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Lufthansa
05.12.2014

Lufthansa-Piloten auf verlorenem Posten

Die Piloten der Lufthansa kämpfen um alles.
Foto: Boris Roessler/Illustration (dpa)

Die Piloten der Lufthansa verteidigen Privilegien aus alten Zeiten. Doch das geht auf Dauer leider nicht.

Piloten sind ihr Geld wert. Manche leisten beinahe Übermenschliches, so wie Chesley „Sully“ Sullenberger. Im Januar 2009 hob er mit einem Airbus in New York ab, erkannte rasch, dass die Maschine mit einem Vogelschwarm kollidiert sein musste und die Lage brisant ist. Der frühere Kampfflugzeug-Pilot traf eine kühne Entscheidung: Er setzte zur Notlandung auf dem Hudson River an. Das Manöver glückte.

So muss ein Pilot der Lufthansa sein

Ein Held war geboren. Der damals beinahe 58 Jahre alte Pilot rettete allen 154 Menschen an Bord und auch sich das Leben. Sullenberger verließ als Letzter den Airbus, nachdem er zweimal durch die Passagierreihen des sinkenden Flugzeuges gegangen war, um sich zu überzeugen, dass kein Verletzter irgendwo übersehen wurde.

So muss ein Pilot sein. Derart exzellent ausgebildeten Flugzeugführern mit überragenden Fähigkeiten vertrauen sich Passagiere gerne an und gönnen ihnen eine fürstliche Bezahlung. Aber sind sie auch bereit, für einen hohen Standard entsprechende Ticket-Preise zu zahlen? Leisten wir uns teure Helden der Lüfte? Wie oft im Wirtschaftsleben fällt die Antwort ernüchternd aus: Der Preis ist für die meisten Passagiere der entscheidende Faktor. Sonst wäre eine Erfolgsgeschichte wie von Ryanair unmöglich. Sonst wäre die irische Airline nicht zum Synonym für Billig-Fluggesellschaften geworden, beinahe wie Tempo für Papiertaschentücher steht. Sonst hätten die Manager des Konzerns 2014 nicht zum dritten Mal die Gewinnprognose nach oben korrigiert.

Geiz ist geil und billig macht willig

Die Ryanair-Kostendrücker wollen in diesem Geschäftsjahr satte 810 bis 830 Millionen Euro Gewinn einstreichen. Geiz ist geil und billig macht willig, mag die Konkurrenz der klassischen Airlines auch beleidigt darauf verweisen, dass nur eine geringe Zahl an Ryanair-Piloten fest angestellt sei und deren Bezahlung kümmerlich ausfalle. Am Ende gibt der Erfolg Ryanair-Chef Michael O’Leary recht. Allein ein Vergleich des Börsenkurses des Billigfliegers und der Lufthansa spricht eine klare Sprache: Während die Ryanair-Aktie bei rund 55 Euro notiert, sind die Lufthansa-Anteilseigner froh, dass der Wert wieder Richtung 15 Euro durchstartet. Auch deshalb beugt sich der neue Konzern-Chef Carsten Spohr dem Willen vieler Kunden und schafft eine Billig-Lufthansa, die unter dem Namen Eurowings verlorenes Terrain zurückerobern soll.

Der Strategie-Schwenk ist interessant: Spohrs Vorgänger blickten noch von oben auf die wilden Preisbrecher um O’Leary herab. Doch die Lufthansa musste in diesem Jahr ihre Ergebnisprognose nach unten schrauben. Das macht demütig, zumindest viele Mitarbeiter im Konzern. Eine Ausnahme sind die streikwilligen Piloten und ihre Interessensvertretung Cockpit. Für diese sich als Elite empfindende Gruppe steht viel auf dem Spiel.

Die Piloten der Lufthansa kämpfen

Die Lufthansa-Piloten kämpfen um alles – eben Ehre und Geld. Sie können nicht anders, als die Billig-Strategie des Unternehmens zu verurteilen. Denn ein Eurowings-Pilot, der zehn Jahre aktiv ist, bekommt als Grundvergütung einschließlich Schichtzulagen im Jahr 101000 Euro. Ein schönes Gehalt, mag mancher denken. Ein vergleichbarer Lufthansa-Pilot bringt es jedoch auf 189000 Euro.

Es existiert also eine Zwei-Klassen-Gesellschaft innerhalb des Konzerns, wobei die untere Eurowings-Schicht wächst. Für die Lufthansa-Oberklasse wird es in den kommenden Jahren trotz aller Streikmacht schwer, Privilegien zu verteidigen, auch wenn sie wegen herausrausragender Leistungen verdient sein mögen. Die ökonomischen Fakten sprechen gegen die bisher hohen Gehälter. Die Lufthansa befindet sich in einer unerquicklichen Sandwichposition: Von unten drückt die Brotscheibe der zu lange unterschätzten Billigflieger gegen das Unternehmen und von oben ist der Druck nicht minder stark. Dort machen der Lufthansa von Scheichs subventionierte Edel-Airlines wie Emirates auf Interkontinentalstrecken zu schaffen.

In der Mitte des Sandwiches ächzt die Lufthansa. Deren mutiger Chef Spohr wagt den Befreiungsschlag, indem er das klassische Lufthansa-Angebot aufwertet und den Urlaubs-Passagieren das gibt, was sie wollen: Billigflüge.

Am Ende werden die Piloten des Lufthansa-Konzerns im Schnitt weniger verdienen, auch wenn sie mehr wert sind. Wir wollen Helden, aber bitte möglichst günstige.

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