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Profi-Fußball verhält sich in Debatte um Zutrittsregeln vorbildlich

Kommentar Von Tilmann Mehl
14.10.2021

Der Fußball steht oft im Verdacht, raffgierig und egozentrisch zu sein. Während der Corona-Pandemie aber hat er viel richtig gemacht. Eine Frage aber gilt es noch zu beantworten.

Der Profi-Fußball ist nicht immer ein guter Ratgeber und er ist schon gar nicht ein Abziehbild der Gesellschaft, wie es Manager gerne glauben lassen wollen. Angetrieben wird der Sport von Jungmillionären, die vor allem eines gut können: kunstvoll gegen den Ball treten. Die Klubs der ersten und zweiten Bundesliga sind in erster Linie Wirtschaftsunternehmen. Weil sie über geschickte Lobbyisten verfügen und ihr Geschäftsfeld wie kein anderes an den Emotionen der Kunden rührt, nahmen sie während der Corona-Krise eine exponierte Stellung ein.

Mag auch noch ein Herbst mit steigenden Infektionszahlen bevorstehen, die schlimmste Zeit der Pandemie ist überstanden. Sämtliche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche nähern sich wieder dem Normalbetrieb an – auch der Profi-Fußball. Der hat hierzulande die Krise in bravouröser Manier gemeistert.

Bis zu 40.000 Zuschauer dürfen beim Spiel 1. FC Köln gegen die SpVgg Greuther Fürth ins Stadion.
Foto: Rolf Vennenbernd, dpa

Mit einem sowohl demütigen wie auch selbstbewussten Auftreten argumentierte sich der Liga-Verband zu einer Ausnahmeregelung. Während das Land phasenweise ruhte, spielten die Profis vor leeren Rängen. Sie sicherten ihrem Wirtschaftszweig so den Fortbestand. Weil beinahe sämtliche Akteure vernünftig mit ihrer Verantwortung umgingen, gilt die Bundesliga im weltweiten Sport als Vorzeigeprodukt.

Bald dürfen 75.000 Zuschauer zum FC Bayern

Nun stehen die Klubs kurz vor dem letzten Schritt zurück zum üblichen Betrieb. Sie setzen ihn vorsichtig tastend. In vielen Bundesländern ist nun wieder die Vollauslastung der Stadien erlaubt. Das bedeutet beispielsweise, dass zum nächsten Heimspiel des FC Bayern 75.000 Fans kommen dürfen. Menschenmassen, die lange undenkbar waren. Ansammlungen, an die man sich erst wieder gewöhnen muss und deren Anblick möglicherweise Nervosität auslöst.

Die Arenen dürfen aber nur unter bestimmten Bedingungen komplett gefüllt werden. Sie können sich zwischen 2G und 3G-Plus entscheiden – bedeutet: Neben Geimpften und Genesenen dürfen im zweiten Fall auch negativ Getestete ins Stadion. Dabei muss es sich allerdings um einen kostenintensiven PCR-Test handeln. Bei diesem Schritt nun zögern etliche Vereine.

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Sie befürchten immer noch eine Spaltung innerhalb ihrer Fanschaft. Einen Riss, der auch durch Erfolg nicht zu kitten ist. Ultra-Gruppierungen fordern, dass das Stadionerlebnis jedem Fan zugänglich sein soll – auch den Ungeimpften, die lediglich einen Schnelltest vorweisen können. Eine Herausforderung, vor der in ähnlicher Weise auch kulturelle Veranstaltungen stehen.

Die Vereine nehmen die Sorgen ihrer Fans ernst

Die Vereinsvertreter beweisen mit ihrem Zögern, dass sie die Befindlichkeiten und Sorgen ihrer Anhängerinnen und Anhänger ernst nehmen. Sie wollen, dass die Kunden dem Produkt weiter emotional positiv gegenüberstehen. In diesem Fall tut sich in der Corona-Krise möglicherweise ein letzter schwer zu lösender Gegensatz auf. Sämtliche Bundesligisten unterstützen die Impfkampagne. Sie ließe sich einfach mit Leben füllen, indem alle Klubs die 2G-Regelung umsetzen. Das aber wollen die Vereine aus Rücksicht auf die meinungsfreudigsten unter ihren Fans nicht. Der persönlichen Einstellung der meisten Vereinsbosse folgend, dürften bald nur noch Genesene und Geimpfte im Stadion anfeuern.

Hier ist der Profi-Fußball tatsächlich Abziehbild. Die Fragestellungen rund um die Pandemie haben für zerbrochene Freundschaften gesorgt, Familien getrennt und eine ganze Gesellschaft geprüft. Dass die geschäftigen Kicker hier eine allgemeingültige Lösung präsentieren, ist unrealistisch. Dass sie die Chance haben, bald ihr Geschäftsmodell wieder vollumfänglich zu betreiben, ist Zeichen ihres umsichtigen Handelns.

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