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Warum Deutschland in der China-Falle sitzt

Kommentar Von Stefan Stahl
19.05.2022

Die wirtschaftlichen Folgen der Lockdowns machen sich hierzulande immer stärker bemerkbar. Deutschland muss unabhängiger von China werden.

Die Pandemie zeigt das Gesicht von Staaten und Systemen wie in einem Brennglas. Was bei China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, zum Vorschein kommt, ist besorgniserregend: Denn das kommunistische System hat die Lenin zugeschriebene Erkenntnis „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ auf die Spitze getrieben. Für die Machthaber in Peking gilt in Corona-Zeiten: Vertrauen ist ein Zeichen von Schwäche, Kontrolle ist der Königsweg zur totalen Macht über das Volk.

So werden Menschen in Schanghai und anderen Städten Chinas im Zeichen der Null-Covid-Strategie von den Behörden eingesperrt und drangsaliert – und das wochenlang. Oft bekommen sie zu spät und zu wenig Essen. Ein Staat verwandelt die Wohnungen der Menschen in Gefängnisse. Schon will nach Umfragen ein Viertel der Deutschen, die in China leben, das Land verlassen. Dabei leistet das Regime einen Offenbarungseid: Galt für die kapitalistischen Kommunisten bislang die Ideologie „Im Zweifel für die Wirtschaft und den Konsum“, heißt es nun: „Im Zweifel für den Staat und gegen die Menschen.“

China wird zur Wachstums-Bremse

Weil zu wenige Chinesen geimpft sind und die eigenen Vakzine bei weitem nicht so wirkungsvoll wie die von Biontech und Moderna wirken, werden die Machthaber zu den Chefs einer Corona-Gefängnis-AG und riskieren nicht nur eine Rezession im eigenen Land. Wenn China bis zum Sommer die Pandemielage nicht in den Griff bekommt, droht eine weltweite Kettenreaktion, also Rezession.

Schon heute verlassen China zu wenige hierzulande dringend benötigte Güter, ob Kunststoffteile, Elektronikprodukte, Kleidung oder pharmazeutische Waren. Container stecken im Hafen von Shanghai, einem der wichtigsten Logistik-Drehkreuze, fest. Viele Ladungen finden erst gar nicht den Weg in den Hafen, weil Lkw-Fahrer zu Hause bleiben müssen oder in Corona-Zentren weggesperrt sind. Derweil warten deutsche Unternehmen, die sich vor Aufträgen kaum retten können, wochenlang vergeblich auf Vorprodukte.

Shanghai Stau Container Screenshot der Website: vesselfinder.org zeigt den Stau von Frachtschiffen vor dem Hafen von Shanghai.
Foto: Screenshot

Aus dem weltweiten Wachstums-Beschleuniger China ist eine Wachstums-Bremse geworden. Das ist für Deutschland fatal, weil die meisten Importe aus China kommen. Dabei ist es offen, wann sich das Wirtschaftsleben in dem asiatischen Land wieder normalisiert. Noch bleibt die Lage absurd: In der Planwirtschaft China gibt es keine Planbarkeit mehr.

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Daher verwundert es nicht, dass VW-Chef Herbert Diess den Corona-Ausbruch in dem Land seine „im Moment größte Sorge“ nennt. Schließlich verkauft der Konzern in China rund 40 Prozent seiner Fahrzeuge. Längst sitzt die deutsche Wirtschaft in der China-Falle. Die Abhängigkeit vom Wohlergehen des Staates ist viel zu groß geworden. Wie gefährlich es sein kann, an der Kette einer Wirtschaftsnation zu hängen, zeigt das Beispiel Russlands: Ohne das Gas des Kriegstreibers würde Deutschland in eine Rezession stürzen. Es wird ein langer Weg, das Putin-Joch abzuschütteln. Das sollte abschreckend genug sein, um sich gegenüber China nicht weitere Fesseln anzulegen. Das Land nimmt nämlich eine führende Rolle ein, was Solartechnik und seltene Erden für Windkraftturbinen betrifft. Um nicht auch bei grüner Energie erpressbar zu sein, muss Deutschland sich solche Produkte aus freiheitlicheren und verlässlicheren Ländern sichern.

Denn China entwickelt sich noch stärker zu einem monströs-diktatorischen Überwachungs-Staat, der die wirtschaftliche Weltherrschaft anstrebt. Die Null-Covid-Politik geht mit Null-Moral einher. Dabei reicht Wohlstand als Solo-Verheißung auf lange Sicht nicht. Ohne Wohlfahrt, Wohlwollen und Wohlfühlen, eben Freiheit und Verantwortung, ist aller Konsum hohl.

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19.05.2022

Diese Analyse werden wohl nicht sehr viele teilen. China war, ist und bleibt auf unabsehrbare Zeit ein sehr wichtiger Handelspartner für Deutschland. Wichtig sind Waren und Dienstleistungen die China liefert und die Deutschland liefert - der Rest ist interne Angelegenheit Chinas. Und niemand glaubt im Ernst, oder vielleich doch :-), daß China sich in seine Internas dreinreden lässt. Übrigend die USA, Ruslland, Indien usw. auch nicht.

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19.05.2022

„Schließlich verkauft der (VW-)Konzern in China rund 40 Prozent seiner Fahrzeuge. Längst sitzt die deutsche Wirtschaft in der China-Falle.“
Es hat mich nie gefreut, wenn ich las, dass deutsche Produzenten im Ausland Produktionsstätten errichten. Wenn z. B. BMW alle Geländewagen in den USA produziert, dann ist das und der damit einhergehende Technologietransfer hinzunehmen. Das hat BMW aufgrund von Wirtschaftlichkeitsberechnungen eben so entschieden. Protektionismus ist da fehl am Platz.
Obgleich der Chinaanteil bei VW damit evtl. zurückgeht, sehe ich es nicht als Erfolgsmeldung an, wenn die WiWo im Januar 2022 schreibt:
„Im wichtigsten Absatzmarkt verliert VW Marktanteile – weil chinesische Autobauer der deutschen Konkurrenz immer öfter technologisch überlegen sind“

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19.05.2022

Brillante Analyse! Sollte auch in den Chefetagen deutscher Unternehmen gelesen werden. Was wollen wir eigentlich tun, wenn sich China Taiwan einverleiben sollte?

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