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Bayern

20.10.2020

Kommt der Lockdown jetzt auch in anderen Städten und Landkreisen?

Corona-Tristesse in Berchtesgaden: In der Region gelten strenge Ausgangsbeschränkungen. Die Infektionszahlen markieren einen traurigen Rekord.
Bild: Peter Kneffel, dpa

In Berchtesgaden treten die Ausgangsbeschränkungen in Kraft. In vielen anderen Regionen steigt die Zahl der Infizierten. Virologen warnen vor Kontrollverlust.

Die Urlauber sind abgereist, die Einheimischen haben sich mit Masken und Desinfektionsmittel eingedeckt – es ist Ruhe eingekehrt im Berchtesgadener Land. Seit Dienstag 14 Uhr gelten in der Region an der Grenze zu Österreich die ersten Ausgangsbeschränkungen seit dem Lockdown im Frühjahr. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Die Menschen vor Ort reagieren gelassen auf die Anordnung.

„Die Maßnahmen sind zwar ohne Frage einschneidend“, sagt Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml. Aber angesichts der hohen Infektionszahlen habe die Notbremse gezogen werden müssen. Die Gesamtzahl der Corona-Infektionsfälle im Landkreis Berchtesgadener Land ist inzwischen auf 769 geklettert. Der Sieben-Tage-Inzidenz-Wert liegt bei 236,01. Alleine seit Dienstag hat es 57 Neuinfektionen gegeben.

 

Der Lockdown im Berchtesgadener Land ist nur ein erster Vorgeschmack

Und Berchtesgaden ist nicht die einzige Region mit steigenden Zahlen: Der gesamte Freistaat liegt mittlerweile über dem bundesweit vereinbarten Warnwert von 50. Entsprechend hoch sind auch die Werte in den Städten: Augsburg hat einen Inzidenzwert von 124,5, Weiden von 116,98, Schweinfurt von 104,82.

Ist der Lockdown im Berchtesgadener Land also nur ein erster Vorgeschmack auf ein flächendeckendes Herunterfahren des öffentlichen Lebens? Es gebe „keinen Automatismus“ und auch keinen konkreten Inzidenzwert, der zu einem lokalen Lockdown führe, versichert Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU).

Neben der schieren Zahl der Fälle komme es auch auf die konkrete Entwicklung an sowie auf die Frage, ob das Infektionsgeschehen eingegrenzt werden kann. Erst wenn es sich diffus, also „kreuz und quer durch den Landkreis“, verbreite, bestehe die Gefahr eines Kontrollverlusts. Dann müsse „fach- und sachkundig“ abgewogen werden, welche Maßnahmen ergriffen werden müssten.

Christian Drosten warnt vor einer Corona-Strategie mit Herdenimmunität als Ziel

Das Instrument eines lokalen oder regionalen Lockdowns müsse dort angewendet werden, „wo der Eindruck entsteht, es läuft aus dem Ruder“, sagt Herrmann, und zwar „immer mit dem Ziel, derartige flächendeckende Maßnahmen zu vermeiden und zu verhindern“. Priorität der Staatsregierung bleibe, Schulen und Kitas offen und die Wirtschaft am Laufen zu halten.

Unterdessen spricht die Gesellschaft für Virologie mit Blick auf Deutschland vom „Beginn einer exponentiellen Ausbreitung“. In einer Stellungnahme heißt es: „Aufgrund der explosiven Infektionsdynamik, die wir in allen Hotspots quer durch Europa feststellen, steht zu befürchten, dass ab einer bestimmten Schwelle auch in bisher unkritischen Regionen die Kontrolle über das Infektionsgeschehen verloren geht.“

Der Berliner Virologe Christian Drosten und andere Kollegen warnen vor einer Corona-Strategie mit einer Herdenimmunität als Ziel. „Mit Sorge nehmen wir zur Kenntnis, dass erneut die Stimmen erstarken, die als Strategie der Pandemiebekämpfung auf die natürliche Durchseuchung großer Bevölkerungsteile mit dem Ziel der Herdenimmunität setzen“, schreiben die Wissenschaftler. Herdenimmunität bedeutet, dass etwa 60 Prozent der Bevölkerung nach einer Infektion oder Impfung immun geworden sind und sich das Virus dadurch nicht mehr so gut ausbreiten kann. Eine unkontrollierte Durchseuchung würde zu einer eskalierenden Zunahme an Todesopfern führen, schreiben die Virologen.

 

Denn selbst bei strenger Isolierung älterer Menschen gebe es noch weitere Risikogruppen, die viel zu zahlreich, zu heterogen und zum Teil auch unerkannt seien, um aktiv abgeschirmt werden zu können. Ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf ergibt sich beispielsweise bei Übergewicht, Diabetes oder Krebserkrankungen.

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