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Politik-Experte über Markus Söder: „Mehr Seriosität halte ich für sehr angebracht“

Sonntagsfrage

„Gespräche über die Brandmauer sind hinfällig“: Wie die CSU mit der „radikalen“ AfD umgehen sollte

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    Wie erhellend sind die derzeitigen Umfragewerte für Ministerpräsident Markus Söder und seine CSU?
    Wie erhellend sind die derzeitigen Umfragewerte für Ministerpräsident Markus Söder und seine CSU? Foto: Sven Hoppe, dpa

    Markus Söder dürften Umfragen derzeit wenig Freude bereiten. Das gilt sowohl auf Bundesebene, wo die AfD bei mehreren Instituten derzeit vor der Union liegt, als auch daheim, in Bayern. 37 Prozent der Menschen im Freistaat würden ihr Kreuz bei der CSU machen, wenn am Sonntag Landtagswahl wäre. Der Vorsprung auf die AfD beträgt solide 18 Prozentpunkte. Ein genauerer Blick in die Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Civey, mit dem unsere Redaktion regelmäßig die politische Stimmung in Bayern untersucht, lässt jedoch gleich mehrere Warnsignale für Söder und seine Partei erkennen.

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    Die CSU bleibt stärkste Kraft in Bayern, aber...

    Dass die CSU in Bayern stärkste Kraft ist und bleibt, daran zweifelt niemand. Zufriedenheit dürften die besagten 37 Prozent, bei denen die Christsozialen laut Civey-Umfrage derzeit stehen, jedoch kaum auslösen. Schwächer war die Partei von Markus Söder zuletzt im September 2025. Zeiten, als die absolute Mehrheit erreicht wurde oder zumindest in greifbarer Nähe schien, sind vorbei. Die CSU ist auf Koalitionspartner angewiesen. Die Verbindung mit den Freien Wählern – der natürlichen, weil konservativen Option – wirkt wie eine Zweckgemeinschaft. Eine Koalition mit der AfD ist aus demokratischen Gründen ausgeschlossen. Die Option mit den Grünen scheidet aus söderschen Gründen aus. Und mit der SPD reicht es sowieso nicht für eine Mehrheit.

    Politik-Professor Lars Rensmann von der Uni Passau sieht die CSU dennoch in einer komfortablen Situation: „Die CSU steht sehr stabil da – und das ist in Zeiten einer Erosion der politischen Mitte erst einmal eine Leistung.“ Auch wenn die Freien Wähler als Koalitionspartner wenig verlässlich seien, könne sich Söder jederzeit den Grünen zuwenden. „Selbst wenn man dadurch einige Wähler nach rechts verliert, könnte ein solches Bündnis die politische Mitte stärken“, sagt Rensmann.

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    Die AfD hat sich in Bayern etabliert

    Lange Zeit konkurrierte die Bayern-AfD in Umfragen mit Grünen und Freien Wählern um den zweiten Platz im Freistaat. Noch bis in den März 2025 hinein lag die Rechtsaußen-Partei bei etwa 15 Prozent und damit deutlich schwächer als in anderen Bundesländern. Doch dann legte die AfD auch in Bayern in Umfragen deutlich zu. Im August vergangenen Jahres stand sie in den Daten des Meinungsforschungsinstituts Civey bei 24 Prozent, ihrem vorläufigen Höchstwert. Zwar rutschte sie rund um die Kommunalwahl in Bayern wieder ab und verstrickte sich wie so oft in Streitereien und Skandale. Doch wer geglaubt hatte, dass der Aufstieg der AfD erst einmal gestoppt ist, sieht sich jetzt getäuscht: In der jüngsten Umfrage strebt die Partei wieder in Richtung der 20 Prozent – und das, obwohl aktuelle Themen wie Wirtschaft und internationale Politik nicht die klassische AfD-Klientel bedienen.

    Was bedeutet das für den Umgang mit der Partei? „Die AfD wird überall stärker. In Bayern hat sie die Freien Wähler bereits deutlich überholt.“ Über den Umgang entscheide letztlich die AfD selbst, prognostiziert der Experte. Denn im Unterschied zu einigen anderen radikal rechten Parteien in Europa habe sich die AfD bislang nicht gemäßigt, sondern weiter radikalisiert – und ist dabei stärker geworden, auch im Westen Deutschlands. „Aus politikwissenschaftlicher Sicht kann die AfD als rechtsextrem klassifiziert werden. Auch die Bayern-AfD ist eine durchaus sehr radikale Partei. Solange das so ist, sind Gespräche über die Brandmauer hinfällig. Als Partei der extremen Rechten kann sie nicht in Regierungsverantwortung genommen werden. So etwas würde übrigens auch die Union zerstören.“

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    Ministerpräsident Markus Söder steckt im Umfragetief – und ändert seine Strategie

    Markus Söder steckt im Stimmungstief. Seit März liegt der Anteil der Unzufriedenen mit der Arbeit Söders über dem der Zufriedenen. Im Mai geben 49 Prozent der Bayerinnen und Bayern an, dass der Ministerpräsident keinen guten Job macht. Ein Drittel ist gar „sehr unzufrieden“ mit seinem Wirken. Auf der Gegenseite stehen lediglich 38 Prozent. Die historisch guten Zustimmungswerte für den Krisen-Manager Söder während der Hochphase der Corona-Pandemie (71 Prozent) haben sich damit fast halbiert. Und auch außerhalb Bayerns kommen andere Politiker besser an als der Franke. Im aktuellen ZDF-Politbarometer liegt Söder auf der Beliebtheitsskala im Minusbereich, nur knapp vor Linken-Chefin Heidi Reichinnek.

    Auffällig ist, dass Söder zuletzt wieder einmal seine Strategie geändert hat und jetzt etwa weniger Essensbilder in den Sozialen Medien postet. Politik-Experte Rensmann glaubt, dass der Strategie-Wechsel aufgehen könnte: „Mehr Seriosität in Zeiten mit heftigen ökonomischen Herausforderungen halte ich für sehr angebracht. Jetzt gilt es, politisch zu liefern.“ Und diese Erfolge dann auch gut zu kommunizieren. Die Entlastungsprämie etwa, an der Söder durch die Regierungsverantwortung mitbeteiligt war, wurde zum „Rohrkrepierer“, kritisiert Rensmann. Vertrauen in die Volksparteien lässt sich damit nicht zurückgewinnen.

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