Newsticker
Deutschland erleichtert ab Sonntag Einreisen für weitere Bürger aus Nicht-EU-Ländern
  1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Aktion: So gelingt die Lehrstellensuche in der Corona-Krise

Aktion
10.04.2021

So gelingt die Lehrstellensuche in der Corona-Krise

Wie findet man eine passende Lehrstelle trotz Corona?
Foto: Alexander Kaya (Symbolbild)

Gibt es noch Ausbildungsplätze? Welche Branchen sind besonders krisenfest? Dazu geben Experten praktische Tipps für alle, die heuer noch eine Stelle suchen.

Schüler und Absolventen haben dieses Jahr mit besonderen Herausforderungen zu kämpfen. Grund ist, natürlich, die Corona-Epidemie. Berufspraktika für Schüler fanden nur eingeschränkt statt, Berufsmessen gab es nur in digitaler Form und die Berufsorientierung an der Schule sah anders aus als früher. Die Verunsicherung unter den Schülern ist groß, hat Claudia Eser-Schuberth, Berufsberaterin der Arbeitsagentur in Augsburg, beobachtet. Wie man trotzdem noch seinen Traumberuf und den dazu passenden Ausbildungsplatz findet, dabei will die Lehrstellenoffensive Hilfe geben. Zum Auftakt geben professionelle Berufsberater Tipps rund um Berufswahl, Lehrstellensuche und zur Bewerbung.

Wie hat sich die Corona-Krise auf den Lehrstellenmarkt ausgewirkt?

Sowohl Handwerk als auch Industrie und die Arbeitsagentur machen Mut: Trotz der Corona-Epidemie bilden die Unternehmen aus, es sind auch immer noch freie Lehrstellen verfügbar. „Die Firmen haben immer noch ein reges Interesse, dieses Jahr Auszubildende zu finden“, sagt Thorben Klein, Teamleiter der Berufsorientierung an der Industrie- und Handelskammer Schwaben, kurz IHK. „Handwerksunternehmen denken langfristig, Fachkräfte sind für sie unverzichtbar“, meint auch Anette Göllner, Ausbildungsexpertin der Handwerkskammer für Schwaben. Das bestätigt auch Claudia Eser-Schuberth. „Die Ausbildungsbereitschaft ist hoch“, sagt sie.

Hat es Sinn, sich jetzt noch um einen Ausbildungsplatz für den Herbst zu bewerben?

Auf jeden Fall. In der Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammer Schwaben gibt es aktuell rund 1500 freie Angebote. Die Handwerkskammer für Schwaben verzeichnet rund 550 offene Lehrstellen. „Nach wie vor suchen die Betriebe im Handwerk Azubis“, sagt Anette Göllner von der Handwerkskammer. „Der Markt ist besser als befürchtet, man muss sich nur trauen, bei den Betrieben anzurufen und nach einem Praktikum oder einer Lehrstelle zu fragen!“ Auch in den Jobbörsen der Arbeitsagenturen in Schwaben gibt es noch viele freie Lehrstellen. In manchen Landkreisen sind derzeit zwar etwas weniger freie Lehrstellen gemeldet als vor einem Jahr, berichten die zuständigen Arbeitsagenturen.

 

Teils kommen aber noch immer neue Angebote hinzu. „Der Prozess hat sich durch die Corona-Epidemie zeitlich nach hinten verschoben“, hat Sabine Blum beobachtet, Berufsberaterin der Arbeitsagentur in Memmingen. „Auch wer jetzt noch eine Lehrstelle sucht, findet deshalb attraktive Angebote“, sagt sie. „Wir erwarten, dass von Friseuren, Hotels und Gaststätten viele Lehrstellenangebote erst noch kommen“, sagt Berufsberaterin Claudia Eser-Schuberth. „Die Jugendlichen müssen sich nur trauen und sich bei der Berufsberatung und bei den Unternehmen melden – der Ausbildungsmarkt ist vorhanden“, macht Stefanie Künast Mut, Berufsberaterin der Arbeitsagentur in Donauwörth.

Welche Berufe sind in Industrie und Handel besonders krisenfest?

Sehr gute Chancen habe man bei Berufen in der Industrie und in der Logistik, sagt IHK-Teamleiter Thorben Klein. In der Lehrstellenbörse der IHK finden sich besonders viele offene Stellen in diesen Bereichen: Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Kaufmann/-frau Groß- und Außenhandelsmanagement und Fachkraft Lagerlogistik. „Auch Berufe im Hotel- und Gastgewerbe sollte man nicht scheuen, auch wenn die Betriebe derzeit geschlossen haben“, rät er. Teilweise bieten die Betriebe trotzdem Ausbildungsplätze an. Nachfragen loht sich! „Die Krise sollte einen nicht davon abhalten, nach seinem Wunschberuf Ausschau zu halten“, sagt Klein.

Wie sieht es im Handwerk aus?

In der Corona-Krise hat sich vor allem der Bau als Stabilitätsanker erwiesen. Hier ist fast ohne Unterbrechung weitergearbeitet worden. „Elektroniker, Maurer, Anlagenmechaniker, Schreiner haben nicht aufgehört zu arbeiten, in diesen Bereichen wird stark gesucht“, sagt Anette Göllner. Friseure, Bäcker oder Konditoren mit ihren Cafés haben die Lockdowns härter getroffen. Hier könnten aber in den kommenden Monaten noch weitere Lehrstellen gemeldet werden, da alles verzögert abläuft.

Was ist, wenn ich meinen Wunschberuf nicht finde?

Wer für den Wunschberuf keine Lehrstelle findet, wird oft glücklich, wenn er sich nach ähnlichen Berufen umsieht, sagt Berufsberaterin Claudia Eser-Schuberth. Ein Beispiel: Wer keine Lehrstelle als Kfz-Mechatroniker findet, landet vielleicht als Mechatroniker für Nutzfahrzeuge oder als Fahrzeuglackierer einen Treffer. „Es ist sinnvoll, nicht nur einen Plan A, sondern auch einen Plan B und einen Plan C zu haben“, sagt sie. In Deutschland gibt es über 350 Ausbildungsberufe. Ein Tipp von Berufsberaterin Stefanie Künast in Donauwörth: Die Eltern können bei der Berufsberatung per Video mit dabei sein. „Es ist ja häufig nicht leicht, mit 13 oder 14 Jahren eine Entscheidung über einen Beruf treffen zu müssen“, sagt sie.

Was mache ich, wenn meine Noten nicht so gut sind?

„Manchmal dauert die Lehrstellensuche länger, davon sollte man sich nicht entmutigen lassen“, sagt Berufsberaterin Sabine Blum von der Arbeitsagentur in Memmingen. Eine Chance kann dann die Einstiegsqualifizierung sein: Die Schulabsolventen absolvieren dabei in einem Langzeitpraktikum das gleiche Programm wie ein Azubi im ersten Lehrjahr. „Dabei kann man sich beweisen, seine Stärken zeigen und anschließend nahtlos ins zweite Lehrjahr übernommen werden.“ Die Teilnehmer bekommen für das Praktikumsverhältnis einen Lohn, der Arbeitgeber einen Zuschuss.

Wie bewerbe ich mich in Corona-Zeiten?

Die schriftliche Bewerbung läuft wie bisher auch – per Post oder per E-Mail. „Viele Unternehmen bevorzugen inzwischen die elektronische Bewerbung“, sagt Berufsberaterin Claudia Eser-Schuberth. Handyfotos als Porträt seien tabu, das Anschreiben sollte rund eine Seite lang sein, der Lebenslauf ebenfalls. Ihr Tipp: „Im Anschreiben müssen die eigene Persönlichkeit und die Motivation rüberkommen.“ Beispiel: „Ich interessiere mich für den Beruf des Kfz-Mechatronikers, weil ich seit Jahren mit meinem Vater an seinem Motorrad arbeite.“

Welche Besonderheiten gibt es bei digitalen Vorstellungsgesprächen?

Wegen der Corona-Pandemie finden in diesem Jahr verstärkt digitale Vorstellungsgespräche statt. „Der Ablauf ist nicht anders als bei einem persönlichen Vorstellungsgespräch auch“, sagt IHK-Experte Thorben Klein. Die Bewerber sollten sich deshalb genauso vorbereiten und genauso gepflegt anziehen wie für ein persönliches Gespräch. Ein paar technische Dinge sollte man aber beachten: „Am besten blickt man in die Kamera des Laptops, sie ist das Auge des Gesprächspartners“, sagt Klein. Die Bewerber sollten für das digitale Gespräch einen ruhigen Raum wählen, das Smartphone beiseitelegen und darauf achten, dass das Licht von vorne kommt. Liegt die Lichtquelle hinter einem, sieht der Gesprächspartner das Gesicht nur als schwarzen Schatten. Ein Tipp von Berufsberaterin Claudia Eser-Schuberth: „Jeder Bewerber sollte das Vorstellungsgespräch zuvor einmal üben und alle Sätze laut aussprechen – im Idealfall mit einer Testperson.“

Lesen Sie dazu auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.