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  3. Safer Internet Day: Der Umgangston im Internet wird aggressiver

Safer Internet Day
10.02.2015

Der Umgangston im Internet wird aggressiver

Vor allem Frauen bekommen den rauen Umgangston im Internet immer häufiger zu spüren.
Foto:  Oliver Berg (dpa)

Der Umgangston im Internet wird rauer und aggressiver. Vor allem Frauen, die im weltweiten Netz ihre Meinung sagen, bekommen das vermehrt zu spüren.

Als Politikerin braucht man eine dicke Haut, das war schon immer so. Aber das, was ihr da Ende Januar im Internet entgegenschlug, hatte eine neue Qualität. „Es ist erschreckend für mich, welchen inneren Hass manche Menschen in sich tragen”, sagte die Nürnberger CSU-Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl nach den Online-Verbalattacken, die durch ein Foto von ihrem jüngsten Iran-Besuch aufgeflammt ist. Sie war zusammen mit der Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) nach Teheran gereist, um sich für den inhaftierten Nürnberger Menschenrechts-Preisträger Abdolfattah Soltani einzusetzen.

Auf dem Bild sind die beiden Politikerinnen mit Kopftuch zu sehen. Das brachte Wöhrl und Roth üble Beschimpfungen im Internet ein. Fast 1000 Kommentare dazu gab es allein auf Wöhrls Facebook-Seite – und nicht wenige gingen unter die Gürtellinie, waren sexistisch oder frauenfeindlich. Internetnutzer „Rainer Hackius“ etwa beschimpft die beiden als „Muselmatrazen“. „Jonas Kawalek“ und „Markus Page“ schreien „STEINIGEN!!!“ und bekommen dafür fünf „Gefällt mir“. „Dor Ni“ fordert: „Auspeitschen…“ Manche Beiträge sind so menschenverachtend, dass man sie nicht wiedergeben möchten. Dagmar Wöhrl ist entsetzt: „Wenn Menschen mir wünschen, dass ich geköpft, massenvergewaltigt oder ausgepeitscht werden solle, dann ist das keine freie Meinungsäußerung, dann bewegen wir uns im strafrechtlichen Bereich.”

Solche Attacken sind Gift für die Psyche

Dass der Ton im Internet rauer und aggressiver wird, bekommen Politiker und Journalisten seit längerem zu spüren. In E-Mails, sozialen Netzwerke und auch in Leserbriefen hat sich die Ausdrucksweise bei Beschimpfungen geändert. Und auch die schiere Anzahl. In Zeiten des Web 2.0 fühlen sich mehr Menschen bemüßigt, ihren Senf öffentlich abzugeben. Kein Wunder, dass am heutigen internationalen Aktionstag „Safer Internet Day“ (Sicherer Internet Tag) der Fokus auf der Ethik im Netz liegt.

Ob sich generell der Umgangston ändert oder durch die neuen Medien einfach unflätige Schreihälse vermehrt wahrgenommen werden, da sind sich Medienpsychologen nicht sicher. Klar ist allerdings, dass die Anonymität und der Übertragungsweg eine große Rolle bei den Beschimpfungen spielen. Wer keinen Namen hat, fühlt sich sicher vor Verfolgung und schimpft hemmungsloser. Wer mit einem Computer kommuniziert und wutentbrannt in die Tastatur haut, vergisst mitunter, dass ein realer Mensch mit Gefühlen die Botschaft empfängt. Es sei denn, er will gezielt Dampf ablassen, verletzten, Macht zeigen.

In Südkorea nahm die Zahl der Suizide durch Cyber-Mobbing zu

Wie massive Internethetze sich auf eine ganze Gesellschaft auswirken kann, hat Südkorea erfahren. Das Land gehört zu den technologisch höchst entwickelten der Welt. Mit der Zahl der Computer nahmen auch die durch Cyber-Mobbing ausgelösten Suizide rasant zu. Bösartige Online-Kommentare wirken auf die Psyche so zersetzend wie Gift, sagt der koreanische Psychologe Whang Sang Min.

Gewaltandrohungen, schlimmste Beleidigungen, oft mit nationalsozialistischem und sexistischem Hintergrund, begegneten einem auch hierzulande im Netz „inzwischen leider täglich“, hat Claudia Roth festgestellt. „Das ist nicht nur für die Betroffenen besorgniserregend, sondern es vergiftet auch das Klima in unserem Land“, sagt die Politikerin. Sie habe den Eindruck, dass die Brutalität der Aussagen und die Intoleranz zunehme. Inzwischen würden Beleidigungen sogar mit Klarnamen abgeschickt, das habe es früher nicht gegeben. „Gerade bei direkten Zuschriften per Mail habe ich den Eindruck, dass mit Pegida auch die letzten Hemmungen verschwunden sind.“ Noch einen „furchtbaren Befund im Jahr 2015“ hat sie ausgemacht: Frauen seien nirgends gegen die „Sexismus-Keule“ gefeit.

Journalistin Penny schrieb ein Essay zum Thema "Cybersexism"

Diese Erfahrung hat auch die britische Journalistin Carolin Criado-Perez gemacht. Sie forderte, dass wieder eine Frau auf einer der Pfund-Noten zu sehen ist. Über den Kurznachrichtendienst Twitter bekam sie daraufhin Mord- oder Massenvergewaltigungsdrohungen zugeschickt. Oder die deutsche Bloggerin Anne Wizorek, die nach dem Fall Brüderle über Twitter Frauen aufforderte, Sexismus zu melden und für ihre Aufschrei-Kampagne den Grimme-Preis erhielt: Aus dem Internet bekam sie Drohungen und Beleidigungen zugesandt.

Die britische Journalistin Laurie Penny, für die solche Bedrohungen inzwischen zum Alltag gehören, hat sich in ihrem Essay „Cybersexism: Sex, Gender and Power on the Internet“ (Cybersexismus: Sex, Geschlecht und Macht im Internet) mit diesem Phänomen „epidemischer Ausmaße“ auseinandergesetzt. Ihre These: Durch diese Attacken sollen Frauen im Internet eingeschüchtert und mundtot gemacht werden. Das weltweite Netz sei männerdominiert, und einige unter ihnen – nicht alle! – seien nur bereit, Frauen anzusehen, nicht aber sie anzuhören. Durch das Internet hätten sie ein Werkzeug, Frauen anzugehen.

„Manche Männer meinen, dass sie klüger sind“

Diese These unterstützt auch eine süddeutsche Forumsmoderatorin, die froh ist, nicht mit ihrem Klarnamen agieren zu müssen: „Die Leute haben keine Hemmschwelle mehr.“ Manche Männer könnten nicht die „bösen Frauen“ von den „guten Frauen“ im Internet unterscheiden, die Sexanbieterinnen von den Bloggerinnen. Um anerkannt zu werden, müsse eine Frau in einem Forum mehr leisten als ein Mann. „Manche Männer meinen, dass sie klüger sind“, sagt die Moderatorin. Um erst genommen und nicht sexistisch angefeindet zu werden, würden sich einige Frauen in Online-Foren daher männliche oder neutrale Nutzernamen geben und sich erst „outen“, wenn sie sich den Respekt erarbeitet hätten.

Was tun? Claudia Roth geht gegen übelste Beschimpfungen strafrechtlich vor. Criado-Perez hat die Hasstiraden veröffentlicht und damit Hetzer mundtot gemacht. Laurie Penny setzt auch auf die „Guten“ im Internet, die zur Hilfe eilen und die „Bösen“ attackieren. Im Fall Wöhrl waren sie noch in der Minderheit – aber umso entsetzter vom Umgangston. „Sachliche Kommentare werden häufig niedergequatscht“, hat die Forumsmoderatorin festgestellt. In Südkorea wurde ein Anti-Cyber-Mobbing-Gesetz eingeführt, an Schulen eine „Seid-nett-zueinander-Kampagne“ initiiert. Zum „Safer Internet Day“ hat die EU-Initiative klicksafe.de nun zusammen mit dem Institut für digitale Ethik einen „Werte-Navi für das digitale Leben“ als Unterrichtsmodul für Schulen erarbeitet.

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