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Drosten: Milder verlaufende Omikron-Variante macht Hoffnung auf Leben wie vor der Pandemie
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Corona-Pandemie
28.11.2021

Neue Corona-Variante: Was bisher über Omikron bekannt ist

Die neue Coronavirus-Variante Omikron ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen.
Foto: Pavlo Gonchar, dpa

Seit einigen Tagen ist eine neue Variante des Coronavirus bekannt. Mittlerweile ist sie auch in Deutschland angekommen. Was bisher über die Mutation bekannt ist.

Wo wurde die neue Virus-Variante entdeckt?

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde die neue Corona-Variante B.1.1.529 mittels einer genetischen Analyse, die vom 9. November stammt, in Südafrika entdeckt.

Was ist an der Omikron-Variante besonders?

Die Variante hat Mutationen an mehreren entscheidenden Stellen des Virus. Sie betreffen zum einen das Spike-Protein, über das die Viren an menschliche Zellen andocken. Gegen das Spike-Protein bildet der Körper bei einer Ansteckung mit dem Virus Antikörper. Auch viele der Impfstoffe regen das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern gegen dieses Protein an. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC spricht von ernsthaften Sorgen, dass die Variante namens Omikron die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe erheblich verringern und das Risiko von Reinfektionen erhöhen könnte.

Als "besorgniserregend" hat auch die Weltgesundheitsorganisation WHO die Variante eingeschätzt. Diese Klassifizierung ist laut WHO-Definition ein Signal, dass eine Variante ansteckender ist oder zu schwereren Krankheitsverläufen führt. Außerdem besteht bei "besorgniserregenden Varianten" die Gefahr, dass herkömmliche Impfungen, Medikamente oder Corona-Maßnahmen weniger wirksam sind.

Hilft die Impfung auch gegen die Omikron-Variante?

Die Münchner Virologin Ulrike Protzer sagte am Samstag im Deutschlandfunk, es sei möglich, dass Antikörper das Virus nicht mehr so effizient neutralisieren können. Frisch nach einer Impfung gebe es aber viele Antikörper – das reiche dann aus, um auch Varianten "wegzuneutralisieren". Wenn die Impfung eine Weile her sei,  könnten Auffrischungsimpfungen das Immunsystem "hochpushen". "Und dann, davon gehen wir alle aus, sollte das wieder ausreichen", sagte Protzer. Sie riet zugleich dazu, Booster-Impfungen mit den jetzt verfügbaren Impfstoffen vorzunehmen.

Ob man später eine weitere Impfung brauche oder einen angepassten Impfstoff, könne man jetzt noch nicht sagen. Auch der Entwickler des Astrazeneca-Impfstoffs, Andrew Pollard, geht nicht von einem dramatischen Neuanfang der Pandemie durch die neue Variante aus. Man müsse einige Wochen warten, es gebe jedoch Anlass zur Hoffnung, dass die Impfstoffe gegen schwere Erkrankungen weiterhin wirken würden, sagte der Immunologe am Samstag in einem BBC-Interview.

Er zeigte sich außerdem zuversichtlich, dass die Impfstoffe zeitnah auf die neue Variante hin angepasst werden könnten. Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, betonte bei einem virtuellen Bürgerdialog am Samstag in Berlin: "Alle Menschen, die sich impfen lassen, fangen nicht bei null an, wenn sie sich mit einer neuen Variante infiziert haben."

Wie verläuft die Krankheit bei Infizierten?

"Für eine veränderte Krankheitsschwere gibt es derzeit keine Hinweise", sagt Christian Drosten, Leiter der Virologie in der Berliner Charité. Nach Angaben der Mediziner-Vereinigung in Südafrika (SAMA) sind die bislang mit der neuen Coronavirus-Variante Omikron infizierten Menschen bislang nicht schwer erkrankt. Die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, Angélique Coetzee, sagte der BBC, dass die bisher in ihrem Land festgestellten Fälle nicht schwerwiegend seien.

Allerdings stehen die Analysen dazu noch am Anfang, Südafrika hat zudem andere Grundvoraussetzungen - etwa eine andere Altersstruktur - als Länder wie Deutschland. Hinzu kommt, dass sich in Südafrika großteils Menschen infizierten, die schon von einer anderen Variante genesen waren, also schon einen gewissen Immunschutz haben. 

"Die Patienten klagen meist über einen schmerzenden Körper und Müdigkeit, extreme Müdigkeit, und wir sehen es bei der jüngeren Generation, nicht bei den älteren Menschen", sagte Angélique Coetzee über die Symptome der Infizierten. Es handele sich nicht um Patienten, die direkt in ein Krankenhaus eingeliefert würden.

Dem Telegraph sagte sie, man müsse sich aber Sorgen machen, dass die neue Variante ältere Menschen, die zusätzlich an Diabetes oder Herzkrankheiten litten, viel härter treffen könnte. Sie fügte hinzu, die Symptome der neuen Variante seien zwar ungewöhnlich, aber mild. Sie sei zum ersten Mal auf die Möglichkeit einer neuen Variante aufmerksam gemacht worden, als Anfang November Patienten mit ungewöhnlichen Covid-19-Symptomen in ihre Praxis in Pretoria gekommen seien. Sie hätten unter starker Müdigkeit gelitten. Keiner von ihnen habe einen Geschmacks- oder Geruchsverlust beklagt. "Ihre Symptome waren so anders und milder als die, die ich zuvor behandelt hatte". Coetzee war den Angaben zufolge die erste südafrikanische Ärztin, die die Behörden am 18. November auf Patienten mit einer neuen Variante aufmerksam gemacht hatte.

Wie geht es jetzt weiter?

Bisher ist noch vieles unklar, was die neue Coronavirus-Variante Omikron betrifft. Der Mainzer Impfstoffhersteller Biontech schaut sich die im südlichen Afrika festgestellte neue Variante des Coronavirus in Tests an und rechnet spätestens in zwei Wochen mit Erkenntnissen.

Nun hat Deutschland vorerst Reisebeschränkungen für die Länder Südafrika, Namibia, Simbabwe, Botsuana, Mosambik, Eswatini, Malawi und Lesotho verhängt. Fluggesellschaften dürfen damit im Wesentlichen nur noch deutsche Staatsbürger oder in Deutschland lebende Personen von dort nach Deutschland befördern. Es handelt sich aber nicht um ein Flugverbot. Für Einreisende gilt eine zweiwöchige Quarantänepflicht - auch für Geimpfte und Genesene. Sie kann auch nicht durch negative Tests verkürzt werden. (mit dpa)

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