Newsticker
Bayern hält an FFP2-Maskenpflicht fest - auch für Schüler im Unterricht
  1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Lehrstellenoffensive: Was ein angehender Erzieher während seiner Ausbildung erlebt

Lehrstellenoffensive
11.05.2021

Was ein angehender Erzieher während seiner Ausbildung erlebt

Anton Reiter macht eine Ausbildung zum Erzieher.
Foto: Ulrich Wagner

Anton Reiter, 21, hat sich entschieden, die Erziehung von Kindern zu seinem Beruf zu machen. Als Auszubildender leitet er bereits eine Gruppe von Kindern.

Anton Reiter sitzt in der Kindertagesstätte Don Bosco im Augsburger Stadtteil Herrenbach mit zwei kleinen Mädchen auf dem Fußboden und baut einen Turm aus magnetischen Vierecken. Heute betreut er drei Kinder in der Ferienaufsicht, einen Jungen hat er nach dem Mittagessen zur Schlafbetreuung gebracht. Normalerweise ist Reiter für 25 Kinder zwischen drei und sechs Jahren verantwortlich. Der 21-Jährige ist im letzten Jahr seiner Ausbildung als Erzieher. Das Besondere: Er führt die Kindergartengruppe als Teamleiter an. „Diese Wertschätzung und das Vertrauen, als Auszubildender eine Teamleitung zu übernehmen, freut mich sehr“, sagt Reiter. Er ist 21 Jahre alt und kommt aus Kutzenhausen im Kreis Augsburg.

Dass er Erzieher werden will, hat Anton Reiter mit 17 entschieden, als er auf dem sozialen Zweig der Fachoberschule ein halbjähriges Praktikum im Hort gemacht hat. „Ein sozialer Bereich hat mich mehr interessiert als die Wirtschaft, der wertschätzende Umgang untereinander motiviert: Ich habe mich jeden Tag auf den Hort gefreut, weil mir die Arbeit mit Menschen, insbesondere Kindern, so viel Spaß macht. Lernfortschritte bei Kindern sind einfach faszinierend“, sagt er.

Reiter leitet als Auszubildender schon eine Kindergartengruppe

Jetzt ist Reiter im dritten Jahr seiner Ausbildung. Es ist sein letztes, denn seine Ausbildung ist von fünf auf drei Jahre verkürzt worden, weil er die Fachoberschule besucht hatte. Im ersten Jahr arbeitete er in einem Kindergarten in Kutzenhausen. Mit der Zeit bekam Reiter mehr Verantwortung: Im zweiten Jahr bekam er die Aufsichtspflicht für fünf Krippenkinder. Im April 2020 wechselte er zum Kindergarten Don Bosco in Augsburg. Das letzte Jahr seiner Ausbildung ist gleichzustellen mit dem Berufspraktikum in der fünfjährigen Ausbildung. Jetzt hat er die volle Aufsichtspflicht und wird im Betreuungsschlüssel mitberücksichtig, der regelt wie viele Betreuer auf wie viele Kinder kommen.

Die Bereiche Hort, Krippe und Kindergarten sollte er während seiner Ausbildung intensiv kennenlernen. Dann wurde ihm die Gruppenleitung einer Kindergartengruppe angeboten. Sein Arbeitsalltag hat sich dadurch verändert: „Ich bin der erste Ansprechpartner für Kinder und Eltern.“ Jetzt steht er im Austausch mit den Eltern. Geholfen hat ihm die Ausbildung an der Schule, Reiter besucht außerhalb der Ferienzeit montags und dienstags die Fachakademie für Sozialpädagogik Maria Stern in Nördlingen.

Der Erzieher muss auf Augenhöhe mit den Kindern sein

Reiters Arbeitstag beginnt um acht Uhr morgens mit der „Bring-Zeit“ für die Kinder. Danach gibt es einen Morgenkreis, in dem gesungen und über die Besonderheit des aktuellen Tages gesprochen wird. Nach einem Kreisspiel geht die Gruppe nach draußen. Nach dem Mittagessen machen manche Kinder einen Mittagsschlaf, andere spielen in der Gruppe. Ein bis zweimal die Woche erarbeiten die Erzieher spezifische Angebote für die Kinder, um sie zu fördern. Dabei wird darauf geachtet, Ganzheitlichkeit zu leben. Wichtig ist Anton Reiter, dass die Wünsche der Kinder berücksichtigt werden.

Die Kindertagesstätte Don Bosco zählt insgesamt elf Auszubildende. Leiterin Eleonora Weinberger hat regelmäßige Feedbackrunden unter den Auszubildenden eingeführt. „Die Ausbildung im Team ist wichtig, die Auszubildenden können auch voneinander lernen“, sagt sie. Besonders wichtig ist ihr, dass die Auszubildenden die im Kindergarten gelebten Werte wie Solidarität und Zusammenhalt leben. „Das ist wichtiger als Noten.“

Reiter versteht sich als Begleiter der Kinder, am meisten Freude bereitet ihm die Anerkennung, die er von ihnen erfährt. „Das Wichtigste“, sagt er, „ist es, den Kindern auf Augenhöhe zu begegnen. Kinder haben das Recht auf Mitsprache.“ Wichtig sei es, Kinder in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Dies fördere die Selbstbestimmung.

Lesen sie dazu auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.