Es dürfte die spannendste Kommunalwahl seit Jahrzehnten werden: Am 8. März 2026 wählen die Augsburgerinnen und Augsburger einen neuen Oberbürgermeister bzw. eine neue Oberbürgermeisterin. Zwar gibt es eine Favoritin, davon abgesehen sind aber etliche Fragen offen. Wer kommt in die Stichwahl? Welche Rathauskoalition geht sich letztlich aus? Gut möglich ist, dass Schwarz-Grün keine Mehrheit mehr bekommt und sich einen dritten Partner ins Boot holt. Oder gibt es eine völlig neue Koalition? Die großen Parteien haben ihre Kandidatinnen und Kandidaten bereits verkündet, auch die Kleineren haben inzwischen nachgezogen. Wir stellen die (voraussichtlichen) Kandidaten vor.
Die OB-Kandidatin der Augsburger CSU: Eva Weber
Zuletzt musste Eva Weber einen Dämpfer hinnehmen. Bei ihrer Nominierung als Oberbürgermeisterkandidatin der CSU kam sie lediglich auf 78 Prozent Unterstützung bei den Delegierten. Dennoch geht Weber in der kommenden Kommunalwahl als Favoritin ins Rennen. Ihr Trumpf: Weber ist deutlich bekannter als ihre Herausforderer von SPD, Grünen und AfD. Die 48-Jährige ist seit 2020 Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg. Damals setzte sie sich in der Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten Dirk Wurm mit 62,3 Prozent der Stimmen deutlich durch. Zuvor war Weber knapp neun Jahre lang Wirtschaftsreferentin unter ihrem Vorgänger Kurt Gribl. Weber ist mit Florian Weber verheiratet und lebt in der Innenstadt.
Der OB-Kandidat der Augsburger SPD: Florian Freund
Florian Freund startete mit viel Rückenwind in den Wahlkampf. Bei der Nominierungsveranstaltung der SPD im Juli wählten ihn die Delegierten mit 100 Prozent der Stimmen zum OB-Kandidaten. Freund ist seit 2018 Fraktionsvorsitzender der Partei im Stadtrat und kritisiert die schwarz-grüne Koalition und Eva Weber regelmäßig scharf. Freund hat durchaus Chancen, in die Stichwahl zu gelangen. Dass er dort Amtsinhaberin Weber schlägt, gilt hingegen als eher unwahrscheinlich. Die SPD hat zuletzt in ihrer einstigen Hochburg Augsburg keine guten Ergebnisse mehr eingefahren. Freund arbeitet bei der Regierung von Schwaben im Bereich Landesplanung. Er ist verheiratet, hat drei Töchter und lebt mit seiner Familie in Göggingen.
Die OB-Kandidatin der Augsburger Grünen: Martina Wild
Für Martina Wild ist eine Kommunalwahl als Spitzenkandidatin kein Neuland. Bereits 2020 trat sie als Frontfrau der Grünen an. Damals landeten die Grünen als Partei auf dem zweiten Platz, Wild schaffte es knapp nicht in die Stichwahl. Es gelang ihr jedoch, eine Koalition mit der Augsburger CSU zu schmieden, das erste schwarz-grüne Bündnis in einer bayerischen Großstadt. Seither ist Wild zweite Bürgermeisterin und als Referentin für die Bereiche Bildung und Migration zuständig. Diesmal will es Wild in die Stichwahl schaffen und gegen ihre „Chefin“ Eva Weber antreten. Mit einem Sieg gegen Weber ist jedoch eher nicht zu rechnen. Die dreifache Mutter ist studierte Historikerin, Romanistin und Politikwissenschaftlerin.
Der OB-Kandidat der Augsburger AfD: Andreas Jurca
Auch Andreas Jurca ist kein neues Gesicht. Der Chemiker trat bereits bei der zurückliegenden Kommunalwahl als OB-Kandidat der AfD an. Damals holte er lediglich 4,8 Prozent der Stimmen. Diesmal dürfte das Ergebnis deutlich besser ausfallen, die rechte Partei befindet sich deutschlandweit im Aufwind. Auch ein Einzug in die Stichwahl gilt als möglich. Bei der Bundestagswahl landete die AfD in Augsburg auf dem zweiten Platz. Jurca sitzt seit 2020 im Stadtrat und seit 2023 im Bayerischen Landtag. Der 37-Jährige, der ursprünglich aus Rumänien stammt, ist verheiratet.
Die OB-Kandidatin von FDP und Pro Augsburg: Iris Steiner
FDP und Pro Augsburg setzen bei der Kommunalwahl auf die Journalistin und Kulturmanagerin Iris Steiner. Nachdem das Bündnis mitte.augsburg mit den Freien Wählern zuvor wegen interner Querelen auseinandergebrochen war und FDP und Pro Augsburg infolgedessen den Zusammenschluss verlassen hatten, präsentierten die Parteien Steiner. Die Journalistin Steiner solle „die eher grün orientierte Amtsinhaberin Eva Weber herausfordern“, verkündete Pro-Augsburg-Vorsitzender Johannes Warbeck bei deren Vorstellung. Ohne die Freien Wähler dürften beide Parteien jedoch an Schlagkraft verloren haben.
Die OB-Kandidatin von Die Linke: Elisabeth Wiesholler
Die Linke feierte zuletzt auch in Augsburg eine kaum erwartete Wiederauferstehung. 10,6 Prozent der Zweitstimmen holte die Partei bei der Bundestagswahl. Im Augsburger Stadtrat ist Die Linke aktuell nicht vertreten. Die früheren Linken-Stadträte Christine Wilholm und Frederik Hintermayr sind vor zwei Jahren in die SPD eingetreten als das BSW sich unter Sarah Wagenknecht abspaltete. Seitdem hat sich Die Linke personell neu aufgestellt und setzt bei der anstehenden OB-Wahl auf die Pädagogin Elisabeth Wiesholler. Sie war Direktkandidatin bei der vergangenen Bundestagswahl und erklärte zudem, 2026 für den Stadtrat antreten zu wollen.
Der OB-Kandidat der V-Partei: Roland Wegner
Roland Wegner macht regelmäßig mit scharfer Kritik und umstrittenen Vorschlägen vor allem in Bezug auf den Tierschutz von sich reden. Unter anderem fordert er, Pferde beim Plärrerumzug zu verbieten. Der Stadtrat der V-Partei tritt 2026 erneut als OB-Kandidat an. Bei der Kommunalwahl 2020 erzielte die V-Partei 69.649 Stimmen und zog mit einem Sitz in den Stadtrat ein. Für 2026 strebt man zwei weitere Sitze an.
Der OB-Kandidat der Freien Wähler: Hannes Aigner
Nach anfänglichen Turbulenzen ist nun klar, wer für die Freien Wähler bei der Oberbürgermeisterwahl kandidiert. Der zunächst von einem Bündnis aus Freien Wählern, FDP und Pro Augsburg als OB-Kandidat favorisierte Jürgen Marks, stellvertretender Sprecher der Bayerischen Staatsregierung und Leiter des Pressereferats im Wirtschaftsministerium von Minister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), hatte nach dem Platzen des Bündnisses den Freien Wählern abgesagt. Stattdessen kandidiert der bekannte Kanute Hannes Aigner, der erst vor Kurzem der Partei beigetreten ist und seine Sportlerkarriere beendet hat. Aigner ist nicht nur Sportler, sondern auch Gründer eines Start-Ups.
Der OB-Kandidat von „Augsburg in Bürgerhand“: Bruno Marcon
Bruno Marcon, Stadtrat der Wählervereinigung „Augsburg in Bürgerhand“, tritt als Oberbürgermeisterkandidat an. Marcon ist Mitbegründer diverser Initiativen wie attac Augsburg, der Baumallianz oder der Solidarischen Landwirtschaft. Er war bei verschiedenen Bürgerbegehren aktiv und war Sprecher des Stadtwerke-Bürgerentscheids, der vor zehn Jahren die Fusion mit Erdgas Schwaben stoppte. Im Stadtrat setzte sich Marcon bisher für eine starke Bürgerbeteiligung ein.
Die OB-Kandidatin von der „Partei“: Lisa McQueen
Für die Satire-Partei „Die Partei“ tritt erneut Lisa McQueen als OB-Kandidatin an. McQueen sitzt bereits für die Partei im Augsburger Stadtrat – und fiel dort auch schon mit ungewöhnlichen Anträgen auf. So schlug sie unter anderem – offensichtlich nicht ganz ernst gemeint – vor, den Stadtteil Kriegshaber in „Friedensbringer“ umzubenennen. McQueen ist unter anderem Vorsitzende der umtriebigen Künstlervereinigung Schöne Felder und Messnerin in St. Peter am Perlach.
Verzicht auf OB-Kandidatur
Keinen Oberbürgermeister-Kandidaten stellen werden die ÖDP, WSA, Generation Aux und die Newcomer von Volt.
In einer älteren Version des Textes stand, dass Helmut Wiedemann der OB-Kandidat der Bürgervereinigung WSA sei. Das war falsch, er ist Spitzenkandidat für die Stadtratswahl.
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