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Arbeitsplätze

12.10.2020

Premium Aerotec: Streit um Job-Abbau bei Airbus-Tochter in Augsburg

Wie es bei Premium Aerotec weitergeht, wenn nicht genügend Mitarbeiter freiwillig das Unternehmen verlassen, ist offen.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Das Airbus-Management schließt Kündigungen bei der Augsburger Tochtergesellschaft Premium Aerotec nicht aus. Das erzürnt Betriebsräte und Gewerkschafter.

Zwischen dem Management des europäischen Luftfahrt-Konzerns Airbus und den Arbeitnehmervertretern bahnt sich ein tiefgreifender Konflikt an. Während die Arbeitgeberseite betriebsbedingte Kündigungen nur bis Ende März nächsten Jahres ausschließt, bestehen Betriebsräte und Gewerkschafter strikt darauf, dass der Konzern generell auf solche harten Personaleinschnitte verzichtet.

So sollen bei Premium Aerotec tausende Arbeitsplätze gestrichen werden

Am Montag bestätigten zwei führende Airbus-Verantwortliche jedenfalls einen Bericht unserer Redaktion, dass zunächst bei dem Konzern und der Augsburger Tochtergesellschaft Premium Aerotec tausende Arbeitsplätze bis Ende März freiwillig etwa durch Abfindungsangebote gestrichen werden sollen. Die Airbus-Manager André Walter und Marco Wagner sprachen hier von einer Beschäftigungslücke von 5100 Stellen bei dem Konzern und seinem Zuliefer-Unternehmen Premium Aerotec. Die Gewerkschaft IG Metall kam hier einst sogar auf 6000 Arbeitsplätze.

Die Verantwortlichen des europäischen Luftfahrt-Konzerns hoffen, dass nun in den kommenden Monaten – auch über Altersteilzeit und vorzeitiges Ausscheiden – sich 5100 Beschäftigte bereit erklären, das Unternehmen zu verlassen. "Wir haben gute Hoffnung, Freiwillige zu finden", sagten Walter (Vorsitzender der Geschäftsführung von Airbus Commercial in Deutschland) und Wagner (Arbeitsdirektor und Mitglied der Geschäftsführung Airbus Commercial in Deutschland) bei einer Telefonkonferenz. Es gebe schon viele Interessenten. Ein Abfindungsprogramm laufe für Beschäftigte, die bis zu 58 Jahre alt sind, ein anderes für Mitarbeiter ab 59. So meinten die Luftfahrt-Manager: "Wir wünschen uns und haben das Ziel, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Ausschließen können wir betriebsbedingte Kündigungen dagegen nicht."

Augsburgs IG-Metall-Chef Michael Leppek ist empört

Damit sind Entlassungen ab Anfang April kommenden Jahres, wie unsere Redaktion vorab berichtet hatte, nun offiziell nicht vom Tisch. Das wollen Gewerkschaftsvertreter nicht akzeptieren. Augsburgs IG-Metall-Chef Michael Leppek reagierte empört: "Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass Airbus und Premium Aerotec nicht bereit sind, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen." In einem so großen Unternehmen müsse das doch möglich sein, meinte er. Und der Gewerkschafter fügte hinzu: "Wie sollen dann Mittelständler solche Beschäftigungsbekenntnisse abgeben, wenn nicht einmal ein Konzern wie Airbus mit rund 135.000 Mitarbeitern dazu in der Lage ist?"

Der Augsburger IG Metallchef Leppek fordert den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Was Leppek besonders ärgert, ist der Umstand, dass auch der deutsche Staat indirekt an dem Luftfahrt-Riesen beteiligt ist und Airbus immer wieder Staatsaufträge bekommt. Hinsichtlich möglicher betriebsbedingter Kündigungen, bringt Leppek ein weiteres moralisches Argument ein: Denn in solchen Entlassungen ab April 2021 sieht er "einen Tabu-Bruch", schließlich könne Airbus bis Ende nächsten Jahres noch das Instrument der Kurzarbeit nützen, was ja zum Erhalt von Arbeitsplätzen diene. Somit haben sich die Fronten zwischen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite trotz einer Einigung auf einen Sozialplan verhärtet.

In Augsburg geht es bei Premium Aerotec um gut 1000 Stellen

Doch Branchenkenner halten es für möglich, dass letztlich doch so viele Mitarbeiter wie vom Konzern erhofft freiwillig gehen, Kündigungen also nicht mehr nötig sind. Am Augsburger Stammsitz von Premium Aerotec geht es um bis 1007 von noch rund 3500 Beschäftigten, was einem massiven Personalabbau gleichkäme. Die Airbus-Manager Walter und Wagner versuchten in der Pressekonferenz den Ernst der Lage für den Flugzeugbauer deutlich zu machen: "Die Situation ist für uns länger auf einem schlechten Niveau als gedacht."

Im Sommer habe es für die Branche nur eine minimale Erholung gegeben, jedoch sei im Herbst schon wieder eine Verschlechterung eingetreten. Airbus-Chef Guillaume Faury hatte einst zu Hochzeiten der Corona-Krise seinen Entschluss, Arbeitsplätze bei Airbus abzubauen in einem Brandbrief an die Beschäftigten auch damit begründet, dass der Konzern bei einem zu langen Abwarten in eine kritische Situation geraten könnte: "Wenn wir nicht jetzt agieren, ist das Überleben von Airbus fraglich."

Doch immerhin keimt inzwischen in Kreisen des Unternehmens Hoffnung auf, dass der Markt für Kurz- und Mittelstrecken-Jets der A320-Familie schon 2022 wieder anzieht. Davon würde auch der Standort in Augsburg profitieren.

Hören Sie sich zum geplanten Stellenabbau bei Premium Aerotec auch unseren Podcast von Juli an:

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