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Hintergrund

12.05.2020

Autoproduktion in Corona-Zeiten: Söder will Kaufprämien durchsetzen

Markus Söder ließ sich am Montag bei Audi die Autoproduktion unter Coronabedingungen zeigen.
Bild: Audi

Plus Markus Söder hat die Produktion von Audi in Ingolstadt besichtigt, wo immer mehr Bänder wieder anlaufen. Audi-Betriebsratschef Peter Mosch fordert Hilfen für Auto-Hersteller.

Schon vor Corona hatte Audi auf vielen Seiten mit Problemen – teils branchenspezifisch, teils hausgemacht – zu kämpfen: Dieselkrise, Probleme mit dem Abgastestzyklus WLTP, der Umstieg auf die E-Mobilität. Ende des vergangenen Jahres hatte das Unternehmen den Abbau von 9500 Stellen angekündigt, der ohne Kündigungen vonstattengehen soll. Kaum waren die Details ausgehandelt, Altersteilzeitmodelle und Vorruhestandsregelungen festgezurrt, standen die Bänder mit einem Schlag still. Der Lockdown sorgte dafür, dass wochenlang kein einziges Auto in Ingolstadt produziert wurde. Der Super-GAU für Audi und die insgesamt krisengebeutelte Auto-Branche. Deren Vertreter forderten schon bald Kaufprämien, um den Absatz schnell wieder anzukurbeln. Doch die sind umstritten.

Aufbruch nach dem Shutdown: Audi fährt Produktion hoch - unter widrigen Bedingungen

Nach mehr als fünf Wochen des Stillstands fährt Audi seit Ende April die Produktion nach und nach wieder nach oben. Gestartet ist das Unternehmen zunächst Ende April mit einer Schicht, inzwischen gibt es auf einer von drei Montagelinien, auf der die Modelle Q2 und A3 produziert werden, wieder einen Drei-Schicht-Betrieb. Ab Ende Mai soll auch die Produktion des A4 und des A5 wieder anlaufen.

Doch der Autobau in Corona-Zeiten sieht deutlich anders aus als die Produktion noch Anfang des Jahres. Die Mitarbeiter tragen Mundschutz, sie müssen auf den Sicherheitsabstand achten und wo das nicht möglich ist, gibt es mobile und transparente Trennwände zwischen den einzelnen Arbeitsplätzen. All dies konnte Markus Söder bei seinem Besuch im Ingolstädter Werk am Montag sehen.

Autoproduktion in Corona-Zeiten: Söder will Kaufprämien durchsetzen

Von Werksleiter Achim Heinfling und Betriebsratschef Peter Mosch ließ sich der bayerische Ministerpräsident zeigen, unter welchen Bedingungen aktuell in Ingolstadt Autos gebaut werden. Bei seinem Besuch traf sich Markus Söder auch mit Markus Duesmann. Der 51-Jährige hatte mitten in der Coronakrise, am 1. April, seinen neuen Job als Audi-Chef als Nachfolger von Bram Schot angetreten. Und so dürfte er an seinen ersten Tagen auf viele leere Büros und Hallen gestoßen sein. Viele der Mitarbeiter waren schon damals in Kurzarbeit, aktuell ist davon laut einer Unternehmenssprecherin rund ein Drittel der Ingolstädter Belegschaft betroffen.

Ministerpräsident Markus Söder verspricht in Ingolstadt Kaufprämien für emissionsarme Autos

Als Duesmann zu Audi kam, hat er nicht nur den Ausstieg der Ingolstädter aus der DTM verkündet. Er präsentierte auch die Zahlen der ersten drei Monate und die waren geradewegs in den Keller gerauscht. Der Absatzrückgang lag weltweit bei über 21 Prozent, insgesamt sind fast 95.000 Autos weniger ausgeliefert worden als noch im Vorjahreszeitraum. Dabei ist der April, der praktisch komplett produktionsfrei war und in dem die Händler zugesperrt hatten, noch gar nicht bei den Zahlen erfasst. Audi geht deshalb für das gesamte Jahr weltweit von einer „signifikant niedrigeren Nachfrage“ nach Autos aus.

Auch wenn die Zukunftsaussichten trübe sind, auch wenn Duesmann davon ausgeht, dass „uns die Pandemie noch eine Weile begleiten“ werde, macht Audi doch ein paar Lichtblicke aus. In China seien „die Auslieferungszahlen zuletzt wieder deutlich gestiegen“, heißt es vonseiten des Unternehmens. Darüber hinaus gebe es auch bei den Lieferketten „eine positive Entwicklung“.

Dass allein Finanzierungs- oder Servicepakete für Käufer oder Prämien für Händler die Verkaufszahlen wieder noch oben treiben werden, glaubt auch Audi nicht. Deshalb forderte Betriebsratschef Peter Mosch beim Besuch von Söder auch politische Unterstützung: „Die gezielte Förderung der Autoindustrie mittels einer Prämie beim Neuwagenkauf hätte eine enorme Wirkung für Umwelt und Arbeitsplätze in unserem Land.“

Söder versprach, sich für die Automobilindustrie einzusetzen: „Das Auto ist das Zugpferd unserer Industrie. Wir wollen 4000 Euro Innovationsprämie für emissionsarme Autos und 1000 Euro Recyclingprämie für ältere Autos. Klimaschutz und bezahlbare zukunftssichere Mobilität gehören zusammen.“

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12.05.2020

Bisher war ich als bekennender GRÜNER durchaus mit der Arbeit von Herrn Söder zufrieden. Dies verspielt sich dieser gerade wieder wegen dieser unsäglichen Nähe zur Automobilindustrie. Selbst Herr Altmaier hat gestern im TV gesagt, das es mit ihm keine Unterstützung geben wird, solange Boni und Dividenden ausgeschüttet werden.

Weiterhin wären derartige Hilfen nur kurzfristig und nicht zukunftsorientiert. Die Zeit von die ressourcenfressenden, lauten Fahrzeugen mit großem Platzbedarf ist für den Individualverkehr mittelfristig definitiv vorbei. Egal wie diese angetrieben werden. Ich selbst habe auch Jahre dafür gebraucht um zu verstehen, das der Besitz eines großen Fahrzeuges in den wenigsten Fällen mit tatsächlichem Bedarf zu tun hat, sondern eher mit der Zurschaustellung des persönlichen Ego oder eine vermeintlichen SUV-Freiheit, die mir die Hochglanz-Prospekte der Automobilindustrie versprechen.

Ich besitze noch ein Fahrzeug das inzwischen 10 Jahre alt ist. Das Benzin verdunstet fast im Tank, da ich das Auto nur nutze wenn ich keine Alternative habe. Selbst wenn ich auf ein Fahrzeug mit einem umweltbewussteren Antrieb umstellen wollen würde, dann verbraucht schon die Herstellung eines neuen Fahrzeug so viel Ressourcen, da kann ich auch mein bestehendes EURO 4 Fahrzeug noch lange weiter fahren oder eben auch nicht fahren. Auch bin ich nicht mehr bereit als "Normal-Verdiener" für die immens hohen Anschaffungskosten mich in Abhängigkeiten von Leasingverträgen oder Darlehen zu begeben. Genau da haben aktuell viele Bürger das Problem bei sinkendem oder schwankenden Einkommen ihre weiter laufenden KFZ-Fixkosten zu bedienen.
Ich habe auch noch keine finale Lösung für die Zukunft; doch möchte ich für mich nur noch dann für etwas bezahlen, wenn ich es auch nutze.
Und da haben international gesehen andere Automobil-Unternehmen wesentlich intelligentere Nutzungskonzepte am Start.

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12.05.2020

Es ist wirklich zum „Durch-die-Wand-gehen“ mit dieser CSU. Die Macht der Autolobby ist stark in ihr.
Wieso senkt man nicht einfach die MwSt auf 10%. Davon haben alle Bevölkerungsgruppen und Einkommensschichten etwas.

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12.05.2020

Kaufprämien sind sozial ungerecht da nur die profitieren die sich einen Neu- oder Jahreswagen leisten können. Und diese Leute brauchen keinen Zuschuss vom Steuerzahler!
Und falls es darum geht der notleidenden Autoindustrie Geld zuzuschanzen dann kann dies auch als Staatsdarlehen erfolgen welches in besseren Jahren nach der Krise über reduzierte Dividenden zurück gezahlt wird. Oder der Saat erhält Aktien. Keinesfalls kann eine Stütze aber ein Geschenk sein!!

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12.05.2020

>> Kaufprämien sind sozial ungerecht da nur die profitieren die sich einen Neu- oder Jahreswagen leisten können. <<

Es drückt natürlich schon Gebrauchtwagen nach unten in den Markt. Diesen Mechanismus hat ja auch mancher beim Wohnungsmarkt nicht verstanden, wenn hochwertige neue Wohnungen gebaut und verkauft werden.

Jenseits dieser Effekte kann es über staatlichen Kaufprämien keine Diskussion geben, solange Dividenden an Aktionäre und Bonis an Arbeiter und Manager gezahlt werden, sowie gleichzeitig das Rabattniveau marktwidrig gering gehalten wird.

https://www.handelsblatt.com/auto/nachrichten/automarkt-auto-rabatte-bleiben-niedrig-experte-erwartet-bald-sturm/25716888.html?ticket=ST-1519771-STeTGkwN54GJbKiKfTIS-ap5

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