Stadt und Stadtwerke planen - nachdem der westliche Gleisanschluss zum Bahnhofstunnel jahrelang in der Genehmigungsschleife festhing - im Oktober einen Spatenstich in der Rosenaustraße. Das gab die Augsburger Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) zuletzt bekannt. Aktuell laufen die Detailplanungen für den wenige hundert Meter langen Abschnitt durch die Rosenaustraße zwischen dem westlichen Bahnhofstunnelausgang am Sebastian-Buchegger-Platz und der Kreuzung mit der Pferseer Straße noch. Man komme aber gut voran, so die Stadtwerke.
Ab Dezember 2027 soll hier die Linie 6 nach Stadtbergen rollen, wenn auch der Bahnhofstunnel (angepeilte Fertigstellung zwischen Dezember 2026 und Juli 2027) nutzbar ist. Die Gleise in der Pferseer Unterführung werden beseitigt. Für die Trasse mit zwei Gleisen in der Rosenaustraße besteht seit 2011 Baurecht, sodass es aktuell nur um kleinere Anpassungen geht. Stadt und Stadtwerke hatten zwischenzeitlich eine alternative Trassenführung mit teilweiser Führung durchs Thelottviertel, die städtebaulich mehr Möglichkeiten eröffnet hätte, verfolgt. Allerdings war diese umstritten und stellte sich als zu kompliziert heraus, sodass vor einem Jahr die Rosenaustraße wieder zum Favoriten wurde. Seitdem laufen die Planungen. In der Vergangenheit hatten die Stadtwerke einen Baustart im Jahr 2026 angepeilt. Der Spatenstich dürfte auch die Phase der Vorarbeiten umfassen. Unter anderem müssen Bäume gefällt werden.
Bauarbeiten am Hauptbahnhof für Linie 6: Rolltreppen zur Geister-Haltestelle
Beim Bahnhofstunnel selbst, so Stadtwerke-Projektleiter Lutz Bücheler zuletzt im Stadtrat, komme man gut voran. Seit eineinhalb Jahren ist die Fußgängerebene freigegeben, an der unterirdischen Tramtrasse samt Haltestelle laufen noch Technikarbeiten. Für Verwunderung bei manchen Fahrgästen sorgt, dass die Rolltreppen, die vom Fußgängertunnel zur aktuell noch geschlossenen Tramhaltestelle im zweiten Untergeschoss führen, gelegentlich laufen. „Wir müssen die Rolltreppen ab und zu für mehrere Stunden anschmeißen, damit wir unsere Gewährleistungsansprüche nicht verlieren“, erklärt Bücheler.
Stadt und DB diskutieren über Finanzierung des Bahnhofsvorplatz-Umbaus
Beim Bahnhofsvorplatz sei man aktuell in Gesprächen mit der DB, wie die Fläche des ehemaligen Containerdorfs gestaltet werden soll. Dort breitet sich seit dem Abbau vor wenigen Wochen eine Kiesfläche aus. Vermutlich wird die DB diese Fläche als Baustellen-Einrichtung benötigen, wenn sie die Sanierung der südlichen Personenunterführung in Angriff nimmt. Gegebenenfalls, so Bücheler, werde man diesen Bereich asphaltieren, bis der endgültige Umbau des Bahnhofsvorplatzes kommt. Hier gibt es seit zehn Jahren Planungen für eine Neugestaltung, allerdings ist zwischen der DB als Eigentümerin und der Stadt offenbar nach wie vor unklar, wer welche Kosten trägt. Ein Baustart ist ohnehin erst im nächsten Jahrzehnt absehbar, wenn die DB ihre Sanierungsarbeiten an den Bahnsteigen beendet haben wird, für die sie Lagerflächen auf dem Bahnhofsvorplatz benötigt.
Zur Linie 5 äußern sich die Stadtwerke aktuell nicht groß
Mit Aussagen zur geplanten Linie 5 zur Uniklinik halten sich die Stadtwerke zurück, bis der Lückenschluss in der Rosenaustraße als erster Abschnitt fertig ist. Dann sehe man weiter, so Geschäftsführer Rainer Nauerz. Denkbar sei als Zwischenlösung eine Schnellbuslinie ergänzend zum 32er-Stadtbus zur weiteren Erschließung der Uniklinik und des Medizin-Campus. Womöglich soll dazu eine AVV-Regionalbuslinie modifiziert werden. Wie berichtet sind die Aussichten für die Linie 5 zwischen Westseite des Hauptbahnhofs und Uniklinik durchwachsen, weil sich das Projekt als immer komplizierter erweist. Stadt und Stadtwerke halten aber daran fest, zumal ohne Linie 5 lediglich die Linie 6 den Bahnhofstunnel durchqueren würde und die Linien 3 und 4 dort die unterirdische Haltestelle anfahren und wenden würden.
Man sei aktuell dabei, die Kosten-Nutzen-Bewertung des Projekts Mobilitätsdrehscheibe noch einmal mit den Fördergebern abzustimmen, so Nauerz auf kritische Nachfrage der SPD. Die Stadtwerke hatten vor 20 Jahren ein Maßnahmenpaket aus Kö-Umbau, Bahnhofstunnel, Tramlinie nach Friedberg und Klinikumslinie geschnürt, um sich eine staatliche Förderung zu sichern. Ohne die Linie 5, für die es konkret keine Fertigstellungsperspektive gibt, müsste diese Rechnung neu aufgestellt werden. Für einen rechnerischen Ausgleich könnte sorgen, dass die Stadtwerke die Verlängerung der Linie 3 nach Königsbrunn vor einigen Jahren unters Dach der Mobilitätsdrehscheibe holten. Diese Verlängerung schnitt in der Kosten-Nutzen-Analyse so gut ab, dass sie den Gesamtnutzen des Projekts vergrößert haben dürfte. Voraussetzung für eine Förderung ist, dass der errechnete Nutzen höher ist als die Kosten.
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