Weiter mit Tracking durch Dritte

Besuchen Sie unsere Website mit externen Inhalten, personalisierter Werbung und Werbetracking durch Dritte. Details und Informationen zu Cookies, Verarbeitungszwecken sowie Ihrer jederzeitigen Widerrufsmöglichkeit finden Sie in der Datenschutzerklärung und in den Privatsphäre-Einstellungen.

Weiter mit dem PUR-Abo

Nutzen Sie unser Angebot ohne Werbetracking durch Dritte für 4,99 Euro/Monat. Kunden mit einem bestehenden Abo (Tageszeitung, e-Paper oder PLUS) zahlen nur 0,99 Euro/Monat. Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des PUR-Abos finden Sie in der Datenschutzerklärung.

Zum Angebot Bereits PUR-Abonnent? Hier anmelden

Einwilligung: Durch das Klicken des "Akzeptieren und weiter"-Buttons stimmen Sie der Verarbeitung der auf Ihrem Gerät bzw. Ihrer Endeinrichtung gespeicherten Daten wie z.B. persönlichen Identifikatoren oder IP-Adressen für die beschriebenen Verarbeitungszwecke gem. § 25 Abs. 1 TTDSG sowie Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO durch uns und unsere bis zu 220 Partner zu. Darüber hinaus nehmen Sie Kenntnis davon, dass mit ihrer Einwilligung ihre Daten auch in Staaten außerhalb der EU mit einem niedrigeren Datenschutz-Niveau verarbeitet werden können.

Tracking durch Dritte: Zur Finanzierung unseres journalistischen Angebots spielen wir Ihnen Werbung aus, die von Drittanbietern kommt. Zu diesem Zweck setzen diese Dienste Tracking-Technologien ein. Hierbei werden auf Ihrem Gerät Cookies gespeichert und ausgelesen oder Informationen wie die Gerätekennung abgerufen, um Anzeigen und Inhalte über verschiedene Websites hinweg basierend auf einem Profil und der Nutzungshistorie personalisiert auszuspielen.

Externe Inhalte: Zur Ergänzung unserer redaktionellen Texte, nutzen wir in unseren Angeboten externe Inhalte und Dienste Dritter („Embeds“) wie interaktive Grafiken, Videos oder Podcasts. Die Anbieter, von denen wir diese externen Inhalten und Dienste beziehen, können ggf. Informationen auf Ihrem Gerät speichern oder abrufen und Ihre personenbezogenen Daten erheben und verarbeiten.

Verarbeitungszwecke: Personalisierte Werbung mit Profilbildung, externe Inhalte anzeigen, Optimierung des Angebots (Nutzungsanalyse, Marktforschung, A/B-Testing, Inhaltsempfehlungen), technisch erforderliche Cookies oder vergleichbare Technologien. Die Verarbeitungszwecke für unsere Partner sind insbesondere:
Informationen auf einem Gerät speichern und/oder abrufen

Für die Ihnen angezeigten Verarbeitungszwecke können Cookies, Gerätekennungen oder andere Informationen auf Ihrem Gerät gespeichert oder abgerufen werden.

Personalisierte Anzeigen und Inhalte, Anzeigen und Inhaltsmessungen, Erkenntnisse über Zielgruppen und Produktentwicklungen

Anzeigen und Inhalte können basierend auf einem Profil personalisiert werden. Es können mehr Daten hinzugefügt werden, um Anzeigen und Inhalte besser zu personalisieren. Die Performance von Anzeigen und Inhalten kann gemessen werden. Erkenntnisse über Zielgruppen, die die Anzeigen und Inhalte betrachtet haben, können abgeleitet werden. Daten können verwendet werden, um Benutzerfreundlichkeit, Systeme und Software aufzubauen oder zu verbessern.

▌▉▍▉▉▍▉▌▌▉▍▉▌ ▉▌▌▉▍▉▌▌▉▍▉▍▉▍ ;▌▉▍▉▉▍▉▌▌▉▍▉▌
  1. Startseite
  2. Politik
  3. Krieg in der Ukraine: Kämpfe in der Region Charkiw: Auf der Flucht vor den Russen

Krieg in der Ukraine
20.05.2024

Kämpfe in der Region Charkiw: Auf der Flucht vor den Russen

Tetjana und ihr Mann müssen ihr Haus verlassen. Es ist höchste Zeit, in der Nähe brennen Häuser. Polizist Vitali (Zweiter von links) hilft ihnen.
Foto: Till Mayer

Russland hat im Nordosten der Ukraine eine neue Front eröffnet, Truppen dringen in Richtung Charkiw vor. Vor allem Wowtschansk und die umliegenden Dörfer sind heftig umkämpft. Stationen einer Evakuierung.

Rauchfahnen steigen auf. Über den Kiefernwäldern, die sich links und rechts der Straße erstrecken. Über den zerstörten Häusern, die am Rand des brüchigen Asphalts stehen. Die Rauchfahnen ziehen gerade und steil nach oben in den Himmel. Sieben, acht, neun schwarze Säulen sind es. Kaplan Wolodymr hat keine Zeit, sie zu zählen. Er drückt das Gaspedal seines betagten Allrad-SUV durch. Der schwarze Mitsubishi kämpft mit den Schlaglöchern. Dann geht es von der Asphaltstraße auf einen unbefestigten Weg. Das Auto zieht eine mächtige Staubfahne hinter sich her. Wolodymr fährt zu einem Dorf, keine zwei Kilometer vom heftig umkämpften Wowtschansk entfernt. Am Ortseingang qualmt ein abgebranntes Haus. Ein Volltreffer, vermutlich von einer Artilleriegranate. 

Der bärtige Militärkaplan und der Polizist, der ihn begleitet – er heißt Vitali – haben es eilig. In der Luft könnte eine russische Drohne schwirren, Einschläge sind im Minutentakt zu hören. Bramm, bramm, bramm kracht es nahe des Dorfs. Die beiden Männer eilen an der Hausfront einer der einstöckigen Bauernkaten entlang. Die gemeldete Nummer passt. Eine Türklingel gibt es nicht. Also klopfen sie hart gegen das Fenster. "Evakuierung", ruft Wolodymr.

"Hörst du denn nicht die Einschläge?", schnauft Militärkaplan Wolodymr

Das Gesicht einer älteren Frau erscheint. "Mütterchen, wir haben keine Zeit", sagt der Kaplan. Kurz darauf geht die Tür knarrend auf. Die beiden Männer verschwinden im Haus. Drinnen hat Rentnerin Tetjana alles Nötige gepackt. Zwei große Tragetaschen stehen im Dämmerlicht der Wohnstube. Tetjanas Ehemann ist fassungslos. "Wir müssen weg? Warum?", fragt er mit zittriger Stimme. "Hörst du denn nicht die Einschläge?", schnauft Wolodymr in Richtung des alten Mannes. Der kann offensichtlich nicht verstehen, dass die russische Armee eine weitere Front eröffnet hat. Dass sie im Nordosten der Ukraine auf die Millionenstadt Charkiw vorrückt. Seit Tagen schon. Besonders umkämpft ist Wowtschansk. 

Wenn es so weitergeht, droht es hier bald auszusehen wie in den Siedlungen an der Frontlinie im Donbass oder im Süden: menschenleere Trümmerwüsten. Seit dem 10. Mai sind Tausende aus dem neuen Kampfgebiet geholt worden. In Sicherheit, vorerst. Alte, Gebrechliche, Menschen mit Behinderung und ohne eigenes Auto.

Wir benötigen Ihre Einwilligung, um den Inhalt von Instagram anzuzeigen

Hier kann mit Ihrer Einwilligung ein externer Inhalt angezeigt werden, der den redaktionellen Text ergänzt. Indem Sie den Inhalt über „Akzeptieren und anzeigen“ aktivieren, kann die Meta Platforms Ireland Limited Informationen auf Ihrem Gerät speichern oder abrufen und Ihre personenbezogenen Daten erheben und verarbeiten, auch in Staaten außerhalb der EU mit einem niedrigeren Datenschutz Niveau, worin Sie ausdrücklich einwilligen. Die Einwilligung gilt für Ihren aktuellen Seitenbesuch, kann aber bereits währenddessen von Ihnen über den Schieberegler wieder entzogen werden. Datenschutzerklärung

Tetjanas Mann wirkt verwirrt und verloren im milchigen Licht, das durch die Fenster in die Stube fällt. Der Kaplan und der Polizist greifen nach den Taschen. Sie nimmt Kater Musyuk unter den Arm, in der anderen Hand hält sie ihre Straßenschuhe. Sie hat noch immer ihre Hausschlappen an. Vor dem Hofeingang gibt sie den Kater an Vitali, streift ihre Schlappen ab, zieht die Schuhe über. Die Hausschlappen wirft sie über eine Mauer auf ihr Grundstück zurück.

Lesen Sie dazu auch

"Wer ist noch im Dorf?", fragt der Kaplan. "Eine Frau mit ihrem alten Vater, gleich zwei Häuser weiter", sagt die Endsechzigerin und steigt in den SUV. Als der vor dem Haus in der Nachbarschaft zum Stehen kommt, muss der Militärkaplan nicht erst am Fenster klopfen. Eine Frau, dunkelblond, um die 30, läuft ihnen entgegen. Sie ist völlig aufgelöst, weint. "Mein Vater weigert sich zu gehen. Mein Gott, ich komme hier nicht weg", sagt sie. Ihre Stimme bebt.

Zu diesem Sammelpunkt in der Nähe des umkämpften Dorfs Wowtschansk werden die Menschen zunächst gebracht. Dann geht es weiter nach Charkiw. "Bleibt unter den Bäumen wegen der Drohnen", sagen Polizeibeamte.
Foto: Till Mayer

Bramm, bramm dröhnt die Artillerie. "Wir können nicht warten. Morgen kann es schon zu spät sein. Es ist zu gefährlich, wir müssen in andere Dörfer, um weitere Menschen zu evakuieren", erklärt der Kaplan. Der SUV rast weiter durch den weitgehend verlassenen Ort. Ziel ist ein Sammelpunkt in etwa sieben Kilometern. Polizeiautos, Kleinbusse und Feuerwehrfahrzeuge bringen Menschen zu ihm, einem Parkplatz mit angrenzendem Wald.

"Mein Gott, das ist doch alles nicht wahr", sagt Olga und bricht in Tränen aus

Paletten dienen dort als Sitzgelegenheiten. "Bleibt unter den Bäumen wegen der Drohnen", sagen Polizeibeamte und -beamtinnen. Sie tragen Schutzwesten und Helme und oft auch eine Kalaschnikow. Sie registrieren die Menschen, die zu diesem Sammelpunkt gebracht wurden. Menschen wie Olga und Panhe, 66 und 67 Jahre alt. Sie stammen aus Usbekistan. Vor 16 Jahren kamen sie, um sich um die erkrankte Mutter von Olga zu kümmern. Olga erzählt, wie sie Nächte unter Beschuss überstanden haben. Jetzt rauscht über ihren Kopf der Klangteppich einer abgeschossenen Salve von Gradraketen. "Mein Gott, das ist doch alles nicht wahr", sagt sie und bricht in Tränen aus.

Immer wieder kommen Polizeiautos und kleine Transporter an. Die Polizei ist verantwortlich für die Evakuierungen. Beamte öffnen die Schiebetüren, greifen den häufig betagten Menschen unter die Arme und führen sie zu einer der Paletten. In den Gesichtern der Menschen ist Verzweiflung eingeschrieben, die Angst vor völliger Ungewissheit. Andere warten bereits auf ihren Weitertransport ins rund 50 Kilometer entfernte Charkiw. Alles, was sie noch haben, ist in wenige Tragetaschen und Koffer gepackt.

Für Ira, Sergej und ihren Sohn Daniel sowie Kater Sonic geht es nun nach Charkiw. Daniel dürfte das letzte Kind sein, das aus Wowtschansk gebracht wurde. Sein Vater Sergej zittert am ganzen Leib. Steckt sich eine Zigarette nach der anderen an. Seine Mutter Ira muss der Ruhepol der Familie sein, aus ihrer Jacke lugt der Kater hervor. Für ihren Sohn findet sie beruhigende Worte. "Mach dir keine Sorgen", sagt sie dem Jungen, als er mit großen, ernsten Augen im Evakuierungsbus Platz nimmt. "Wir haben keine Ahnung, was uns in Charkiw erwartet", erklärt der Vater. Die Familie habe in Charkiw weder Verwandte noch Freunde. Der Sammelpunkt am Waldrand wird nur Stunden später aufgelöst. Vier Mal schlägt Streubombenmunition im Umkreis ein.

Für Ira, Sergej und ihren Sohn Daniel sowie Kater Sonic geht es jetzt nach Charkiw. Sergej zittert am ganzen Leib und steckt sich eine Zigarette nach der anderen an.
Foto: Till Mayer

Kommt die Ukraine zunehmend in die Defensive? Am Montag berichten Medien in Deutschland unter Berufung auf ukrainische Quellen, dass sich die russische Offensive festgefahren habe. "Tatsächlich erreicht der Besatzer nicht sein Ziel, unsere Kräfte zu überdehnen und damit die Ukraine auf breiter Front von Charkiw bis zur Region Donezk zu schwächen", zitieren sie einen Satz aus der abendlichen Videoansprache Präsident Wolodymyr Selenskyjs vom Sonntag. Laut der ukrainischen Militärführung sei die russische Offensive in der Region Charkiw nach anfänglichen Gebietseroberungen inzwischen zum Stillstand gekommen. Auch weiter südlich, bei Tschassiw Jar, seien massive Angriffe der russischen Truppen abgewehrt worden.

Der nördliche Teil von Wowtschansk gilt schon unter russischer Kontrolle stehend

An der Notwendigkeit von Evakuierungen aus Wowtschansk und Umgebung ändert das nichts. Die Menschen aus dem Kampfgebiet werden vom Sammelpunkt bis zum Stadtrand von Charkiw gefahren. Dort bietet die Hilfsorganisation World Central Kitchen kostenlose Eintopfgerichte an. Das Rote Kreuz verteilt Decken, Matratzen und einfache Feldbetten. Es gibt Hilfe bei der Suche nach Unterkünften. Wer keine Verwandten oder Freunde in der Stadt hat, erhält eine Übernachtungsmöglichkeit.

Gerade sind Wolodymr (43), Lena (35) und Tochter Anya (9) im Hilfszentrum angekommen. Die Anstrengung der Flucht ist ihnen anzusehen. "Eine kleine Wohnung besorgen Verwandte für uns. Und wenn es nur ein Raum ist. Besser, als noch einmal eine russische Besatzung zu erleben, wie 2022", sagt Wolodymr. Er berichtet, wie sich die Menschen damals kaum noch aus dem Haus trauten, aus Angst, verhaftet zu werden. Wer für seine proukrainische Einstellung bekannt war, sei nicht mehr sicher gewesen.

Der nördliche Teil von Wowtschansk gilt schon unter russischer Kontrolle stehend. Und offensichtlich passiert dort, was bisher in allen russisch besetzten Gebieten geschah: Verhaftungen, Entrechtungen, Ermordungen. Davon berichten auch unabhängige Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International. Der örtliche ukrainische Polizeichef, Oleksiy Kharkivskyi, befürchtet, dass Zivilisten aus dem Raum Wowtschansk ermordet und verschleppt wurden. "Davon haben uns Augenzeugen berichtet. Wir werden ermitteln", sagt er.

Video: AFP

Kann die Ukraine den Wettlauf gegen die Zeit gewinnen?

Derweil versucht die ukrainische Armee, die Lage zu stabilisieren. Truppenkontingente werden an die neue Front verlegt. Ihre Zahl ist knapp, genauso wie die der Artilleriemunition. Monatelang hatte der US-Kongress Mittel für die Unterstützung blockiert. Die EU und andere westliche Unterstützer liefern deutlich weniger als versprochen. So hat ein Wettlauf gegen die Zeit begonnen. Es wird gut zwei Monate dauern, bis die Waffenlieferungen die ukrainische Armee wieder aufmunitioniert haben. Die neue Front bindet Kräfte, Munition und Material der ukrainischen Armee, die sie momentan etwa beim Kampf um Tschassiw Jar im Donbass bräuchte. Befürchtet wird, dass Russland auch den Oblast Sumy angreifen wird. Russlands Präsident Wladimir Putin will die Zeit einer geschwächten ukrainischen Armee für Geländegewinne nutzen. So lässt er ganze Orte dem Erdboden gleich machen. Orte, wie den, den Rentnerin Tetjana verlassen musste. Wowtschansk, heißt es, sei mittlerweile evakuiert. In den Dörfern im Umkreis gehen die Rettungsaktionen weiter.
 

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Wir benötigen Ihre Einwilligung, um die Umfrage von Civey anzuzeigen

Hier kann mit Ihrer Einwilligung ein externer Inhalt angezeigt werden, der den redaktionellen Text ergänzt. Indem Sie den Inhalt über „Akzeptieren und anzeigen“ aktivieren, kann die Civey GmbH Informationen auf Ihrem Gerät speichern oder abrufen und Ihre personenbezogenen Daten erheben und verarbeiten. Die Einwilligung kann jederzeit von Ihnen über den Schieberegler wieder entzogen werden. Datenschutzerklärung

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

22.05.2024

Danke an Till Mayer und die AZ für diese Reportage!

Till Mayer berichtet seit vielen Jahren aus der Ukraine. Schon viele Jahre bevor Russland den Nachbarn im Februar 2022 überfallen hat. Jahrelang wurden seine Berichte in Deutschland kaum beachtet.
https://www.obermain.de/lokal/obermain/art2414,779647

Viele Deutsche wollten nicht kritisch auf Russland schauen, das im 2. Weltkrieg so sehr unter Deutschland gelitten hatte. Und sie übersahen, dass die Ukraine genauso unter den deutschen Nazis und ihren Soldaten gelitten hat.
So wollten selbst Gutmeinende nicht wahrhaben, dass Putins Russland verbrecherische Kriege übelst in Tschetschenien, in Georgien, ganz schlimm in Syrien führte und schleichend die Ukraine erobern wollte.

So konnte Russland mit dem Segen der CDU/CSU, der SPD, der Linken und der AFD trotz seiner verbrecherischen Kriege gemeinsam mit Deutschland die Gaspipeline durch die Ostsee bauen. So konnte und kann Russland westliche Länder von seinen Urananreicherungsanlagen und seinen Brennelementlieferungen abhängig machen. Das fällt bis heute nicht unter die Sanktionen!

Raimund Kamm

22.05.2024

Herr Wolfgang L.,

Sie wollen also die bisher von den russischen Mördern nur deswegen

- weil der Westen nicht will, daß Rußland zerfällt und damit die Ukrainer erneut, ein weiteres Mal, wie schon bei der Krim-Invasion und dem von Berlin blockierten und verhinderten NATO-Beitritt, im Stich läßt -

gehaltenen ukrainischen Staatsgebiete den russischen Marodeuren für alle Zeit überlassen ?!

Nun gut !

Aber sicher wären doch dann Sie, die ganzen anderen auf Ihrer Linie liegenden Deutschen und die sogenannten "Freunde" im Westen sicher bereit,

in 12 Monaten oder in 20 Monaten mit aller militärischer westlicher Macht (also deutschen, amerikanischen, italienischen, britischen und belgischen ... Truppen, mit französischen und amerikanischen U-Booten und Flugzeugträgern, mit - falls nötig - britischen, französischen und amerikanischen Atomwaffen ...)

die "Restukraine" zu verteidigen ?

Denn Moskau wird ja zurückkehren und versuchen, sich auch noch den Rest zu räubern ! Das ist sicher.

Denn in die NATO aufnehmen würden Sie die "Restukraine" doch auch nicht - da Sie schon die ganze Ukraine nie aufnehmen wollten ?!
Warum also nun die "Restukraine" ?

Nein, nicht ?! Weder aufnehmen noch gar mit westlichem Militär verteidigen ?!



Oder diskutieren Sie und Ihre Politiker dann

- während die Russen 2025 wieder angreifen, nun die "Restukraine" -

erneut und wiederum monate- und zweijahrelang über jeden Panzer und jedes Flugzeug und jede Mösergranate, ob Sie dies in die "Restukraine" geben könnten ?!

Und Ihre Waffenindustrie wird dann auch noch nicht auf einhundert Prozent hochgefahren sein, um wenigstens dann mindestens soviel Granaten und MG-Patronen zu produzieren - wie Nordkorea nach Rußland schickt ?!


Und während Sie hier diskutieren und alles hin- und herwiegen, dringen die Russen bis Lewiw vor und bis zur polnischen und rumänischen Grenze (Moldawien wurde gleich mitgenommen) und Ihre Führer lassen dann wieder verlauten, "man dürfe es ja nicht soweit treiben, sodaß Putin fällt , denn dann könnten die russischen Atomwaffen.."


Sehen Sie, genau das dachte ich mir !

Und das denkt auch Volodymyr genau so !
Deswegen kämpfen wir um jeden Meter und jedes Haus, bis zur letzten Patrone - denn würden wir aufgeben, würden wir ganz sicher vernichtet werden.
Falls nicht heute, dann im nächsten oder übernächsten Jahr !

Aber wäre ich Pole oder Rumäne oder Litauer - würde ich mir nun richtig Sorgen machen.
Denn ich würde wissen, daß die Deutschen und wohl auch andere mich nicht verteidigen würden - trotz des "feierlichen" NATO-Beistandsgelübdes !

Denn Ihr habt nicht nur Angst vor den im Grunde ja jämmerlichen russischen Marodeuren, die nur weiter vordringen, weil unsewre Verteidiger nur noch ein paar Schuß haben.
Ihr habt sogar Angst vor der Zukunft, die niemand vorhersagen kann.

Aber genau das weiß auch der Mann aus Leningrad !


Slava Ukraini !

22.05.2024

Maria T., Selenski war es, der versäumt hat, vor seiner Gegenoffensive letzten Sommer die bestehende Frontlinie mit Panzersperen und Bunkersystemen abzusichern. Deswegen haben die Russen jetzt mehr oder weniger freie Bahn. Dass sie das nicht tun, liegt an der Schwäche der russischen Streitkräfte.

Natürlich müssten die Nato und die EU die verbleibende Ukraine militärisch und politisch absichern, sonst wären alle von diesen Institutionen gemachten Zusagen leere Versprechungen gewesen. Sie können sich Ihre Unterstellungen also sparen.

22.05.2024

Emotional und trotzdem realistisch.
Natürlich wird die Ukraine nicht in die Nato aufgenommen bei einem "eingefrorenen" Konflikt mit einem Atomwaffenstaat. Mit Scholz und Mützenich geht das niemals, aber auch viele andere in der Nato werden dagegen stimmen, vorneweg Ungarn, die Slowakei und die Türkei. Man hat das Theater bei Schweden gesehen und das war Schweden. Ob sich dann westliche Staaten wieder zu Schutzmächten ausserhalb der Nato hergeben ist eine andere Frage, aber Trump macht es sicher nicht. Die Europäer sind unfähig und nimmt Putin nicht ernst und nutzlose Schutzabkommen hat die Ukraine eigentlich schon genügend. Wenn der Westen 50.000 Mann in der Ukraine stationieren würde, auch unabhängig von der Nato, dann wäre das etwas anderes. Dazu ist aber zu sagen, dass Deutschland mit 5000 Mann und vollständig ausgerüstet bereits an die Grenzen der Belastungsfähigkeit gekommen ist, wenn es bei unserer derzeitigen Einstellung zu allem Militärischen und Dingen, die uns anstrengen bleibt.
Für die Ukrainer bleiben nur zwei Alternativen: Flüchten/auswandern und/oder kämpfen
Ich glaube die dritte Alternative wird von den Ukrainern nicht mal angedacht (jedenfalls vom weit, weit überwiegenden Teil): Leben wie die Russen unter dem Joch der Putindiktatur (das kommt aber sowieso nur für die in Frage, die nicht umgebracht, gefoltert und in Kerkern weggesperrt werden).

23.05.2024

Richard M., in dem, was wir uns wünschen, sind wir vermutlich nicht weit auseinander. Auch in bin von Putin tief enttäuscht und ich halte ihn für einen wahnhaften Verbrecher.
Aber mir fehlt bei Ihnen der notwendige Realismus zur Beendigung dieses Krieges. Die von Ihnen postulierten Ziele sind nicht erreichbar. Dennoch ist es möglich, Putin zu stoppen und den Krieg zu beenden. Das erfordert aber zunächst Kompromissbereitschaft und dann Mut und Härte. Nicht umgekehrt.

22.05.2024

Der Professor an der Münchner Bundeswehrhochschule hat aktuell in einem FAZ-Podcast erklärt, warum der Westen nicht will, dass Putin verliert. Weil insbesondere die Amis und die Deutschen befürchtet, dass nach einem Fall Chaos in einem Atomwaffenstaat mit diversen Privatmilizen ausbricht. Deshalb lässt man auch die Ukraine mit einem nach hinten gebundenen Arm kämpfen, wie er sich so schön bildhaft ausgedrückt hat.
Stelle mir gerade vor, wie es Ukrainern bei der Einberufung geht, in dem Wissen einer Armee zu dienen, die sich kaum verteidigen kann gegen Gleitbomben und die riesige Artillerieübermacht Putins....
Einer wird verlieren. Wenn Putin nicht verlieren darf, dann eben die Ukraine. Der Westen ist nicht in der Lage das so auszutarieren, dass ein vielmonatiges Patt die Folge ist.

22.05.2024

Richard M., es gibt nicht nur die beiden von Ihnen genannten Lösungen.
Ein Sieg der Ukraine im Sinne einer vollständigen Rückeroberung der besetzten Gebiete war nie realistisch. Genauso will aber auch niemand eine Niederlage der Ukraine im Sinne eines Verlusts ihrer Staatlichkeit. Das Ende des Krieges wird deswegen eine Teilung der Ukraine bedeuten.
Je schneller diese Einsicht auch bei Selenski ankommt, desto besser, denn jeder weitere Tag im Krieg bedeutet mehr Tote und mehr Zerstörung. Hätte Selenski im letzten Sommer auf seine gescheiterte Gegenoffensive verzichtet und stattdessen die bis dahin gehaltene Frontlinie gesichert, wäre der heiße Krieg vermutlich längst beendet.

22.05.2024

@Herr Wolfgang L.: Bis auf den letzten Satz Ihrtes Beitrags sehe ich das (schon seit langer Zeit) genauso. Für wahrscheinlich halte ich, daß die neue Grenze westlich entlang der besetzen Gebiete verlaufen könnte.

22.05.2024

Wolfgang B., Letzteres ist natürlich Spekulation und hätte von entsprechenden militärischen Maßnahmen der Nato oder der UNO begleitet werden müssen.
Aber allein der Umstand, dass solche Aussagen nun nicht mehr sofort empörtes Geschrei auslösen, zeigt, dass sich diese Erkenntnis langsam auch bei denen durchsetzt, die noch vor noch ein oder zwei Jahren nur eine totale Niederlage Putins akzeptieren wollten.

22.05.2024

Natürlich ist es spekulativ. Ich wollte ja nur meine Einschätzung niederlegen.

22.05.2024

Nachtrag: Der Professor von der Bundeswehr-Uni, den ich zitiert habe, heißt Carlo Masala

@Wolfgang L. @Wolfgang B.
Ihre Beiträge finde ich reichlich selbstbewusst... Was wäre gewesen, wenn die Ukraine keine Gegenoffensive im Sommer versucht hätte (viel zu spät übrigens wegen zu später Lieferungen der lieben Freunde, so dass sich die Russen massiv überall eingraben konnten)? Hätte sie sich ebenfalls eingraben sollen, wo die Ukrainer doch forderten das Land zurückzuholen, das besetzt war? Keiner weiss, wie es jetzt stünde. Genauso gut könnten die Russen noch weiter nach Westen vorgerückt sein. Wahrscheinlich hätte der Westen dann noch weniger Waffen und Munition geliefert.
Die Ansicht einer schnellen Teilung der Ukraine und gut ist es, führt dann aber endgültig Kartenhäuser zur Schau, die vom scharf hinschauen schon zusammenfallen. Es gibt einfach keinen Anlass mehr für Putin einzuhalten. Warum sollte er? Der Westen hat sich als schwach und leicht erpressbar erwiesen. China unterstützt immer offener mit Lieferungen die für militärische Zwecke genutzt werden können. Die Kriegsproduktion Russlands übersteigt die des Westens (die ja nur zu einem kleinen Teil an die Ukraine geht) sehr spürbar (ohne Lieferungen aus Iran und Nordkorea mitzurechnen). Der Ruf Putins ist ruiniert. Rücksichten sind daher endgültig nicht mehr erforderlich Es geht um eine neue Weltordnung und nicht um die Ostukraine und die Krim. Drunter macht er es nicht mehr. Er wird immer weiter Druck machen und aggressiv um sich schlagen. Neue Grenzziehungen in der Ostsee hält er schon mal für geeignet, wie heute bekannt wurde. Hat er sich ein bisschen von Xi und dessen Vorgehen im Südchinesischen Meer abgeguckt. Der Westen spürt mittlerweile schon, dass Putin durchziehen könnte mit seinem Vormarsch. Deshalb schwadroniert Macron von Truppen in der Ukraine (lächerlich, die französische Armee ist selber heruntergewirtschaftet und hat kaum Munition) und andere von Flugabwehr in Teilen der Ukraine durch Nato-Staaten (würde Scholz und andere niemals mitmachen). Putin weiß das locker einzuordnen und lässt schnell mal eine Atomwaffenübung an der ukrainischen Grenze durchführen, damit die Diarrhoe im Westen nicht nachläßt. Zum Thema einen Arm nach hinten binden, haben jetzt einige im Westen auch verstanden, dass ihr Schützling so jedenfalls ganz sicher untergeht und deshalb haben wohl Frankreich, UK und USA wohl etwas schüchtern geäußert, dass es doch kein Problem wäre, wenn ihre Raketen auf russischem Gebiet einschlagen. Auch das viel zu spät und kein entscheidender Punkt, der Putin zum Einlenken zwingen wird. Die Infrastruktur wird durch das massive Bombardement immer irreparabler zerstört und natürlich will Putin vor dem Winter noch eine massive Fluchtbewegung auslösen (bis dahin ist mindestens Charkiw unbewohnbar) und dann hofft er auf Trump.... und dann ist die neue Weltordnung tatsächlich in Sichtweite.
Ich halte das wirklich für ein realistisches Szenario. Das Szenario, dass man die Ukraine schnell mal teilt und dann ist alles so wie früher, halte ich für ein Hirngespinst und naiv.... und gefährlich, weil man sich dann ja gleich wieder auf der Couch ausruht und wieder zu wenig tut um sich vor dem Irren auf dem Nachbargrundstück zu schützen.

22.05.2024

Richard M.,
das was ich oben geschrieben habe, habe ich in ähnlicher Weise bereits vor ziemlich genau zwei Jahren in ähnlicher Weise geschrieben. Dafür wurde ich hier von einigen Diskutanten massiv angegangen.

Aber es ist eben einfach so: Ein Angreifer braucht mindestens eine 3-fache personelle und materielle Übermacht plus Lufthoheit, um erfolgreich zu sein (für die Krim wurde in Fachkreisen sogar von einer 7-fachen Überlegenheit geschrieben). Es war doch immer klar, dass die Ukraine eine solche Überlegenheit niemals haben wird.
Natürlich konnte Selenski eine Gegenoffensive versuchen, um eine bessere Verhandlungsposition zu erreichen. Aber er hätte niemals auf die Sicherung der bestehenden Frontlinie verzichten dürfen. Der frühere Generalstabschef hatte auf die Risiken hingewiesen. Selenski hat ihn daraufhin entlassen.

Das mit der geplanten "neuen Weltordnung" ist Quatsch. Russland kann vielleicht erfolgreich einzelne Länder überfallen, die es ungeschützt wähnt. Putin wollte die Ukraine in wenigen Tagen besetzen und hat nicht mit großem Widerstand gerechnet. Jetzt geht Russland auf dem Zahnfleisch, eine militärische Auseinandersetzung mit der vielfach überlegenen Nato wird es nicht riskieren. Aber Putin wird nicht zögern, Atomwaffen einzusetzen, wenn sein politisches Überleben bedroht ist. Deswegen ist Vorsicht angebracht.

22.05.2024

Das heißt zugespitzt: Der Westen kollaboriert zum Schaden der Menschen in der Ukraine mit Russland, weil der Westen die Sorge hat, dass ohne Putin in Russland marodierende Truppen Atomwaffen erbeuten könnten, und damit uns bedrohten.
(Das erinnert übrigens daran, wie SPD-Politiker wie Egon Bahr begründet haben, warum sie in den 1970er Jahren keinen Kontakt mit Oppositionellen in der DDR und in der UdSSR aufgenommen haben. Sie wollten angeblich ihre guten Drähte zu Honecker Co nicht belasten).

Wenn diese Sorge der Grund wäre, warum Scholz notwendige Waffenlieferungen an die Ukraine torpediert, sollte er dies öffentlich machen. Durch Veröffentlichung verlieren Erpressungen an Gewicht. Und die Bürger*innen könnten besser die Politik der Bundesregierung beurteilen.

Raimund Kamm

22.05.2024

VonRichard M. 20:39 Uhr

Sehr gute Aussagen!

Raimund Kamm

23.05.2024

"Allgemein wird Selbstbewusstsein als „das Überzeugtsein von seinen Fähigkeiten, von seinem Wert als Person, das sich besonders in selbstsicherem Auftreten ausdrückt“, definiert. -> Stimmt. Auch Sie werden die Realitäten, voraussichtlich kopfschüttelnd, ich vermute in ungefähr einem Jahr, zur Kenntnis nehmen müssen.

23.05.2024

(edit/mod/NUB 7.3)

23.05.2024

Herr Kamm, niemand im Westen "kollaboriert" mit Putin, schon gar nicht Deutschland. Aber wer glaubt, ein "Sieg" über Russland hätte nicht ernsthafte Konsequenzen, ist naiv. Hier geht's nicht um Kinderspiele.

23.05.2024

"Die Unabhängigkeitskräfte werden mit zerschmetterten Schädeln und im Blut enden", nachdem sie mit Chinas "großem" Vorhaben der "vollständigen Vereinigung" mit Taiwan konfrontiert wurden, sagt Außenamtssprecher Wang Wenbin.

Die heutige Meldung hat mE auch etwas mit der Ukraine zu tun. Xi unterstützt Putin wo er nur kann, damit der Druck im Westen hoch genug ist. Es wird auch nicht mit der Ukraine enden, sondern dann wird Putin weitermachen. Der Deal könnte sein, dass China bei einer günstigen Gelegenheit dann Taiwan angreift. Dann haben die Amis ein riesiges Problem mehr (Unterstützung der Ukraine und gleichzeitig vielleicht sogar Krieg mit China? Israel? Iran?) und überall wittern die Despoten ihre Chance, Dinge zurechtzurücken. Das kann natürlich auch scheitern, z.B. an der Dämlichkeit der russischen Generäle. Warum sperrt Putin plötzlich diverse Militärs wegen Korruption weg und tauscht den Verteidigungsminister aus? Um seine Rüstungsindustrie und das Militär möglichst effektiv aufzustellen für einen langen Krieg ohne Atomwaffen.

@Wolfgang L.: Das Thema neue Weltordnung ist ja nicht meine Überinterpretation, sondern kommt ganz offiziell aus dem Hause Putin. Ich habe jetzt nicht ihr Selbstbewusstsein entwickelt, dass ich sagen könnte, das ist alles Quatsch und zum Scheitern verurteilt. Hoffentlich, könnte ich sagen.... ohne es klar belegen zu können.