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Hochwasser in Bayern: Was ist die Ursache?

Unwetter

Meteorologe erklärt: So kam es zum Hochwasser

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    In Bayern – hier Diedorf im Landkreis Augsburg – führte der Starkregen zu massiven Überschwemmungen.
    In Bayern – hier Diedorf im Landkreis Augsburg – führte der Starkregen zu massiven Überschwemmungen. Foto: Marcus Merk

    Dauerregen, vollgelaufene Keller, gebrochene Dämme, Bäche, die zu Flüssen wurden, Menschen, die aus ihren Häusern gerettet werden mussten: Die Wetterlage am Wochenende war dramatisch. Doch sie lässt sich meteorologisch erklären und einordnen. Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die massiven Niederschläge der vergangenen Tage – und ein Ausblick darauf, wie es weitergehen könnte. 

    Wie viel hat es in Bayern bisher geregnet?

    Der Niederschlag in den vergangenen Tagen – ausgelöst durch das Tief Orinoco – war massiv. "Da ist richtig viel runtergekommen, es waren hohe Mengen über einen langen Zeitraum", sagt Sebastian Schappert, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) im Gespräch mit unserer Redaktion. An der Station in Dasing im Landkreis Aichach-Friedberg etwa wurden in zwei Tagen 164 Liter pro Quadratmeter gemessen. Das ist deutlich mehr als es dort normalerweise in einem ganzen Monat regnet – das sind im Schnitt nur etwa 100 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. 

    Was sind die Aussichten für das Hochwasser?

    Am Sonntag haben die Niederschläge zunächst nachgelassen – doch schon da war klar: Der Regen kommt zurück. Der DWD sprach bereits wieder von "Starkregen bis in den Unwetterbereich". Der Unterschied zu den Tagen zuvor ist aber, dass der Regen räumlich enger begrenzt ist. Die Mengen bleiben aber hoch. Der DWD sprach am Sonntag von bis zu 70 Litern pro Quadratmeter in wenigen Stunden. Danach soll sich die Lage aber bessern. "Zwar gibt es am Montag noch schauerartige Niederschläge, und auch vereinzelte Gewitter können nicht ausgeschlossen werden, aber grundsätzlich ziehen die Niederschläge dann weiter."

    Warum ist es zu so schweren Überflutungen gekommen?

    Das Problem ist, dass der Regen nicht punktuell gefallen ist, sondern gebietsweise. "Das Wasser fließt dann zusammen und es kommt zu Hochwasser", sagt Meteorologe Schappert. Hinzu kommt: Die Böden waren zu dem Zeitpunkt, als es so heftig anfing zu regnen, bereits gut gesättigt. 

    Die aktuellen Unwetter beruhen auf einer sogenannten Vb-Wetterlage. Was verbirgt sich dahinter?

    Vb-Wetterlagen (gesprochen "Fünf-b") sind selten, können aber verheerende Folgen haben – etwa das Pfingsthochwasser im Jahr 1999 unter anderem in Bayern und Baden-Württemberg, oder die Jahrhundertflut an der Elbe im Jahr 2002. Ende des 19. Jahrhunderts begann man damit, verschiedene Systematiken zu entwickeln, um Wetterlagen in Europa zu charakterisieren. Eine dieser Systematiken stammt von Wilhelm Jacob van Bebber. Er teilte die Wetterlagen nach der Zugbahn von Tiefdruckgebieten ein. Bei einer Vb-Wetterlage handelt sich um Tiefs, die nicht die normale Zugbahn von West nach Ost über Europa nehmen, sondern, aus dem Süden kommend feuchte Luft aus dem Mittelmeergebiet an der Alpenostseite vorbei nach Norden schleusen. Das Besondere an diesen Wetterlagen ist, dass sie mit größeren Niederschlagsmengen verbunden sind und sich langsam bewegen – so dauert der Regen in einem Gebiet lange an. 

    Wie außergewöhnlich war dieses Unwetter-Ereignis?

    "So eine Wetterlage kann immer wieder vorkommen", sagt DWD-Experte Schappert. "Aber klar ist auch: Alltäglich ist das nicht." Angesichts der Überflutungen drängt sich schnell ein Vergleich mit der Katastrophe im Ahrtal im Sommer 2021 auf, bei der 135 Menschen starben und Hunderte verletzt wurden. Aber Schappert erklärt: "Die Flut im Ahrtal war noch mal eine andere Hausnummer." Verglichen damit seien die aktuellen Niederschläge in Süddeutschland nicht in solchen Mengen und nicht in so kurzer Zeit gefallen.

    Was hat das alles mit dem Klimawandel zu tun?

    Grundsätzlich sei es nicht einfach, anhand einzelner Wetterereignisse auf den zu schließen, sagt Schappert vom DWD. Denn bei der Beschäftigung mit dem Klimawandel betrachte man für gewöhnlich einen Zeitraum von 30 Jahren. Klimaforscher Professor Harald Kunstmann beschäftigt sich mit regionalen Klimaveränderungen. "Wir sind gut beraten, uns auf solche Ereignisse immer besser einzustellen", sagt er gegenüber dem BR. Man wisse auch, warum die Extreme zunehmen. Verkürzt erklärt: Durch die globale Erwärmung gibt es in der Luft mehr Feuchtigkeit und damit mehr Regen. Zudem werden die Wetterlagen, also die Anordnungen von Hoch- und Tiefdruckgebieten, langanhaltender – das bedeutet, dass pro Wetterlage noch mehr Regen fallen kann. Deswegen können Kunstmann zufolge künftig auch Regionen von solchen Ereignissen gefährdet sein, die bisher nicht so stark betroffen waren. Wer wissen will, wie hoch sein persönliches Hochwasser-Risiko am Wohnort ist, kann sich dazu online auf mehreren Seiten eine Einschätzung geben lassen. Allerdings ist das nur eine Momentaufnahme, das Risiko wird sich mit der steigenden Erderwärmung und mit Baumaßnahmen in den Orten verändern. 

    Haben die Niederschläge das Grundwasser aufgefüllt?

    Nein. Extreme Niederschläge helfen da wenig. "Besser wäre es gewesen, wenn der Niederschlag gleichmäßig über mehrere Monate gefallen wäre", sagt Kunstmann gegenüber dem BR. Aktuell ist es so, dass das viele Wasser schnell wieder von der Oberfläche abgeflossen und nicht in die Tiefe vorgedrungen ist.

    Wie entwickelt sich das Hochwasser?

    Dem Hochwassernachrichtendienst Bayern zufolge ist die Zahl der Pegel mit Überschreitungen der Meldestufe 4 am Sonntag nur geringfügig zurückgegangen. Die gute Nachricht: Zumindest im nördlichen Schwaben sind die Pegel überwiegend schon gefallen. Ob es eine erneute Verschärfung gibt, hängt nun davon ab, wo es jetzt noch und stark regnen wird. 

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