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Augsburg

17.04.2019

Was der Premium-Aerotec-Chef jetzt plant

Thomas Ehm beteuert im Gespräch, dass es ihm um dem langfristigen Erhalt des Augsburger Luftfahrtwerkes von Premium Aerotec geht.
Bild: Michael Hochgemuth

Plus Thomas Ehm versucht, einen Stellenabbau in Augsburg zu begrenzen. Der 52-Jährige will den Standort langfristig erhalten. Das wird aber ohne einen Rückgang an Jobs nicht gehen.

Die Schockstarre löst sich langsam bei Premium Aerotec. Nachdem die Geschäftsführung am Donnerstag vergangener Woche bekannt gegeben hatte, dass mittelfristig bis zu 1100 von 3600 Arbeitsplätzen am Augsburger Standort gefährdet sind, laufen hinter den Kulissen Gespräche, wie der Wegfall von so vielen Stellen zumindest begrenzt werden kann. So will am heutigen Donnerstag Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger zu dem Airbus-Zulieferer nach Augsburg kommen, um sich über die Probleme des Unternehmens zu informieren. Der Politiker der Freien Wähler hatte noch am Tag, als die Nachricht über den möglichen drastischen Job-Abbau publik wurde, gegenüber dieser Redaktion die Hilfe der Staatsregierung in Aussicht gestellt.

Ehm: Enkel sollen auch den 200. Geburtstag des Standorts feiern können

Premium-Aerotec-Chef Thomas Ehm wirbt um Verständnis für die Ankündigung des Unternehmens, die er aber als "Worst-Case-Szenario" versteht. So sagte er am Mittwoch unserer Redaktion: "Wir blicken am Standort Augsburg auf über 100 Jahre Tradition zurück. Wenn wir jetzt erfolgreich die Weichen für die Zukunft neu stellen, werden unsere Enkel und Urenkel auch den 200. Geburtstag unseres Standorts feiern können." Und er fügte hinzu: "Diesen Herausforderungen müssen und werden wir uns jetzt stellen –, um diesen Standort neu aufzustellen und als wettbewerbsfähiger Partner in eine positive Zukunft zu führen."

Vertrag nur für 50 A320-Flugzeuge, Airbus fertigt aber 63

Der 52-jährige Manager wollte nicht weiter ins Detail gehen und verwies auf jetzt anstehende Gespräche mit der Arbeitnehmerseite, wie der Standort konkurrenzfähiger aufgestellt werden könne. Diesen Diskussionen möchte er nicht vorgreifen. Hinter den Kulissen ist jedoch aus Unternehmenskreisen zu hören, dass die Geschäftsführung sich zum Handeln gezwungen sieht, um den Standort insgesamt wieder wettbewerbsfähiger zu machen und zu erhalten. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Produktion von Baugruppen für die kleinen Airbus-Flugzeuge der A320-Familie, also für Maschinen, die 100 bis 240 Personen Platz bieten.

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Diese Flieger sind zwar ein Kassenschlager für Airbus. Das Augsburger Werk profitiert aber nicht entsprechend von der deutlich gestiegenen Produktionsrate. Inzwischen werden 63 Flugzeuge pro Monat gefertigt. Einst waren es 50. Der schwäbische Standort liefert indes nach wie vor nur 50 Baugruppen der Sektion 19, also des Rumpfhecks an den Kunden und 100-prozentigen Premium-Aerotec-Eigentümer Airbus. Das ist nicht böser Wille von Airbus, sondern sei, wie es heißt, Resultat eines vor vier Jahren geschlossenen Vertrages zwischen dem Luftfahrt-Riesen und Premium Aerotec. Demnach werden alle hinteren Rumpfteile der A320-Familie, welche die monatliche Produktionsrate von 50 übersteigen, in der Türkei von der Firma TAI gebaut. Dem Vernehmen nach bietet dieses Unternehmen die Bauteile deutlich günstiger an und das zu einer guten Qualität.

Airbus wiederum sah sich nach Informationen dieser Redaktion zu dem Schritt gezwungen, weil der Konkurrent Boeing auch durch die weltweite Fremdvergabe von Aufträgen massiv Kosten eingespart hat. Ein Teil des nun geplanten Arbeitsplatzabbaus in Augsburg – etwa 200 Stellen – geht auch auf diesen A320-Effekt zurück. Weitere 300 Jobs sollen wegfallen, unter anderem weil Airbus die Produktion des Großraum-Flugzeuges A380 einstellt. In Augsburg werden wichtige Teile wie Flügelvorderkanten für den doppelstöckigen Riesen-Jet produziert. Hinzu kommt, dass durch die Umstellung auf ein neues Modell des Mittel- und Langstrecken-Flugzeuges A330 derzeit in dem Bereich nicht mehr so viele Beschäftigte notwendig sind. Alle drei negativen Effekte zusammen – also A320, A330 und A380 – machen aus Sicht der Firma einen Abbau von rund 500 Stellen notwendig.

Zusätzliche Aufträge für Türrahmen des A350

Würde nun die Wettbewerbsfähigkeit des Augsburger Standortes nicht weiter erhöht, könnten im Extremfall sogar bis zu 600 weitere Stellen auf der Kippe stehen. Doch Premium-Aerotec-Chef Ehm sagt: "Wir werden uns intensiv anstrengen, damit ein solches Szenario nicht eintritt." In Unternehmenskreisen lässt sich recherchieren, dass der Standort dazu vor allem im A320-Bereich produktiver werden müsse. Dies sei durch eine stärkere Automatisierung und Digitalisierung möglich, was aber Jobs koste. Doch das müsse das Unternehmen, wie es weiter heißt, in Kauf nehmen, um Baugruppen konkurrenzfähig anbieten zu können. Das wiederum sichere insgesamt Stellen ab, wenn auch nicht mehr so viele wie heute. Nach der Unternehmenslogik müsste Premium Aerotec dann auch die Produktion weiterer Kleinteile von Augsburg zu dem günstigeren rumänischen Standort verlagern. Dort arbeiten schon 900 Mitarbeiter für den Luftfahrt-Zulieferer.

Dabei gibt es auch gute Nachrichten für das Unternehmen: Die schon im stärkeren Maße automatisierte Fertigung des Langstrecken-Jets A350 in einer großen Fabrik beim Augsburger Fußballstadion, der WWK-Arena, betrachten Experten als wettbewerbsfähig. Für das Flugzeug-Programm haben die Augsburger einen zusätzlichen Auftrag für die Produktion von Türrahmen gewonnen. Zudem locken für den Standort zusätzliche Bestellungen aufwendiger Rumpfmittelteile für Eurofighter-Kampfflugzeuge.

Nun ist die Arbeitgeber- wie die Arbeitnehmerseite bestrebt, den Arbeitsplatzabbau zu begrenzen. Wann die Gespräche einen Durchbruch bringen, ist ungewiss.

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