Bahn- und Busfahrer im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) haben einen verantwortungsvollen Job – schließlich müssen sie täglich Tausende Menschen sicher von A nach B bringen. Die Arbeitsbedingungen in diesem Berufszweig können allerdings zur Herausforderung werden: Unregelmäßige Arbeitszeiten im Schichtdienst, Stress im Straßenverkehr, fehlendes Personal und ein geringer Verdienst zählen laut einer Umfrage des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen von 2025 zu den größten Problemen von Bus- und Bahnfahrern im ÖPNV.
Um die Situation für die Beschäftigten im Nahverkehr zu verbessern, ruft die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag, 19. März 2026, in mehreren deutschen Bundesländern erneut zum Streik auf. Wo die Busse und Straßenbahnen an diesem Tag stillstehen, welche Forderungen Verdi stellt und wie es aktuell um das Gehalt des Fahrpersonals im ÖPNV steht, lesen Sie hier.
Verdi-Streik im ÖPNV: Wo und wann wird gestreikt?
Der Verdi-Streik im kommunalen Nahverkehr geht in die nächste Runde. Bereits im Februar 2026 legte das Fahrpersonal im ÖPNV an mehreren Tagen vielerorts in Deutschland die Arbeit nieder, wie unter anderem die Tagesschau berichtete. Da sich die Gewerkschaft in den Verhandlungen der laufenden Tarifrunde bislang nicht mit allen kommunalen Arbeitgebern einigen konnte, hat Verdi nun erneut zum Streik aufgerufen. In einer Pressemitteilung kündigte Verdi an, dass der ÖPNV in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hamburg am 19. März 2026 vollständig zum Erliegen kommen wird.
Zunächst hatte Verdi angekündigt, den Arbeitskampf womöglich auch auf Hessen, Brandenburg, Bremen und das Saarland auszuweiten. Laut einem Bericht von ZDF heute konnte der Streik in diesen Bundesländern jedoch inzwischen abgewendet werden. In Hessen einigten sich Verdi und die kommunalen Arbeitgeber im Tarifstreit auf einen Kompromiss. In Bremen wolle man vorerst weitere Verhandlungen abwarten.
Betroffen sind laut Verdi ausschließlich die kommunalen Verkehrsbetriebe, das heißt: Busse, Trams und U-Bahnen, die von städtischen Verkehrsgesellschaften oder Stadtwerken betrieben werden. Die S-Bahnen und Regionalzüge der Deutschen Bahn verkehren dagegen nach regulärem Fahrplan – ebenso wie private Busbetreiber und Bahngesellschaften, stellt die Süddeutsche Zeitung klar. ÖPNV-Nutzerinnen und -Nutzer sollten sich am besten vorab bei den jeweiligen Verkehrsbetrieben vor Ort informieren, welche Verkehrsmittel und Verbindungen bestreikt werden.
Streik im Nahverkehr: Was fordert Verdi für Bus- und Bahnfahrer?
In der aktuellen bundesweiten Tarifrunde stehen insbesondere die Arbeitsbedingungen in den kommunalen Nahverkehrsbetrieben im Fokus, wie Verdi mitteilt. Dabei stellt die Gewerkschaft aufgrund der unterschiedlichen Tarifverträge für jedes Bundesland jeweils eigene Forderungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
Unter anderem gehe es um „die Verkürzung der Wochenarbeitszeit und der Schichtzeiten, die Verlängerung der Ruhezeiten, aber auch höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende“, heißt es in der von Verdi veröffentlichten Pressemitteilung. Auf diese Weise wolle man die knapp 100.000 deutschlandweit im ÖPNV Beschäftigten entlasten, dadurch die Nahverkehrsbetriebe als Arbeitgeber langfristig attraktiver gestalten und den Fachkräftemangel aufhalten.
Neben der Verbesserung der Arbeitsbedingungen wird in einigen Bundesländern aber auch um die Vergütung der Bus- und Bahnfahrer gestritten. So will Verdi nach eigenen Angaben in Bayern, Brandenburg, Thüringen, im Saarland und bei der Hamburger Hochbahn höhere Gehälter für die Beschäftigten aushandeln. In Bayern fordert die Gewerkschaft in der laufenden Tarifrunde beispielsweise eine einheitliche Lohnerhöhung um knapp 670 Euro pro Monat bei einer 35-Stunden-Woche. Die Arbeitgeber bieten bislang nur 110 Euro mehr. Doch wie viel verdienen Bus- und Bahnfahrer im ÖPNV aktuell?
Gehalt im ÖPNV: Wie viel verdienen Bus- und Bahnfahrer?
Im Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit werden Busfahrer und Schienenfahrzeugführer im ÖPNV mit demselben Verdienst gelistet. Zwischen den beiden Verkehrsmitteln bestehen also keine Lohndifferenzen für die Fahrer. Das mittlere Bruttomonatsgehalt für eine Vollzeitstelle liegt in dieser Berufsgruppe deutschlandweit bei 3522 Euro. Ein Viertel der Bus- und Bahnfahrer verdient lediglich 3.190 Euro oder weniger, während sich weitere 25 Prozent über ein Gehalt von 3926 Euro oder mehr freuen dürfen.
Wie in den meisten anderen Berufen zeichnet sich auch beim Fahrpersonal im ÖPNV eine Verdienstlücke zwischen den Geschlechtern ab: Laut dem Entgeltatlas liegt das Medianeinkommen von Bus- und Straßenbahnfahrerinnen 137 Euro unter dem ihrer männlichen Kollegen. Demnach verdienen Frauen im Mittel 3398 Euro pro Monat, Männer hingegen 3535 Euro.
Zudem bestehen in Deutschland erhebliche regionale Gehaltsunterschiede bei Bus- und Straßenbahnfahrern. Wer in Baden-Württemberg angestellt ist, kann mit einem monatlichen Bruttolohn von 3887 Euro rechnen, während in Brandenburg lediglich 3111 Euro gezahlt werden. Im Folgenden sind die im Entgeltatlas vermerkten Gehälter nach Bundesländern aufgelistet:
| Bundesland | Monatliches Medianbruttogehalt |
|---|---|
| Baden-Württemberg | 3997 Euro |
| Hamburg | 3723 Euro |
| Bayern | 3612 Euro |
| Thüringen | 3573 Euro |
| Hessen | 3553 Euro |
| Nordrhein-Westfalen | 3543 Euro |
| Saarland | 3466 Euro |
| Schleswig-Holstein | 3445 Euro |
| Berlin | 3408 Euro |
| Bremen | 3404 Euro |
| Rheinland-Pfalz | 3400 Euro |
| Mecklenburg-Vorpommern | 3383 Euro |
| Niedersachsen | 3381 Euro |
| Sachsen-Anhalt | 3366 Euro |
| Sachsen | 3293 Euro |
| Brandenburg | 3111 Euro |
Übrigens: Im Mai 2026 stehen für Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst Gehaltserhöhungen an. Laut einem Wirtschaftsexperten könnten Gehälter in Deutschland allerdings schon bald weniger wert sein, sollte sich die Bundesregierung dazu entscheiden, die Mehrwertsteuer anzuheben.
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