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Landkreis Augsburg

16.02.2018

Auch Hermes liefert jetzt vom Lechfeld aus

Das neue Hermes-Logistikzentrum erstreckt sich über eine Fläche von acht Fußballfeldern.
Bild: Michael Hochgemuth

Auf dem Gebiet im Landkreis bei Augsburg siedeln sich seit einigen Jahren große Logistiker an. Nach fast einjähriger Bauzeit wurde jetzt ein weiteres Millionenprojekt fertig.

Drei weiße Flügel prangen unübersehbar auf der ansonsten blauen Fassade des Logistikzentrums. In großen Lettern steht daneben, wer hier seine Zelte beziehungsweise Hallen aufgeschlagen hat – Hermes. Der Paketdienstleister hat rund 40 Millionen Euro in seinen neuen Standort im Landkreis Augsburg investiert und die neue Logistik-Heimat am Donnerstag offiziell vorgestellt. Der Betrieb in Graben soll am 5. März starten. Die Zahlen, die das Unternehmen nannte, sind unter normalen Umständen beeindruckend – nicht aber für das Lechfeld und das weniger als 4000 Einwohner zählende Graben.

120 neue Arbeitsplätze wurden am neuen, 60000 Quadratmeter großen Standort geschaffen – das ist eine Fläche, die in etwa so groß ist wie acht Fußballfelder. Etwa 100000 Sendungen sollen pro Tag sortiert werden, die Kapazität liegt mit 200000 Paketen doppelt so hoch. 80 der durch Hermes entstandenen Arbeitsplätze sind für gering qualifizierte Arbeiter, weitere 40 Menschen sind im kaufmännischen Bereich beschäftigt.

Der wirtschaftliche Aufschwung auf dem Lechfeld startete 2005

Markus Hobein, 47, ist seit zwei Jahren General Area Manager München und sozusagen das Gesicht von Hermes in Süddeutschland. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagt er, dass sich nichts an den Rahmenverträgen geändert habe, obwohl der Hamburger Projektentwickler ECE das Gebäude zum Jahreswechsel an den Investor Frasers Property Investments Europe verkauft hat. Die Mietlaufzeit des Logistikzentrums beträgt 15 Jahre – allerdings habe man vor, deutlich länger in Graben zu bleiben, so Hobein.

Der Versanddienstleister Hermes ist auf dem Lechfeld das siebte Unternehmen, das dort in den vergangenen zwölf Jahren ein Logistikzentrum errichtet hat – fünf stehen in Graben, zwei im benachbarten Kleinaitingen. Keine vier Kilometer weiter nördlich in Oberottmarshausen baut derzeit der Schweißtisch-Experte Siegmund seine Firmenzentrale samt Logistik an der B17. Daneben wird der Antriebsspezialist Renk aus Augsburg ein Waren- und Prüfzentrum errichten.

Zuständig für den Standort ist Markus Hobein, Süddeutschland-Manager von Hermes.
Bild: Michael Hochgemuth

Der wirtschaftliche Aufschwung der Lechfeldgemeinden nahm seine Anfänge 2005, als in Kleinaitingen der Discounter Aldi das erste Logistikzentrum öffnete. Sechs Jahre später ging es Schlag auf Schlag: Auf dem etwa 50 Hektar großen Gewerbegebiet Grabens, das unmittelbar neben der Bundesstraße B17 liegt, siedelten sich innerhalb weniger Monate der Online-Versandriese Amazon, der Discounter Lidl und der Paketdienst DHL an. Es folgte der Logistiker Girr, Kleinaitingen zog mit BMW im Jahr 2016 nach. In den beiden Gewerbegebieten sind insgesamt rund 3000 Personen in der Logistik-Branche beschäftigt. Doch was macht den Standort für die Unternehmen so attraktiv?

Kritiker bemängeln einen viel zu hohen Flächenverbrauch

Die erste Investition, die ein Unternehmen tätigen muss, ist der Grundstückspreis. Aber danach geht es für Spediteure und Logistiker um die laufenden Kosten. Denn jeder Kilometer, den ein Lkw fahren muss, kostet Geld. Die Entwicklung auf dem Lechfeld hängt sehr eng mit der B17 zusammen. Die Bundesstraße wurde 2009 ausgebaut und ist seitdem zwischen Augsburg und Landsberg durchgängig vierspurig befahrbar. Dadurch lassen sich die A8 sowie die A96 schnell erreichen.

Welche Vorteile diese Entwicklung für eine Gemeinde hat, zeigt sich am Beispiel Graben: Es sprudeln Gewerbesteuereinnahmen in Millionenhöhe, auch wenn ein hoher Betrag als Umlage an den Kreis zurückfließt. Durch die Einnahmen konnte Graben eine Bücherei errichten, die als Kulturzentrum genutzt wird. Auch die drei Millionen Euro teure Turnhalle hätte sich Graben sonst nicht leisten können.

Es gibt aber auch Kritiker dieser Entwicklung. Zu ihnen gehört Ludwig Hartmann, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag. Er bezeichnete in der Vergangenheit die Lagerhallen und Parkplätze auf dem Lechfeld als extrem gravierendes Beispiel von Flächenverbrauch. Deshalb unterstütze er das Volksbegehren „Betonflut eindämmen. Damit Bayern Heimat bleibt“, welches eine Obergrenze beim Flächenverbrauch von fünf Hektar pro Tag ab dem Jahr 2020 vorsieht. Derzeit liegt er bei 13,1 Hektar pro Tag.

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