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder stellt, wenn es um diese ganz besondere Immobilie geht. Zwischen 1443 und 1918 bildete das Berliner Schloss die hauptstädtische Residenz der Hohenzollern, Symbol von Preußens Glanz und Gloria.

Mehrfach wurde es dem Zeitgeschmack entsprechend umgebaut und erweitert, zunächst nach dem Geschmack der Renaissance und später im barocken Stil. In der Weimarer Republik wurde das Schloss, eben noch steingewordener Ausdruck kaiserlicher Macht, zum Museum umgewidmet. Die Nazis veranstalteten dort Ausstellungen und Konzerte - Historiker sprechen vom Versuch, ihrer Barbarei ein kulturelles Deckmäntelchen umzuhängen.

In der DDR wurde das Berliner Stadt Schloss gesprengt

Als Hauptwerk des norddeutschen Barock und weltweit bekannt als Wahrzeichen Berlins, prägte das Schloss mit seiner markanten, 60 Meter hohen Kuppel, das Stadtbild. Doch bei einem alliierten Luftangriff 1945 wurde es in großen Teilen zerstört. An einem Wiederaufbau des preußischen Wahrzeichens zeigten die Machthaber in der sowjetischen Besatzungszone so wenig Interesse wie später die Führung der sozialistischen DDR. Einige noch intakte Skulpturen und zahlreiche Glasfenster gingen bei Dreharbeiten zu einem patriotischen russischen Film über die Einnahme Berlins zu Bruch.

1950 schließlich verfügte die DDR-Spitze um Walter Ulbricht die Sprengung, obwohl sich auf der ganzen Welt heftiger Protest gegen die Vernichtung des einzigartigen Kulturdenkmals regte. "Es soll uns nichts mehr an unrühmlich Vergangenes erinnern" schrieb die SED-Parteizeitung "Neues Deutschland".

Das Foyer des Humboldt Forums mit dem sogenannten "Kosmograph", einer Infotafel mit Bildschirmen.
Bild: Fabian Sommer, dpa

Zurück blieb eine Brache, bis die DDR sich mit dem 1976 eröffneten Palast der Republik ihrerseits ein Machtsymbol baute. Nach der Wende erwies sich das Gebäude als hochgradig mit Asbest verseucht und wurde schließlich abgerissen. Wieder klaffte eine Brache im Herzen der Stadt. Der Bundestag des wiedervereinigten Deutschlands beschloss schließlich den Neubau als Humboldt-Forum, der 2013 begann. Nach den Plänen des Architekten Franco Stella aus dem norditalienischen Vicenza, wurde eine moderne Konstruktion errichtet, die auf drei Seiten dem historischen Vorbild entspricht.

In der eigens gegründeten Schlossbauhütte in Spandau bildeten Steinmetze hunderte teils mehr als drei Meter hohe Figuren, Schmuck- und Zierelemente der Fassade aus sächsischem und schlesischem Sandstein nach. Der Gebäudekörper selbst ist in moderner Bauweise ausgeführt. Die Gesamtosten liegen bei 644 Millionen Euro, von denen der Bund 532 Millionen und das Land Berlin 32 Millionen Euro übernehmen. 80 Millionen Euro haben private Spender für die Rekonstruktion der barocken Fassaden aufgebracht.

Humboldt-Forum habe Mehrzweckhallen-Atmosphäre sagen Kritiker

Ein unbekannter Mäzen ermöglichte dann auch noch die ursprünglich aus Kostengründen nicht vorgesehene Neuerrichtung der 20 Millionen Euro teuren Kuppel. Während sich das Schloss nun auf drei Seiten im auf alt gemachten Gewand präsentiert, ist die Ostseite im bewusst modernen Raster-Stil gehalten. Auch die prächtigen Säle im Inneren wurden nicht rekonstruiert. Nüchterne Funktionsarchitektur, Merrzweckhallenatmoshäre, unken Kritiker.

Ob die Mischung aus originalgetreuen und neuen Gestaltungselementen passt, ist Gegenstand erbitterter Diskussionen in der Architekturszene. Für erhitzte Gemüter sorgte auch das golden glänzende Kreuz, das nach historischem Vorbild auf der Kuppel prangt Die einen kritisieren, dass ein Zeichen der preußischen Verbindung von Thron und Altar heute fehl am Platze sei. Es gehöre eben nun mal dazu, sagen die anderen.

Kontroverse um Raubkunst und koloniale Vergangenheit

So sehr die Äußerlichkeiten polarisieren, so sehr wird auch über das gestritten, was sich im Inneren des Humboldt-Forums künftig abspielen soll. Mehrere Träger bilden eine Art Wohngemeinschaft, in der es schon vor Einzug Spannungen gab. Alles verbindende Klammer soll die Auseinandersetzung mit den Gebrüdern Wilhelm und Alexander von Humboldt sein. Der eine war berühmter preußischer Bildungsreformer, der andere Weltreisender und Entdecker.

Da schien es nur passend, dass die Stiftung Preußischer Kulturbesitz Objekte aus dem Ethnologischen Museum und dem Museum für Asiatische Kunst einbringt. Darunter prächtige Boote und Häuser aus der Südsee oder frühe chinesische Artefakte. Doch inzwischen ist die Debatte um die mögliche Rückgabe so genannter Raubkunst voll entbrannt. Nigeria etwa fordert die so genannten "Benin-Bronzen" von Deutschland zurück.

Monika Grütters (CDU), Staatsministerin für Kultur und Medien.
Bild: Bernd von Jutrczenka, dpa

Die Macher des Humboldt-Forums versprechen nun, einen Beitrag zur Aufarbeitung deutscher Kolonialgeschichte zu leisten. Kulturstaatsministerin Monika Grütters sagte bei der virtuellen Eröffnung: „Das Vermächtnis der Humboldt-Brüder, sich die Welt mit eigenen Augen anzuschauen, dem Fremdem zu begegnen statt es abzuwehren und abzuwerten, ist heute aktueller denn je. Deshalb wollen wir dieses Vermächtnis mit dem Humboldt Forum mitten im Herzen der deutschen Hauptstadt mit neuem Leben füllen. " Gerade für den Umgang mit Kulturgütern aus kolonialen Kontexten solle das Humboldt-Forum künftig Maßstab und Vorbild sein.

Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums, im Schlüterhof.
Bild: Fabian Sommer, dpa

Unter dem gleichen Dach will sich das Berliner Stadtmuseum mit der Geschichte der deutschen Hauptstadt beschäftigen. Das "Humboldt-Labor" der Humboldt-Universität befasst sich mit der Wechselwirkung von Mensch und Natur. Laut Generalintendant Hartmut Dorgerloh will das Haus nicht nur Museum sein, sondern eben auch Forum sein - für Diskussionen, Musik, Film, Theater und Literatur. Alt und neu, Geschichte und Zukunft, Kultur und Wissenschaft - ob das alles zusammenpasst? Sobald es die Corona-Lage zulässt, wird sich zeigen, wie die Besucher diese vielfältige Mischung im Humboldtforum annehmen.

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