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Schlafstörungen bei Männern und Frauen: Wer schläft wirklich schlechter?

Schlaf

Schlafstörungen: Leiden Männer oder Frauen häufiger unter dem Phänomen?

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    Frauen berichten deutlich häufiger über Schlafprobleme als Männer — die Ursachen dafür sind allerdings komplex.
    Frauen berichten deutlich häufiger über Schlafprobleme als Männer — die Ursachen dafür sind allerdings komplex. Foto: vgstudio. stock.adobe.com (Symbolbild)

    Die wichtigsten Erkenntnisse

    • Frauen berichten insgesamt häufiger über Schlafprobleme und Schlafstörungen als Männer. Besonders Insomnie tritt bei Frauen deutlich öfter auf.
    • Eine Meta-Analyse zeigte, dass Frauen ein höheres Risiko für Insomnie haben als Männer.
    • Gleichzeitig unterscheiden sich die Schlafprobleme nach Geschlecht: Männer sind häufiger von obstruktiver Schlafapnoe betroffen, Frauen häufiger von Restless-Legs-Syndrom oder subjektiv schlechter Schlafqualität.

    Er schläft innerhalb weniger Minuten ein, schnarcht friedlich vor sich hin — und morgens behauptet er auch noch, „super geschlafen“ zu haben. Währenddessen liegt seine Partnerin seit Stunden wach, dreht sich von einer Seite auf die andere und zählt irgendwann entnervt die Stunden bis zum Weckerklingeln. Viele Frauen kennen genau diese Situation. Entsprechend hartnäckig hält sich die Vorstellung, Männer würden grundsätzlich besser schlafen als Frauen. Aber ist das wirklich so? Und leidet eines der beiden Geschlechter häufiger an Schlafstörungen?

    Wann spricht man von Schlafstörungen?

    Zunächst: Von Schlafstörungen sprechen Fachleute laut der Cleveland Clinic erst, wenn Menschen regelmäßig Probleme beim Ein- oder Durchschlafen haben, nachts häufig aufwachen oder sich trotz ausreichender Schlafdauer tagsüber erschöpft fühlen. Zu den häufigsten Formen zählen Insomnie, Schlafapnoe, Restless-Legs-Syndrom oder Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus.

    Eine Insomnie liegt unter anderem dann vor, wenn Betroffene über mehr als drei Monate hinweg mindestens dreimal pro Woche Schwierigkeiten beim Einschlafen, Durchschlafen oder frühes Erwachen erleben und dadurch tagsüber beeinträchtigt sind.

    Schlafstörungen sind weit verbreitet: Laut einem Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) geben in Umfragen etwa 25 Prozent der befragten Deutschen an, unter Schlafstörungen zu leiden. Zehn Prozent erleben ihren Schlaf dauerhaft als „nicht erholsam.“

    Leiden Männer oder Frauen häufiger unter Schlafstörungen?

    Die Datenlage deutet dabei insgesamt darauf hin, dass Frauen häufiger unter Schlafproblemen leiden als Männer — insbesondere unter Insomnie und subjektiv schlechter Schlafqualität.

    Eine große Meta-Analyse aus dem Jahr 2020 wertete 13 Beobachtungsstudien mit insgesamt mehr als 326.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus. Das Ergebnis: Frauen hatten eine signifikant höhere Prävalenz von Insomnie als Männer. Auch andere Untersuchungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Eine australische Bevölkerungsstudie mit 3778 jungen Erwachsenen zeigte, dass 65,1 Prozent der Frauen über schlechte Schlafqualität berichteten — bei Männern waren es 49,8 Prozent.

    Darüber hinaus berichten Frauen in Befragungen häufiger über:

    • nächtliche Schlafprobleme,
    • Tagesmüdigkeit,
    • Konzentrationsprobleme,
    • depressive Symptome infolge schlechter Schlafqualität.

    Die European Sleep Research Society (ESRS) fasst die Datenlage ähnlich zusammen: Frauen berichten „konsistent über schlechtere Schlafqualität als Männer in allen Altersgruppen“.

    Trotzdem wäre es falsch zu sagen, dass Frauen grundsätzlich stärker betroffen sind. Die Unterschiede hängen stark von der jeweiligen Schlafstörung ab. So sind Männer deutlich häufiger von obstruktiver Schlafapnoe betroffen. Laut einer Forschungsübersicht der University of Southampton erhalten Männer etwa dreimal häufiger die Diagnose als Frauen.

    Allerdings weisen Forschende darauf hin, dass Schlafapnoe bei Frauen oft anders verläuft und deshalb möglicherweise seltener erkannt wird. Frauen zeigen häufiger unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder leichte Schlafprobleme statt des klassischen starken Schnarchens.

    Frauen wiederum hätten laut der Universität Southampton ein deutliches Risiko für das Restless-Leg-Syndrom, schlafbezogene Essstörungen und Insomnie.

    Schlaf: Warum fühlt er sich für Frauen meistens schlechter an?

    Besonders spannend ist in den Untersuchungen die Diskrepanz zwischen objektiv messbarem Schlaf und subjektiver Wahrnehmung. Mehrere Studien zeigen, dass Frauen ihren Schlaf schlechter bewerten als Männer — obwohl sie teilweise länger schlafen oder physiologisch sogar mehr Phasen von Tiefschlaf aufweisen. Die University of Southampton berichtet beispielsweise, dass Frauen in Schlaflaboren im Schnitt mehr Non-REM-Schlaf verbringen als Männer.

    Auch die ESRS verweist darauf, dass Frauen mehr „Slow-Wave-Sleep“ und stärkeren Erholungsschlaf nach Schlafentzug zeigen, gleichzeitig aber häufiger Schlafstörungen berichten.

    Die Forschenden vermuten deshalb, dass biologische, psychologische und soziale Faktoren gemeinsam sehr stark beeinflussen könnten, wie Schlaf erlebt wird.

    Schlafstörungen bei Männern und Frauen: Wie kommt es zu dem Unterschied?

    Ein zentraler Faktor sind dabei Hormone. Schlaf und Hormonhaushalt beeinflussen sich gegenseitig stark. Besonders bei Frauen verändern Menstruationszyklus, Schwangerschaft, Stillzeit sowie Perimenopause und Menopause die Schlafqualität, erläutert die Cleveland Clinic in einem weiteren Beitrag. Die ESRS beschreibt zudem, dass hormonelle Schwankungen erhebliche Auswirkungen auf Schlafregulation und Schlafarchitektur haben können.

    Hinzu kommen Unterschiede in der inneren Uhr: Laut der Southampton-Übersicht wird Melatonin bei Frauen früher ausgeschüttet, außerdem unterscheiden sich zirkadiane Rhythmen leicht zwischen den Geschlechtern.

    Bei Schlafstörungen spielen allerdings auch psychische Erkrankungen eine große Rolle. Frauen sind häufiger von Depressionen und Angststörungen betroffen — beides Erkrankungen, die eng mit Schlafproblemen verknüpft sind. Die Cleveland Clinic verweist darauf, dass Frauen etwa doppelt so häufig unter Angststörungen und Depressionen leiden wie Männer. Schlechter Schlaf und psychische Belastungen verstärken sich dabei gegenseitig: Schlafmangel kann Depressionen fördern, Depressionen wiederum den Schlaf verschlechtern.

    Ein weiterer, aber noch nicht ausreichend erforschter Punkt sind soziale Belastungen. Studien diskutieren etwa Mehrfachbelastungen durch Beruf, Care-Arbeit oder emotionalen Stress als mögliche Einflussfaktoren auf Schlafqualität. Zudem suchen Frauen häufiger medizinische Hilfe und berichten offener über Symptome, während Schlafprobleme bei Männern teilweise später erkannt werden könnten.

    Unabhängig vom Geschlecht: Was kann man gegen Schlafstörungen unternehmen?

    Auch wenn sich Schlafprobleme zwischen Männern und Frauen unterscheiden, gelten viele Grundregeln für alle Menschen gleichermaßen.

    Hilfreich sind laut Cleveland Clinic unter anderem:

    • feste Schlafenszeiten,
    • möglichst wenig Alkohol und Koffein am Abend,
    • eine ruhige, dunkle Schlafumgebung,
    • regelmäßige Bewegung,
    • möglichst wenig Bildschirmzeit vor dem Schlafengehen

    Je nach Ursache kommen außerdem Verhaltenstherapie, Schlafhygiene, Meditation, Medikamente oder spezielle Therapien wie CPAP-Geräte bei Schlafapnoe infrage.

    Verwendete Quellen

    Literatur A-Z Icon Pfeilspitze nach unten
    • American Academy of Sleep Medicine: https://aasm.org/study-finds-that-sleep-disorders-affect-men-and-women-differently/
    • Cleveland Clinic: https://my.clevelandclinic.org/health/diseases/11429-sleep-disorders
    • Cleveland Clinic: https://health.clevelandclinic.org/why-women-need-more-sleep
    • Clinical Medicine & Research: https://www.clinmedres.org/content/14/3-4/138
    • Current Opinion in Pulmonary Medicine: https://journals.lww.com/co-pulmonarymedicine/abstract/2006/11000/gender_differences_in_sleep_disorders.3.aspx
    • European Sleep Research Society: https://esrs.eu/news/sleep-science-friday/physiological-basis-of-sleep-gender-differences-in-sleep/
    • Frontiers in Psychiatry: https://www.frontiersin.org/journals/psychiatry/articles/10.3389/fpsyt.2020.577429/full
    • Rober Koch-Institut: https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/3178/23zMV5WzsY6g_44.pdf
    • University of Southampton: https://www.southampton.ac.uk/news/2024/04/sex-diff-in-sleep-circadian-rhythms-and-metabolism.page

    Übrigens: Wer über längere Zeit schlecht schläft, sich tagsüber erschöpft fühlt oder Konzentrationsprobleme entwickelt, sollte Schlafprobleme ärztlich abklären lassen. Denn chronischer Schlafmangel kann unter anderem das Risiko für Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes erhöhen.

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