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Nockherberg 2021
04.03.2021

Trotz Corona: Wie Fasten-Prediger Maxi Schafroth fürs Derblecken probt

Maxi Schafroth arbeitet seit Weihnachten an seiner traditionellen Fastenrede. Aufgeregt ist er nicht, sagt der Kabarettist aus dem Unterallgäu, die Freude am Feilen überwiege.
Foto: Sven Hoppe, dpa

Der Unterallgäuer Kabarettist Maxi Schafroth darf auf dem Münchner Nockherberg wieder gegen Politiker sticheln. Die Arbeit bereitet ihm „schelmische Freude“.

Maxi Schafroth hat sich regelrecht verbarrikadiert. Der Kabarettist aus dem Unterallgäu brütet derzeit in seiner Münchner Wohnung über einer Rede, die vermutlich für Furore sorgen wird: Am Freitag wird er live im Fernsehen die traditionelle Fastenpredigt zur Starkbierprobe der Paulanerbrauerei auf dem Nockherberg halten. In diesem Jahr freilich geht das Derblecken der Politprominenz ganz anders als sonst über die Bühne.

Wenn Schafroth zur satirischen Schelte ansetzt, wird im riesigen Festsaal keine Politikerin, kein Politiker sitzen und mit gequältem Lächeln Richtung Rednerpult blicken. Nur die Kameras des Bayerischen Fernsehens sind aufgebaut und auf den Prediger gerichtet. Wenn es wegen Corona schon keinen Starkbieranstich mit Präsenz-Prosten gibt, sollen die TV-Zuschauer wenigstens nicht aufs Derblecken verzichten müssen.

Seit Weihnachten schreibt Schafroth daran, was er den Politikern beim Derblecken sagen will

„Ich bin ordentlich im Stress“, gesteht Maxi Schafroth, als unsere Redaktion ihn telefonisch erreicht. „Aber es macht einen Heidenspaß, endlich wieder kreativ zu sein in dieser künstlerischen Durstphase.“ Seit Weihnachten, das er bei den Eltern im Unterallgäuer Markt Rettenbach verbrachte, feilt der 35-Jährige am viel beachteten Auftritt. „Feilen“ – das heißt, er schreibt, was er den Politikerinnen und Politikern um die Ohren hauen möchte, sofern sie denn vor ihm an den Biertischen säßen.

Außerdem komponiert und probt er. Denn die Fastenrede wird nicht nur aus gesprochenen, sondern auch aus gespielten und gesungenen Sticheleien bestehen. Begleitet wird Schafroth von seinem Haus-und-Hof-Gitarristen Markus Schalk sowie vom „Chor der Jungen Union Miesbach“. Musik und Gesang sollen das einstündige Levitenlesen auflockern. „Ich will Kopf und Bauch ansprechen“, erklärt der Kabarettist.

Der Kabarettist Maxi Schafroth lädt zum Autokabarett ein.
Foto: picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archiv

Viel mehr möchte – und darf – Maxi Schafroth über seine Predigt nicht verraten. Was er im Paulaner-Saal auf dem Münchner Nockherberg genau in die Kameras spricht und welche Politiker er ins Visier nimmt, soll bis zum Freitagabend um 20.15 Uhr geheim bleiben. Bei den Themen kann er aber aus dem Vollen schöpfen. Corona hält Politiker und Bevölkerung in Atem, im Herbst steht eine Bundestagswahl an, das Klima entwickelt sich katastrophal weiter.

Doch alles Nachfragen ist umsonst: Der Kabarettist gibt nichts preis. Sagt unter lautem Lachen nur, dass er „eine schelmische Freude“ beim Schreiben habe und es Überraschungen geben werde. In Ermangelung von Live-Gästen werde er die Fernsehzuschauer sehr direkt ansprechen. „Das Publikum sehe ich in den Linsen der Kameras.“ Eine Übung, die er gewohnt ist, schließlich tritt Schafroth längst regelmäßig im Fernsehen auf, etwa in der ARD-Satire-Sendung „Extra3“.

Lampenfieber? Wie Maxi Schafroth gelernt hat, auf der Bühne ruhig zu bleiben

Dass Maxi Schafroth auch dieses Jahr der Derblecker sein wird, steht schon lange fest. Sein Nockherberg-Debüt 2019 wurde so positiv aufgenommen, dass die Paulaner-Brauerei ihn gleich danach wieder verpflichtete. Schafroth überzeugte damals mit einer scharf gewürzten, aber nicht gehässigen Predigt. Vor allem seine Nachdenklichkeit und seine klare Haltung kamen gut an – sowohl beim Fernsehpublikum als auch bei den Politikern. Ministerpräsident Markus Söder lobte seine Fastenrede als „großartig, witzig und nicht verletzend“.

Nur Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler und bayerischer Wirtschaftsminister, maulte im Nachhinein. Der Bauernsohn aus dem Allgäu hatte offenbar gegen den Landwirt aus Niederbayern besonders trefflich gestichelt. Prompt schlug Aiwanger zurück und attestierte dem Nockherberg-Neuling: „Ein paar strenge Winter braucht er noch, ein gewisses Entwicklungspotenzial ist noch da.“

Maximilian Schafroth bei seiner Premiere als Fastenprediger im vergangenen Jahr. Kurz nach dem Auftritt hatte er schon den Folgeauftrag für 2020 in der Tasche: Am Mittwoch nächster Woche ist es soweit.
Foto: Tobias Hase, dpa


Eine Last sei das Premieren-Lob nicht, versichert Schafroth. Lampenfieber? Habe er keins. Angesichts unzähliger Auftritte vor Publikum und Kameras hat er längst gelernt, wie man auf der Bühne ruhig bleibt. „Die Freude überwiegt die Aufregung“, sagt er. Außerdem bereite er sich ja seit Wochen vor. Dabei reden ihm die Veranstalter nicht drein, betont Schafroth. Weder die Paulaner-Brauerei noch der Bayerische Rundfunk nehmen Einfluss auf seine Fastenpredigt. „Beide halten sich angenehm zurück und lassen mich in Ruhe arbeiten.“

Wird Schafroths Rede nach der Ministerpräsidentenkonferenz noch mal ändern?

Dieses Arbeiten erledigt Schafroth – in guter Literatentradition – gern in Münchner Kneipen und Kaffeehäusern. Die sind wegen Corona derzeit aber auch für ihn verschlossen. Deshalb ist Schafroth im Homeoffice zugange. Das „stille Kämmerlein“, wie er es nennt, verlässt er nur selten. Einmal ist er sogar nach Ottobeuren gefahren und hat einen Besuch bei der Baywa gemacht – um aus erster Hand zu erfahren, was die Bauern so umtreibt. Inzwischen stehe die Fastenpredigt im Wesentlichen, berichtet er. Nun muss er sie eindampfen. „Das ist wie bei einer Soße“, sagt Schafroth, „damit sie gut wird, muss man sie reduzieren.“

ARCHIV - 08.03.2017, Bayern, München: Die Schauspielerin Luise Kinseher spricht als Bavaria bei der Fastenpredigt beim traditionellen «Politiker-Derblecken» am Münchner Nockherberg. Am 28.02.2018 findet der Starkbieranstich 2018 statt. Foto: Tobias Hase/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
10 Bilder
Die Festredner vom Starkbieranstich auf dem Nockherberg
Foto: Tobias Hase

Vielleicht hat sich die Rede seit Mittwoch nochmals verändert. Denn am Mittwoch baldowern die Ministerpräsidenten der Länder zusammen mit der Bundeskanzlerin aus, wie es mit den Corona-Regeln in den nächsten Wochen weitergehen wird. Was dem Satiriker neue Munition liefern dürfte. Maxi Schafroth rechnete zuvor jedenfalls mit zusätzlicher Arbeit: „Es wird wohl noch die eine oder andere Nachtschicht geben.“

Das Derblecken überträgt das BR Fernsehen live am Freitag, 5. März, ab 20.15 Uhr und per Livestream in der Mediathek des Senders. Auch im Hörfunk (bei Bayern 2 und BR Heimat) kann man die Fastenrede von Maximilian Schafroth live miterleben.

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Die Diskussion ist geschlossen.

04.03.2021

Eine schwierige Aufgabe für Unterallgäuer Kabarettist Maxi Schafroth. Bravo, dass er den Mut hat diese Verantwortung zu übernehmen. Toi, toi, toi

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04.03.2021

Was bleibt ihm denn anderes übrig? Er muß gute Miene zum bösen Spiel machen. Jedes Event, das üblicherweise vor Publikum stattfindet, ob kulturell, sportlich ..., ist eben nur ein müder Abklatsch.

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