Nach dem 1:4-Debakel gegen den FSV Mainz 05 steht der FC Augsburg in der Fußball-Bundesliga unter Druck. Vor dem Duell beim 1. FC Heidenheim (Samstag, 15.30 Uhr, Sky) liegt das Team von Sandro Wagner mit drei Punkten in der Abstiegszone. Zwar hat das Klassement noch wenig Aussagekraft, aber drei Niederlagen in Serie dokumentieren einen Negativtrend. Wagner und seine Mannschaft befinden sich in einem Prozess, kurzfristig braucht der FCA aber positive Ergebnisse, um Ruhe im Klub zu haben.
Auf der Pressekonferenz vor der bedeutungsvollen Partie sprach Wagner über die Lehren aus dem Mainz-Spiel, mögliche Umstellungen im Kader und darüber, wie seine Mannschaft gegen den kampfstarken Aufsteiger auftreten muss, um zu gewinnen. Das sagte der 37-Jährige...
...zum 1:4-Debakel gegen Mainz:
Jedes Spiel versuchen wir aus verschiedensten Gesichtspunkten zu analysieren. Ich möchte nicht nur direkt von einer Seite analysieren, sondern auch verschiedene Meinungen hören. Wir haben jetzt vier Bundesligaspiele, ein DFB-Pokalspiel – und ich glaube, wir waren in jedem Spiel richtig gut. Fußball ist ein Fehlersport – individuelle Fehler passieren.Wir haben versucht, Themen zu teilen: Was war der taktische Plan? Was war die Realität? Was machen Gegentore mit uns? Was macht Euphorie, die wir uns vornehmen? Gibt es einen Anker, an dem man sich festhält? Diese Woche hat echt Spaß gemacht und war ein wichtiges Erlebnis für uns als Gruppe. Für mich als Trainer habe ich echt viel gelernt. Das mag sich blöd anhören, aber die Tage waren echt geil.
...zu seinem persönlichen Umgang mit der Niederlage:
Ich bin vor ein paar Jahren in diesen Beruf gestartet und jetzt ins höchste Level als Trainer gegangen. Wenn man das als Computerspiel sieht, habe ich Spielerdasein, Expertendasein, Kommentatorenrolle, Co-Trainerrolle und Aufstieg in Ligen durchgespielt. Jetzt komme ich in ein neues Level, das nicht einfach ist, und möchte es durchspielen. Ich hätte gerne alle Spiele gewonnen – auch da wäre ich jetzt nicht der Coolste. Ich werde nicht cooler durch einen Bundesliga-Sieg – Erfolg macht mich demütiger. In der Niederlage versuche ich ruhig zu bleiben und im Inhalt zu bleiben. Ich habe erfahrene Trainer gefragt, was man machen kann, wenn es nicht so läuft. Eine Meinung ist: ruhig bleiben und das beeinflussen, was man beeinflussen kann. Ich strukturiere die Woche und versuche gute Energie zu geben.
...zur Verletzung von Kapitän Jeffrey Gouweleeuw:
Für mich ist er ein wichtiger Ansprechpartner – nicht umsonst ist er Kapitän, ich habe ihn gezielt dafür ausgewählt. Verletzungen gehören zum Sport, jetzt müssen wir schauen, dass er so schnell wie möglich zurückkommt. Sein tägliches Dabeisein gibt uns Halt und Sicherheit. Wir haben viele gute Jungs in der hinteren Kette. Taktisch ändert sich unsere Herangehensweise ohne Jeff nicht großartig. Inhaltlich wird die Position etwas anders ausgefüllt, weil der neue Spieler eine andere DNA mitbringt. Leadership und Führung müssen auf dem Platz andere übernehmen. Ich bin wirklich total happy mit unserem Kader – wir haben sehr viel Potenzial. Wenn ein wichtiger Spieler ausfällt, wissen wir trotzdem, wohin es geht – die Jungs haben seit Wochen ihre Chancen vorbereitet.
...zur Herangehensweise und Schlüssen nach dem Spiel gegen Mainz:
Wenn wir Spiele gewinnen, will ich nicht einfach locker flockig eine Woche laufen lassen. Wenn wir verlieren, ändere ich nicht alles. Wenn du verlierst, heißt das nicht, dass vorher alles schlecht war. Wir versuchen, uns immer im Inhalt zu bewegen. Der Inhalt ist richtig, wir brauchen einfach Zeit für die Entwicklung. Ich muss mir die Zeit nehmen, Dinge richtig umzusetzen, auch wenn ich gerne schnell handeln möchte. Fehlerkultur ist ein großes Wort, aber extrem wichtig. Vom Tennissport kann man lernen: nach jedem Fehler sofort weitermachen. Es ist okay, wenn man mal danebenliegt – wichtig ist, wie man mit Fehlern umgeht.
...zu Gegner 1. FC Heidenheim und dessen Trainer-Legende Frank Schmidt:
Wir haben das letzte Spiel in Heidenheim (0:4, d. R.) nicht thematisiert. Vergangene Erfahrungen helfen, sind aber nicht entscheidend für Samstag. Es ist gut, wenn Spieler schon in einem Stadion gespielt haben oder gegen diesen Gegner. Das hilft jetzt aber nicht unmittelbar für dieses Spiel. Es ist eine tolle Mannschaft, die sich von ganz unten nach ganz oben hochgearbeitet hat. Es ist total schwierig, dort zu bestehen. Die Spiele gegen Leipzig, Wolfsburg oder HSV waren sehr eng. Die Mannschaft hat wenig Punkte, sich aber sehr gut geschlagen. Das Stadion ist hitzig, klein, aber cool – ich habe nur Vorfreude auf das Spiel. Eine Legende auf der Trainerbank zu sehen und 90 Minuten auf einer Stufe zu stehen, ist eine coole Sache – ich freue mich total auf Samstag.
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