Für viele Krankheiten – zum Beispiel Diabetes-Typ-2 oder auch Bluthochdruck sowie andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen – ist ein zu hohes Körpergewicht ein wichtiger Risikofaktor. Sich regelmäßig zu wiegen, kann daher sinnvoll sein. Sollten Frauen sich während ihrer Periode aber eigentlich auf die Waage stellen? Immerhin kann sich der weibliche Zyklus je nach Phase auf viele verschiedene Lebensbereiche auswirken – Sport, Psyche, Leistungsfähigkeit und eben auch das Gewicht.
Periode: Warum nimmt man in dieser Zyklusphase zu?
Der Zyklus einer Frau dauert laut dem Medizinlexikon MSD Manual etwa 24 bis 38 Tage und beschreibt einen Kreislauf aus regelmäßig wiederkehrenden Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut und der Reifung einer Eizelle im Eierstock. Dabei durchläuft der weibliche Körper vier Phasen: die Menstruationsphase als Teil der Follikelphase, die Ovulationsphase und die Lutealphase.
Jeder Zyklus beginnt mit dem ersten Tag einer Periode, also mit der Menstruationsphase, und genau über diesem Zeitpunkt berichten viele Frauen. Demnach ergab eine im Jahr 2023 im American Journal of Human Biology veröffentlichte Studie zu Gewichtsveränderungen im Zyklus, dass sich viele Frauen aufgebläht fühlen – umgangssprachlich ist auch von ‚Bloating‘ die Rede. Ursächlich können Flüssigkeitsansammlungen sein, die den Studienautoren zufolge hauptsächlich in der ersten Phase der Menstruation auftreten und im Zusammenhang mit den Hormonen Östrogen und Progesteron stehen. Wer dann auf die Waage steigt, sieht womöglich ein höheres Körpergewicht als vor der Periode. Die Gewichtszunahme ist allerdings nicht auf Fett, sondern eher auf Wasser zurückzuführen.
Diese Einschätzung teilt auch die US-amerikanische Cleveland Clinic: „Die meisten Frauen nehmen während ihres Zyklus etwas an Gewicht zu oder bemerken Gewichtsschwankungen“, sagt Gynäkologin Alison Stalzer. Derartige zyklusbedingte Gewichtsschwankungen könnten auf den Anstieg von Progesteron nach dem Eisprung zurückzuführen sein. „Wenn der Progesteronspiegel hoch ist, neigt der Körper möglicherweise eher dazu, Gewicht zu halten“, sagt Stalzer. Zudem führt ein erhöhter Progesteronspiegel dazu, dass der Körper leichter Wasser einlagert. Nach dem Beginn der Periode sinkt das Hormonlevel wieder ab – und kann im Umkehrschluss auch zu einer erneuten Gewichtsveränderung führen.
Gewichtszunahme während der Periode: Was ist normal?
In Wissenschaftskreisen wird der Zyklus-Studie zufolge angenommen, dass der weibliche Zyklus einen wesentlichen Faktor für kleinere Gewichtsschwankungen bei Frauen darstellt. Eine standardisierte Methodik gibt es bisher aber nicht, weshalb unterschiedliche Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
In der aktuellen Studie wurden bei 42 Frauen im Alter von durchschnittlich 24,8 Jahren und einem BMI von 22 während ihres Menstruationszyklus zweimal pro Woche Messungen des Körpergewichts, der Körperumfänge, der Hautfalten und der Körperzusammensetzung durchgeführt. Das Ergebnis: Während der Menstruation war das Körpergewicht der Studienteilnehmerinnen im Schnitt um rund 0,5 Kilogramm höher als in den anderen Zyklusphasen. Zurückzuführen sei das auf einen Anstieg des extrazellulären Wassers im Körper. Weitere signifikante Veränderungen in der Körperzusammensetzung konnten der Studie zufolge nicht festgestellt werden.
Von den insgesamt 58 Studienteilnehmerinnen wurden allerdings 16 Frauen von der Studie ausgeschlossen, da sie Medikamente einnahmen, die den Menstruationszyklus oder den Flüssigkeitshaushalt des Körpers beeinflussen könnten. Ob die Studienergebnisse also auf Frauen, die zum Beispiel die Pille nehmen, übertragbar sind, ist fraglich.
Von deutlich größeren Gewichtsschwankungen berichtet die London Obesity Clinic aus der Praxis. Demnach könnten Frauen vor und während der Periode zwischen 0,5 und 2,2 Kilogramm, in manchen Fällen sogar bis zu fünf Kilogramm zunehmen. Ab einer Gewichtszunahme von vier Kilogramm und wenn das Gewicht nach der Periode nicht mehr sinkt, sollten betroffene Frauen sich allerdings an ihre Ärztin oder ihren Arzt wenden. Solche größeren Gewichtsschwankungen könnten der Klinik zufolge darauf zurückzuführen sein, dass der erhöhte Progesteronspiegel während der Lutealphase den Appetit anregt und zu Heißhunger auf Kohlenhydrate und zuckerhaltige Lebensmittel führen kann.
Ist es sinnvoll, sich während der Periode zu wiegen?
In einer Diät kann es sinnvoll sein, sich regelmäßig zu wiegen. Laut dem Medizin- und Gesundheitsportal medicinenet.com haben Studien sogar gezeigt, dass übergewichtige Erwachsene, die sich regelmäßig auf eine Waage stellen und so ihr Gewicht im Blick behalten, erfolgreicher Gewicht verlieren als Betroffene, die sich weniger häufig wiegen. Das lege nahe, dass tägliche Messungen zumindest für manche Menschen sinnvoll sein können. Weil Gewichtsschwankungen jedoch normal sind, könnte eine an manchen Tagen höhere Zahl auf der Waage auch entmutigend wirken.
Genau dazu könnte es während der Periode kommen. In dieser Zyklusphase ist nämlich damit zu rechnen, dass das angezeigte Gewicht plötzlich höher ist – etwa aufgrund von Wassereinlagerungen. Solche monatlichen Schwankungen sind normal und kein Indiz für eine gescheiterte Diät oder plötzliche Gewichtszunahme. Um Verwirrung und unnötige Ängste zu vermeiden, rät medicinenet.com deshalb davon ab, sich in dieser Zeit auf die Waage zu stellen.
Hierbei handelt es sich allerdings nur um eine Empfehlung. Wenn Frauen sich darüber bewusst sind, dass ihr Gewicht kurz vor und während der Periode möglicherweise höher ist, kann es für sie sinnvoll sein, sich auch in dieser Zyklusphase zu wiegen.
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