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Starke Regelschmerzen: Wann sind sie nicht mehr normal?

Frauengesundheit

Starke Regelschmerzen: Wann sind sie nicht mehr normal?

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    Regelschmerzen können bei manchen Frauen so intensiv sein, dass alltägliche Aufgaben schwerfallen.
    Regelschmerzen können bei manchen Frauen so intensiv sein, dass alltägliche Aufgaben schwerfallen. Foto: New Africa, stock.adobe.com (Symbolbild)

    Bei vielen Frauen geht die Periode auch mit Schmerzen einher. Für manche ist es lediglich ein leichtes Ziehen im Unterbauch, das nach kurzer Zeit wieder verschwindet. Für andere hingegen sind es starke, krampfartige Beschwerden, die den Alltag spürbar einschränken und Monat für Monat erneut zur Belastung werden. Doch ab wann sind Regelschmerzen eigentlich zu stark – und nicht mehr normal? Und ab wann sollte man ärztlichen Rat einholen?

    Sind Regelschmerzen normal?

    Schmerzen während der Periode sind nicht selten. Laut einer Umfrage der AOK leiden rund zwei Drittel der Frauen zwischen 14 und 50 Jahren unter Menstruationsbeschwerden. Fast ein Drittel von ihnen hat sogar so starke Schmerzen, dass sie bei jeder Periode zu Schmerzmitteln greifen. Wie die AOK-Vorstandsvorsitzende Dr. Carola Reimann erklärt, glauben noch immer viele – sowohl Männer als auch Frauen –, „dass Menstruierende da einfach durch müssen“. Schmerzen werden dann jeden Monat ausgehalten und als normal hingenommen. Doch stimmt das wirklich?

    Leichte Beschwerden können tatsächlich normal sein. Der Grund liegt laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einem ganz natürlichen Vorgang im Körper: Während der Menstruation ziehen sich die Muskeln der Gebärmutter zusammen und entspannen sich wieder. So wird die oberste Schleimhautschicht abgestoßen, und Blut sowie Gewebe können abfließen. Wie stark dieser Prozess spürbar ist, unterscheidet sich jedoch von Frau zu Frau. Manche merken kaum etwas, andere spüren ein leichtes Ziehen im Unterbauch und wieder andere leiden unter starken, krampfartigen Schmerzen.

    Was sind Regelschmerzen eigentlich?

    Vor, während und auch nach der Menstruation können laut dem Patientenratgeber des MSD Manual Schmerzen auftreten. Bei vielen Frauen sind diese am ersten Tag der Periode am stärksten. Häufig nehmen die Beschwerden etwa 24 Stunden nach Beginn der Blutung noch einmal zu und halten dann zwei bis drei Tage an. Medizinisch wird dem IQWiG zufolge zwischen zwei Formen von Regelschmerzen unterschieden:

    1. Primäre Regelschmerzen: Diese entstehen durch das Zusammenziehen der Gebärmutter. Ausgelöst wird das durch hormonähnliche Botenstoffe, sogenannte Prostaglandine. Produziert der Körper zu viel davon oder reagiert empfindlich darauf, können Schmerzen entstehen. Besonders häufig sind jüngere Frauen unter 30 sowie Frauen mit starker Regelblutung betroffen. Auch eine familiäre Veranlagung oder Stress können die Beschwerden verstärken.
    2. Sekundäre Regelschmerzen: Diese Form tritt nicht nur während der Menstruation auf, sondern kann auch unabhängig davon Beschwerden verursachen. Häufig stecken gutartige Wucherungen der Gebärmutter wie Myome oder Polypen dahinter. Auch Verhütungsmittel wie die Kupferspirale können Schmerzen auslösen. Sind die Beschwerden besonders stark, kann das auf Endometriose hindeuten. Das ist laut der Endometriose-Vereinigung Deutschland eine gutartige chronische Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst – zum Beispiel im Bauch- oder Beckenraum.

    Symptome: Wie fühlen sich Regelschmerzen an?

    Wie das IQWiG beschreibt, können sich Regelschmerzen nicht nur im Unterbauch bemerkbar machen. Viele Frauen spüren die Beschwerden im ganzen Körper. Typische Begleiterscheinungen sind:

    • Schmerzen im Rücken
    • Beinschmerzen
    • Krämpfe
    • Übelkeit und Erbrechen
    • Durchfall
    • Kopfschmerzen
    • Allgemeines Unwohlsein

    Oft gehen starke Regelschmerzen auch mit einer stärkeren Blutung einher. Laut dem IQWiG sind vor allem junge Frauen unter 20 häufiger und stärker betroffen als ältere. Bei vielen bessern sich die Beschwerden einige Jahre nach der ersten Periode oder verschwinden ganz.

    Wann sind Regelschmerzen nicht mehr normal?

    Krämpfe aushalten, einfach funktionieren und sich bloß nichts anmerken lassen – für viele Frauen gehört das zur Periode dazu. Doch Menstruationsbeschwerden können den Alltag stark einschränken, manchmal sogar so sehr, dass Arbeiten nicht mehr möglich ist. Laut der AOK-Umfrage gaben 18 Prozent der Frauen mit Regelschmerzen an, sich im vergangenen Jahr mindestens einmal deshalb krankgemeldet zu haben.

    Für Prof. Dr. Sylvia Mechsner, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Berliner Charité und Leiterin eines Endometriosezentrums, ist klar: Das ist nicht normal. „Regelmäßig starke Schmerzen, die dazu führen, dass man im Bett oder auf dem Sofa bleiben muss, sind nicht normal“, erklärt sie der DAK. Auch sehr heftige Begleitsymptome seien ein Warnsignal: „Wenn die Schmerzen so stark sind, dass man sich übergeben muss oder sogar ohnmächtig wird, ist das ein Anzeichen, dass etwas nicht stimmt.“

    Auch das IQWiG betont, dass solche Beschwerden nicht einfach als normal abgetan werden sollten. Wenn Schmerzen den Alltag belasten, ist es wichtig, darüber zu sprechen – im persönlichen Umfeld und auch mit einer Ärztin oder einem Arzt. So können mögliche Ursachen abgeklärt und passende Behandlungen gefunden werden. Viele Frauen kämpfen in dieser Zeit zusätzlich mit Schuldgefühlen oder dem Druck, trotzdem funktionieren zu müssen. Umso wichtiger ist es, sich auszuruhen und Unterstützung anzunehmen.

    Was tun bei starken Regelschmerzen?

    Wer unter starken Regelschmerzen leidet, kann oft schon mit einfachen Mitteln gegensteuern. Das IQWiG empfiehlt folgende Maßnahmen:

    • Entspannungstechniken oder Atemübungen
    • Yoga oder Tai-Chi
    • Spazierengehen
    • Leichte sportliche Bewegungen
    • Wärme, etwa durch eine Wärmflasche, warme Bäder oder Saunagänge

    Zusätzlich können auch Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen laut der AOK helfen, die Beschwerden zu lindern. Sie hemmen die Bildung von Prostaglandine, also den Botenstoffen, die maßgeblich an der Entstehung der Schmerzen beteiligt sind. Schmerzmittel sollten jedoch immer mit Bedacht eingesetzt und wenn, dann nur an den zwei bis drei besonders schmerzhaften Tagen der Periode eingenommen werden.

    Diese Behandlungsansätze haben Prof. Dr. Mechsner zufolge allerdings auch ihre Grenzen: „Wenn die Regelschmerzen dauerhaft extrem stark sind, sollte eine ärztliche Behandlung erfolgen.“ Das gelte vor allem dann, wenn die Schmerzen nicht nur während der Periode auftreten.

    Sehr starke Regelschmerzen: Wann sollte man zum Arzt?

    Ärztlicher Rat sollte laut Prof. Dr. Mechsner eingeholt werden, wenn neben den Regelschmerzen weitere Beschwerden auftreten. Dazu gehören zum Beispiel:

    • Schmerzen beim Wasserlassen, Stuhlgang oder Geschlechtsverkehr
    • Übelkeit, Erbrechen oder Kreislaufprobleme
    • Schmerzen, die sich mit Medikamenten nicht lindern lassen
    • Sehr starke oder ungewöhnlich heftige Blutungen

    Auch das MSD Manual nennt bestimmte Warnsignale, die ernst genommen werden sollten. Dazu zählen:

    • Plötzlich einsetzende, sehr starke Schmerzen
    • Dauerhafte Beschwerden
    • Fieber
    • Eitriger Ausfluss
    • Stechende Schmerzen, die sich bei Bewegung oder Berührung verstärken

    Treten eines oder mehrere dieser Symptome auf, sollte möglichst zeitnah eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Denn hinter starken Regelschmerzen können auch Erkrankungen stecken, die behandelt werden sollten. Wer beim Arztbesuch das Gefühl hat, mit den eigenen Beschwerden nicht ernst genommen zu werden, sollte sich laut Prof. Dr. Mechsner nicht scheuen, die Praxis zu wechseln.

    Übrigens: Kurz vor und während der Periode ist es völlig normal, etwas zuzunehmen. Die zusätzlichen Kilos hängen meist mit Wassereinlagerungen zusammen und verschwinden in der Regel wenige Tage nach der Menstruation wieder von selbst.

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