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08.03.2018

Schatten über Premium Aerotec

Die Airbus-Tochter Premium Aerotec in Augsburg ist schon jetzt von den rückläufigen Bestellungen bei zwei Flugzeugtypen betroffen.
Bild: Klaus Rainer Krieger, Imago

Das Augsburger Werk ist schon jetzt von der schlechten Auftragslage bei Airbus betroffen. Etwa 500 Leiharbeiter müssen gehen. Das sorgt für Unverständnis

Eigentlich war es ein Zufall – aber er passte: Gestern hat sich die Belegschaft von Premium Aerotec in Augsburg zu einer regulären Betriebsversammlung getroffen. Geplant war das schon lange, denn in der kommenden Woche stehen bei dem Augsburger Flugzeugbauer Betriebsratswahlen an. Doch natürlich wollten die Beschäftigten auch noch etwas ganz anderes wissen: Wie schlimm wird der mögliche Stellenabbau bei Airbus die Tochterfirma in Augsburg treffen?

Gleichzeitig kam in Toulouse der europäische Betriebsrat von Airbus zusammen. Bei dem Treffen wollten Vertreter des Managements mit Arbeitnehmervertretern über Maßnahmen sprechen, wie sie der Bestellflaute beim Riesen-Airbus A380 und dem Militärtransporter A400M begegnen können. Schon seit Freitag kursierten Gerüchte, wonach 3600 Stellen in den Werken in Augsburg, Bremen, im britischen Filton und dem spanischen Sevilla wegfallen könnten. Tatsächlich bestätigte Airbus gestern Nachmittag, dass bis zu 3700 Stellen von der Auftragsflaute bedroht sind. Verständlicherweise erhofften sich die Beschäftigten von Premium Aerotec bei dieser Ausgangslage etwas mehr Klarheit. Und verständlicherweise war die Stimmung auf der vierstündigen Betriebsversammlung gestern deshalb nicht besonders gut.

Eigentlich läuft es prächtig für den Luftfahrtriesen Airbus. 7300 Flugzeugbestellungen hat der Konzern noch abzuarbeiten. 2017 konnte die Firma ihren Jahresgewinn fast verdreifachen. Das Problem: Nicht alle Flugzeugtypen werden gleich stark nachgefragt. Während die Flugzeuge der A320-Familie und der A350 wahre Kassenschlager sind, will niemand den Riesen-Airbus A380 haben. Und auch der Militärtransporter A400M ist ein Sorgenkind des Unternehmens.

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Für die Region ist das dramatisch: Denn das Augsburger Premium Aerotec-Werk fertigt unter anderem Teile für die beiden Problemmaschinen. Airbus bestätigte gestern auch, wesentlich weniger der Problemflieger produzieren zu wollen: Vom A380 werden nur noch sechs Maschinen im Jahr hergestellt, vom A400M sollen ab 2020 acht Flieger jährlich das Werk verlassen.

Die gesunkene Nachfrage hat schon jetzt Auswirkungen auf Premium Aerotec. Wie bei der Betriebsversammlung gestern bekannt wurde, will die Geschäftsführung noch in diesem Jahr 300 Leiharbeiter-Stellen streichen. 2019 sollen dann weitere 150 bis 200 Leiharbeiter gehen. Der Grund ist die schon jetzt rückläufige Auslastung. Bisher arbeiten rund 4000 Beschäftigte in dem Werk – 650 davon sind Leiharbeiter.

Die Zahl der Stellenstreichungen verwundert den Augsburger IG-Metall-Chef Michael Leppek: „Das sind mehr Menschen, als in Augsburg am A380 und A400M arbeiten“, sagte er. Deshalb will die Gewerkschaft nun erst einmal von der Geschäftsführung erfahren, in welchen Bereichen die Stellen eingespart werden sollen, sagt er. Die Stammbelegschaft hat bis 2020 eine Beschäftigungsgarantie. Doch bei der Betriebsversammlung hieß es auch, dass nach 2020 eventuell Mitarbeiter aus der Stammbelegschaft das Werk verlassen müssen.

Leppek gibt allerdings zu bedenken, dass unter den Leiharbeitern Fachkräfte sind, die zum Teil schon seit zehn Jahren für Premium Aerotec arbeiten. „Natürlich gibt es im Großraum Firmen, die Personal suchen“, sagt der Gewerkschafter. „Aber wenn die Fachkräfte einmal weg sind, kann man sie nicht mehr zurückholen.“ Aus seiner Sicht ist der Stellenabbau der falsche Weg. „Airbus sollte Fremdaufträge zurückholen und dafür sorgen, dass die eigenen Standorte ausgelastet sind“, sagt Leppek. Denn Premium Aerotec befindet sich in einer Zwickmühle. Um die Mitarbeiter auszulasten, müssten neue Aufträge gefunden werden. Aber als Tochterunternehmen von Airbus ist die Firma auf Aufträge des Mutterkonzerns angewiesen. Sich um andere Auftraggeber zu bemühen, ist für die Augsburger schwer.

Der Mutterkonzern Airbus will die geringe Nachfrage in manchen Bereichen unterdessen mit Personalverlagerungen ausgleichen. Zwölf Prozent der 129000 Mitarbeiter würden ohnehin jährlich die Stelle innerhalb des Konzerns wechseln, teilt das Unternehmen mit. „Airbus ist zuversichtlich, den meisten der betroffenen Mitarbeitern in Programmen, die sich derzeit im Hochlauf befinden, neue Stellen innerhalb des Unternehmens anbieten zu können“, teilt der Konzern mit. Die Augsburger Leiharbeiter haben davon freilich wenig.

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