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Sportveranstaltungen in der Pandemie: Die Show geht weiter

Kommentar Von Andreas Kornes
07.01.2022

Ganze Mannschaften sind in Quarantäne, doch die anfängliche Bescheidenheit des Sports ist vorbei. Omikron hat den Sport an vielen Stellen zur Farce gemacht.

Die Corona-Pandemie wirkt wie ein gigantisches Brennglas und wirft ihr Licht auch in die dunkelsten Ecken unseres Zusammenlebens. Sie fördert zutage, was dort schon länger schlummert und sich nun den Weg ins Licht der öffentlichen Wahrnehmung bahnt. Das trifft, nicht zuletzt, auch auf den Sport zu. Unter der auf Hochglanz polierten Oberfläche ist dieser riesige Zirkus nichts anderes als ein Spiegelbild unserer Konsumgesellschaft. Die Show muss weiter gehen. Egal wie.

Olympische Sommerspiele: Hauptsache TV-Gelder

Die Olympischen Sommerspiele im vergangenen Jahr standen geradezu sinnbildlich dafür. Erst verschoben, dann durchgezogen. Ohne Zuschauerinnen und Zuschauer, dafür mit einem geradezu grotesken Kontrollaufwand für alle Beteiligten. Hauptsache die Sportlerinnen und Sportler liefern die Bilder, die den Fernsehsendern Milliarden wert sind. Geld, dass das Internationale Olympische Komitee dankend entgegen nahm.

 

Die hoch ansteckende Omikron-Variante des Coronavirus hat die Lage nun noch einmal deutlich verschärft. Denn natürlich ist es ein Nachteil für die Wertigkeit sportlichen Wettstreits, wenn die Besten oft gar nicht erst dabei sein können. Diese Erkenntnis reist momentan parallel mit Omikron kreuz und quer über den Globus. Kaum noch eine Liga, kaum noch eine Meisterschaft, an der tatsächlich alle Athletinnen und Athleten teilnehmen können. Vor allem in den Mannschaftssportarten reißt das Virus große Lücken. Dem FC Bayern München etwa steht in der Bundesliga nur noch ein Rumpfkader zur Verfügung, nachdem fast die halbe Mannschaft positiv getestet wurde. Im Eishockey sind gerade drei DEL-Teams komplett in Quarantäne. Die Handball-EM hat noch gar nicht begonnen und schon fehlen zahlreiche Spieler.

Wanzenverseuchte Hotelzimmer in China?

Diese Aufzählung ließe sich nahezu beliebig fortsetzen. Gleichzeitig steuert die Sportwelt auf das erste Großereignis des Jahres zu: die Olympischen Winterspiele in Peking. In einem Land also, das neben einer menschenverachtenden Politik gegen Minderheiten auch eine rigorose Null-Covid-Strategie fährt. Wegen einer Handvoll Fälle werden in China Millionenstädte abgeriegelt. Wer sich dort einen positiven Test einhandelt, dürfte schlechte Aussichten haben, was seine weitere Teilnahme an den Wettbewerben betrifft. Es kursieren Berichte über wanzenverseuchte Hotelzimmer, in die die infizierten Probanden gebracht werden.

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Viele Athletinnen und Athleten werden aber erst gar nicht anreisen, weil sie gerade schon andernorts in Quarantäne sitzen. Nun könnte man es wie die nordamerikanische Eishockey-Profiliga NHL handhaben und die Quarantäne einfach von zehn auf fünf Tage halbieren, um den Spielbetrieb einigermaßen am Laufen zu halten. Mit den Chinesen dürfte das aber nicht zu machen sein.

Die anfängliche Bescheidenheit des Sports ist vorbei

Trotzdem: Kurz nach den Sommer- werden nun auch die Winterspiele durchgeboxt. Längst vorbei ist es mit der anfänglichen Bescheidenheit des Sports. Unverhohlen fordern seine Protagonisten eine Sonderrolle ein. An dieser Stelle sei der Hinweis auf einen Tennisspieler erlaubt, der mit beeindruckender Selbstverständlichkeit demonstriert, dass für ihn nur seine eigenen Regeln gelten. Der mutmaßlich ungeimpfte Nowak Djokovic flog nach Australien, um dort am ersten Tennis-Grand-Slam des Jahres teilzunehmen. Die strengen Einreisekriterien des Gastgeberlandes scheinen ihn offenkundig nicht interessiert zu haben. Wird schon gut gehen. Prompt wurde eine Staatsaffäre draus.

Omikron hat den Sport an vielen Stellen zur Farce gemacht. Quasi übernacht verschwinden ganze Mannschaften in Quarantäne. Und am Ende gewinnt der, der ohne positiven Test durchgekommen ist.

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