Die britische Polizei hatte den früheren Prinzen Andrew – inzwischen aufgrund des Verlusts seiner royalen Titel unter seinem bürgerlichen Namen Andrew Mountbatten-Windsor bekannt – am Donnerstag, dem 19. Februar 2026, festgenommen. Grund war der Verdacht auf Amtsmissbrauch im Zusammenhang mit seiner Verbindung zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Darüber berichteten unter anderem die BBC, der Sender Sky News und die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Noch am Abend wurde der Ex-Prinz wieder freigelassen, die Ermittlungen dauern jedoch an. Das Königshaus hat sich inzwischen zu Wort gemeldet.
Ex-Prinz Andrew: Ermittlungen nach Festnahme dauern an – was ist bekannt?
Wie die BBC berichtete, hatte die Polizei am 19. Februar 2026 bestätigt, dass König Charles’ Bruder Andrew sich in Gewahrsam befand und Polizeibeamte Durchsuchungen an Adressen in Berkshire, Norfolk und Windsor durchführten. Durch die Festnahme sei es der Polizei möglich gewesen, „auf Computergeräte, Akten, Fotos und alle anderen Beweismittel zuzugreifen“, sagte ein ehemaliger Polizeichef gegenüber BBC.
Am Abend berichtete die BBC unter Berufung auf die Thames Valley Police, dass der Ex-Royal gut elf Stunden nach seiner Festnahme und seinem Verhör wieder freigelassen wurde. Mehrere Medien zeigten laut dpa Fotos, wie Andrew in einem Auto die Polizeiwache in der Grafschaft Norfolk wieder verließ. Einem Polizeiexperten zufolge, mit dem die BBC gesprochen hatte, werden Verdächtige meistens zwölf bis 24 Stunden festgehalten und dann entweder angeklagt oder bis zu weiteren Ermittlungen freigelassen. Die dpa weist darauf hin, dass die polizeilichen Ermittlungen nicht zwangsläufig bedeuten, dass sich Andrew strafbar gemacht hat.
Die Durchsuchungen in Norfolk – dem aktuellen Wohnsitz von Ex-Prinz Andrew – seien inzwischen abgeschlossen, informierte die Thames Valley Police am Abend des 19. Februar 2026, während die Durchsuchungen auf dem Gelände von Schloss Windsor in der Grafschaft Berkshire noch im Gange seien. Dort befindet sich Andrews ehemaliger Wohnsitz, die Royal Lodge. Am Montag, dem 23. Februar 2026, berichteten die Nachrichtenagentur PA und Sky News, dass die Ermittlungen auf dem Gelände von Schloss Windsor fortgesetzt werden, nachdem die Polizei dort auch am Wochenende Durchsuchungen durchgeführt hatte.
Was wird Andrew Mountbatten-Windsor vorgeworfen?
Der Vorwurf lautet dem BBC-Bericht zufolge „Misconduct in Public Office“, also „Fehlverhalten in Ausübung offizieller Funktionen“ – ein Straftatbestand, der sich laut der Tagesschau im britischen Recht auf Amtsträger bezieht, die ihre öffentliche Stellung vorsätzlich missbrauchen oder vernachlässigen. Im Deutschen spricht man von Amtsmissbrauch.
Laut dpa wird Andrew Mountbatten-Windsor vorgeworfen, in seiner früheren Rolle als Handelsbeauftragter vertrauliche Dokumente an den 2019 gestorbenen Epstein weitergeleitet zu haben. Mountbatten-Windsor hat sich dazu bislang nicht geäußert.
Er habe „jegliches Fehlverhalten stets und entschieden bestritten“, schrieb die Nachrichtenagentur Reuters am 9. Februar 2026, als im Rahmen der Veröffentlichung von Millionen neuer Dokumente im Zusammenhang mit dem Epstein-Skandal E-Mails aus dem Jahr 2010 veröffentlicht wurden.
Wie Reuters und der Guardian berichteten, legen die Dokumente nahe, dass Ex-Prinz Andrew in seiner damaligen Funktion als britischer Handelsgesandter offizielle Berichte über Auslandsreisen – konkret Reisen nach Singapur, Vietnam, Hongkong und China – an Jeffrey Epstein weitergeleitet haben soll. Zudem wurde von einem als „vertraulich“ gekennzeichneten Briefing zu Investitionsmöglichkeiten in Afghanistan berichtet, das an Epstein gegangen sein soll. Britische Regierungsrichtlinien verpflichten laut BBC Handelsgesandte zur strikten Verschwiegenheit. Diese umfasst „sensible, kommerzielle oder politische Informationen“ und bleibt auch nach dem Amtsende bestehen. Die Thames Valley Police bestätigte laut BBC zunächst, dass man prüfe, ob eine formelle Untersuchung eingeleitet werde.
Wie hat sich das britische Königshaus zur Festnahme von Andrew geäußert?
Durch seine Verstrickung im Epstein-Skandal verlor Andrew zwischen 2019 und 2025 bereits sämtliche Ehren, militärische Ränge und Titel, informiert die dpa. Auch sein Anwesen Royal Lodge musste er Anfang Februar 2026 räumen. Laut dpa war es das erste Mal seit mehr als 350 Jahren, dass ein ranghohes Mitglied der Königsfamilie festgenommen wurde.
Nach Bekanntwerden der E-Mails zwischen Epstein und Mountbatten-Windsor wuchs der Druck auf die königliche Familie. Erstmals hatte sich am 9. Februar 2026 König Charles öffentlich positioniert und angekündigt, die Polizei bei etwaigen Ermittlungen gegen seinen jüngeren Bruder zu unterstützen, wie die BBC berichtete. Laut Reuters äußerten zeitgleich Prinz William und Prinzessin Kate über einen Sprecher: „Der Prinz und die Prinzessin sind zutiefst besorgt über die fortgesetzten Enthüllungen. Ihre Gedanken bleiben bei den Opfern.“ Die „Gedanken und das Mitgefühl“ des Ehepaars gelte allen Opfern und Überlebenden jeglicher Art von Missbrauch.
Zur Festnahme von Andrew Mountbatten-Windsor gab es am 19. Februar 2026 ein Statement von König Charles auf der offiziellen Webseite der Royal Family. In dieser Mitteilung schrieb er: „Mit tiefster Besorgnis habe ich die Nachricht über Andrew Mountbatten-Windsor und den Verdacht des Amtsmissbrauchs vernommen. Nun folgt ein umfassendes, faires und ordnungsgemäßes Verfahren, in dem diese Angelegenheit von den zuständigen Behörden sachgerecht untersucht wird.“ Erneut sagte Charles III. zu, die Ermittlungen gegen seinen jüngeren Bruder zu unterstützen: „Wie ich bereits sagte, erhalten sie dabei unsere volle Unterstützung und Zusammenarbeit.“ Und weiter: „Ich möchte klarstellen: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen.“ Zudem griff er weiteren Nachfragen vor: „Während dieses Verfahren noch läuft, wäre es mir nicht angebracht, mich weiter dazu zu äußern. Meine Familie und ich werden uns derweil weiterhin um unsere Pflichten und unseren Dienst für Sie alle kümmern.“ Weder König Charles noch der Buckingham Palace wurden im Voraus über die Festnahme informiert, wie die BBC berichtete.
Wie die dpa berichtete, erhielt eine Reaktion von Prinz William besondere Aufmerksamkeit in den britischen Medien. Zusammen mit seiner Ehefrau, Prinzessin Kate, besuchte der Thronfolger am Sonntag, dem 22. Februar 2026, die Verleihung der BAFTAs (British Academy Film Awards) 2026. Dort wurde er gefragt, ob er das vielfach ausgezeichnete Drama „Hamnet“ bereits gesehen habe. „Ich muss in einem ziemlich ruhigen Zustand sein, und das bin ich im Moment nicht“, antwortete Prinz William. Er spare sich den Film auf. Seine Aussage sorgte in den britischen Medien, wie der Daily Mail, für viel Aufsehen, da sie die Worte als Anspielung auf seine Gefühlslage nach der Festnahme seines Onkels interpretierten.
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