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Fußball

28.09.2020

Rassismus-Vorwürfe: Jugendcoach des FC Bayern geht gegen Verein vor

Ehemaliger Jugendtrainer wehrt sich vor dem Arbeitsgericht gegen die Kündigung beim FC Bayern.
Bild: Andreas Gebert, dpa (Symbolfoto)

Plus Ein Jugendtrainer des FC Bayern soll über Jahre hinweg Spieler und Mitarbeiter rassistisch beleidigt haben. Gegen die Kündigung wehrt er sich am Arbeitsgericht.

Mit der Kampagne „Rot gegen Rassismus“ hat der FC Bayern München Stellung im Kampf gegen Diskriminierung bezogen: Alle Fußball- und Basketballteams der Münchner inklusive der Führungsmannschaft ließen sich für die Kampagne ablichten, um „ein Zeichen gegen Ausgrenzung, Beleidigungen und Intoleranz“ zu setzen, wie der FC Bayern betonte. Insofern mag das nicht dazu passen, was am Montagnachmittag am Münchner Arbeitsgericht verhandelt wurde. Ein langjähriger Jugendtrainer der Münchner wehrte sich gegen die fristlose Kündigung, die der Klub gegen ihn ausgesprochen hat. Über Jahre hinweg soll der Coach Spieler und Mitarbeiter des Vereins rassistisch beleidigt, sie als „Bimbo“ oder „Kanake“ bezeichnet haben.

FC Bayern soll ehemaligen Jugendcoach unter Druck gesetzt haben

Gegen den Vorwurf, er sei ein Rassist, setzt sich der Coach vor Gericht indirekt zur Wehr – vornehmlich geht es in der Verhandlung aber um die Kündigung. Der Mann, der insgesamt 17 Jahre im Jugendbereich für den FC Bayern gearbeitet hat und in dieser Zeit auch mit Spielern wie Schweinsteiger, Hummels oder Badstuber zu tun hatte, hat zwar den Auflösungsvertrag unterschrieben. Über seinen Anwalt, der ihn vor Gericht persönlich vertrat, beteuert er allerdings, von seinem ehemaligen Arbeitgeber massiv unter Druck gesetzt worden zu sein. Der FC Bayern soll damit gedroht haben, den Namen des Mitarbeiters in der Pressemitteilung zu nennen, sofern der Jugendtrainer den Auflösungsvertrag nicht binnen einer Stunde unterschreibt. Deswegen habe er unterzeichnet, deswegen sei am Abend des 17. August – zwei Tage vor dem Champions-League-Halbfinale gegen Olympique Lyon – die Pressemitteilung des Vereins ohne Namensnennung erschienen. Diese lautet: Klub und Mitarbeiter hätten sich einvernehmlich getrennt.

Christian Nohr, der Anwalt des Trainers, berichtet von einer immensen Drucksituation, die der FC Bayern aufgebaut habe: „Er wusste: Wenn mein Name da drin steht, dann bin ich verbrannt – dann bin ich für alle der Rassist.“ Nohr betont, dass er Beweise dafür habe, dass der Rekordmeister seinen Angestellten unter Druck gesetzt habe. So liege ihm ein Mailverkehr zwischen Michael Gerlinger, dem Chefjuristen des FC Bayern, und Werner Ruisinger, dem Augsburger Strafverteidiger des Mannes, vor. Darin soll Gerlinger die Drohkulisse aufbauen: Entweder der Auflösungsvertrag wird unterschrieben – oder der Name wird genannt.

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Jugendtrainer bezeichnete Spieler des FC Bayern als „Kameltreiber"

Dass der Trainer gehen müsse, sei für den FC Bayern schon kurz nach dem öffentlichen Bekanntwerden der Vorwürfe klar gewesen. Das WDR-Magazin Sport Inside hatte Mitte August erstmals darüber berichtet, dass sich der Mann über Jahre hinweg rassistisch ausgelassen haben soll. Screenshots aus einer internen Whatsapp-Gruppe des FC Bayern sollen zeigen, wie der Jugendcoach etwa ein Foto eines Tiertransporters postet und dazu schreibt: „Hier werden die Neger von A nach B transportiert.“ Andere Spieler wurden als „Kameltreiber“ oder „Scheiß Türke“ verunglimpft. Über Jugendspieler mit türkischen Wurzeln soll der Coach dem Magazin zufolge in internen Sitzungen gesagt haben: „Den Spieler holen wir nicht, wegen seines scheiß türkischen Nachnamens.“ Der Staatsschutz der Münchner Polizei schaltete sich daraufhin ein, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung dauern an.

Anwalt Nohr will den Inhalt der Chatprotokolle nicht bestätigen, sagte aber: „Es stehen sicherlich einige Dinge darin, über die man sich wundert und die man so nicht sagen würde. Aber mein Mandant ist kein Rassist. Zudem sind die Äußerungen in einem geschützten Bereich zwischen acht Personen gefallen.“ Strafrechtlich relevant sei dies seiner Einschätzung nicht gewesen.

Anwalt Christian Nohr will den ehemaligen Jugendcoach von den Vorwürfen „reinwaschen"

Fraglich ist, wieviel die Leitung des FC Bayern Campus von den Vorwürfen wusste. Angeblich soll der Mann nicht nur mit rassistischen Sprüchen, sondern auch mit Straftrainings und einem Klima der Angst Druck auf die Jugendspieler aufgebaut haben. Weil er mit einem Spielerberater zusammengearbeitet und dafür Geld bekommen haben soll, läuft zudem ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen den Mann – er bestreitet die Vorwürfe.

Dass sein Mandant wieder als Jugendtrainer arbeiten kann, davon ist Nohr fest überzeugt – wichtig sei es nun, ihn von den Vorwürfen „reinzuwaschen“. Ein erfolgreicher arbeitsgerichtlicher Vergleich mit dem FC Bayern sei ein erster Schritt, das Fallenlassen der strafrechtlichen Vorwürfe ein zweiter. Zumindest die Verhandlung am Münchner Arbeitsgericht wird noch etwas Zeit beanspruchen: Der für Montag angesetzte Gütetermin brachte kein Ergebnis, erst im nächsten Jahr soll weiterverhandelt werden – dann mit Zeugen.

Hören Sie sich dazu auch unsere Podcastfolge zum Thema Rassismus an:

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