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Tipps unserer Redaktion zur Buchmesse: Zehn beste Bücher für den Herbst

Tipps unserer Redaktion zur Buchmesse: Die zehn besten Bücher für den Herbst.
Foto: Stock Adobe
Buchtipps

Vom Gym bis in den Dschungel: Diese zehn Bücher lohnen sich im Herbst

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    Unsere Kultur- und Journalredaktion hat sich durch die Neuerscheinungen des Bücherherbstes gewühlt und stellt Ihnen die zehn Favoriten vor. Zu den Werken der bekanntesten Autorinnen und Autoren sind ausführliche Kritiken verlinkt.

    Jehona Kicaj: „ë“
    Jehona Kicaj: „ë“ Foto: Stock adobe/Bearbeitung Emrah Can
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    Jehona Kicaj: „ë“

    Das ist der Debütroman dieses Bücherherbstes und auch gleich nominiert für den Deutschen Buchpreis: Jehona Kicaj, 1991 im Kosovo geboren, schreibt auf knapp 170 Seiten über einen fast vergessenen Krieg in Europa, der auch Hunderte Kilometer entfernt in der Diaspora in Deutschland noch das Leben einer Familie erreicht. Sprachheimat, Sprachlosigkeit, Sprachmacht. Sprachlast – das alles verhandelt sie ausgehend von einer ärztlichen Diagnose: Die Protagonistin knirscht nachts heftig mit den Zähnen. Warum? Eine Antwort der Erzählerin: „Ich suche nach Sätzen, die noch keiner gekaut hat, und zerbeiße mich dann an ihnen.“ Unbedingte Leseempfehlung.

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    Dorothee Elmiger: „Die Holländerinnen“ 
    Dorothee Elmiger: „Die Holländerinnen“  Foto: Stock adobe/Bearbeitung Emrah Can
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    Dorothee Elmiger: „Die Holländerinnen“

    Dorothee Elmiger schickt im Roman „Die Holländerinnen“ eine Reisegruppe von Künstlern und Kreativen in den Dschungel. Mitten in die Wildnis des südamerikanischen Urwalds. Dort spüren sie einem Fall nach von zwei Touristinnen, die einst im Dschungel verschwanden – und wollen diese Geschichte jetzt in ein Filmkunstwerk fassen. Elmiger lässt Natur und Zivilisation mit Gewalt aufeinanderprallen, vermengt Wahres, Dokumentarisches mit Fantasie. Ein gewaltiges, wildes, komplex konstruiertes Leseerlebnis.

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    Andrea Sawatzki: „Biarritz“
    Andrea Sawatzki: „Biarritz“ Foto: Stock adobe/Bearbeitung Emrah Can
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    Andrea Sawatzki: „Biarritz“

    Was ist die Schauspielerin Andrea Sawatzki doch auch für eine gute Erzählerin: In ihrem wieder autobiografisch grundierten neuen Roman schreibt sie über die späte Annäherung zwischen Mutter und Tochter. Emmi, so die Mutter, ist in die Demenz abgeglitten und kann nicht mehr kommunizieren. Es ist also auch zu spät für eine Aussprache, die sich eine Aussprache wünschte. Dann aber taucht überraschend eine Freundin der Mutter aus alten Zeiten aus und versucht, die beiden wieder zusammenzubringen. Es geht auf eine letzte Reise … nach Biarritz.

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    Angelika Steidele: „Ins Dunkel“
    Angelika Steidele: „Ins Dunkel“ Foto: Stock adobe/Bearbeitung Emrah Can
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    Angelika Steidele: „Ins Dunkel“

    Auf ein Glas Whisky mit Greta Garbo und Marlene Dietrich: Haben sie oder haben sie nicht? Miteinander gedreht? Sich geküsst? Einander geliebt? Oder sind sich diese zwei Frauen wirklich niemals begegnet? Das Verhältnis von Greta Garbo und Marlene Dietrich bleibt ein Rätsel, weil sich beide bis in den Tod darüber ausschwiegen. Doch Fantasie und Recherche füllt Lücken: Die Autorin Angela Steidele denkt sich hinein in die frühen Götter des Films. „Ins Dunkel“ ist ein Roman, in dem Diven, Künstler, Pioniere der frühen Filmzeit wiederauferstehen. Es ist ein Drehbuch fürs Kopfkino und ein Sachbuch der Kinogeschichte.

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    Thomas Melle: „Haus zur Sonne“
    Thomas Melle: „Haus zur Sonne“ Foto: Stock adobe/Bearbeitung Emrah Can
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    Thomas Melle: „Haus zur Sonne“

    Man wünscht dem Autor Thomas Melle, er hätte nicht diesen, sondern einen anderen Roman schreiben können. Der Schriftsteller leidet an einer bipolaren Störung. Darüber schrieb er bereits in seinem Roman „Die Welt im Rücken“, der mit den Worten endet: „Die Hoffnung heißt: nie wieder manisch werden.“ Das jedoch ist passiert. Über seinen neuerlichen Absturz erzählt er beeindruckend nun im „Haus zur Sonne“, nominiert für den Deutschen Buchpreis. Dessen Ich-Erzähler trägt das gleiche Schicksal wie der Autor. Im Jobcenter entdeckt er einen Flyer, angepriesen wird das „Pilotprojekt zur Lebensverbesserung, Traumverwirklichung, Selbstabschaffung“, offiziell unterstützt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit. Satire, wie er zuerst vermutet? Nein, da ist er also, der Weg ins Haus zur Sonne, eine Art Sanatorium für Lebensmüde – ein dystopischer Albtraum. Der aber erst einmal genau das hält, was der Flyer verspricht. Ein unglaublicher Roman, eine der eindrücklichsten Lektüren dieses Herbstes.

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    Verena Keßler: „Gym“
    Verena Keßler: „Gym“ Foto: Stock adobe/Bearbeitung Emrah Can
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    Verena Keßler: „Gym“

    Was Verena Keßler uns mit ihrem dritten Roman „Gym“ serviert, ist bissig, überdreht und garantiert ohne Wohlfühlgarantie. Im Zentrum der Geschichte steht die namenlose Ich-Erzählerin, die in einem Fitnessstudio anheuert, allerdings dank einer glatten Lüge: Ein erfundenes Baby soll ihr den Job sichern. Doch das ist nicht ihr einziges Geheimnis. „Gym“erzählt von einer Gesellschaft, die sich ständig vergleicht, optimiert und misst, bis der Druck so groß wird, dass alles zusammenbricht. Und das endet nicht gut...

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    Nelio Biedermann: „Lázár“
    Nelio Biedermann: „Lázár“ Foto: Stock adobe/Bearbeitung Emrah Can
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    Nelio Biedermann: „Lázár“

    Nelio Biedermann gilt mit seinen 22 Jahren als das literarische Talent der Stunde, sein zweiter Roman „Lázár“ begeistert die Kritik und den Buchmarkt. Denn der junge Schweizer hat nach den Wurzeln seiner Familie geforscht und ist dafür nach Ungarn gereist, zum Schloss seiner adeligen Ahnen: In seinem Roman erzählt er nun vom Schicksal einer ungarischen Adelsfamilie, von Lust, Liebe und Zeitenwandel in der untergehenden Donaumonarchie. Buddenbrooks auf Ungarisch? Ein opulentes Familienepos auf jeden Fall.

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    Thomas Pynchon: „Schattennummer“
    Thomas Pynchon: „Schattennummer“ Foto: Bearbeitung Emrah Can
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    Thomas Pynchon: „Schattennummer“

    Der Rezensent würde dem amerikanischen Schriftsteller Thomas Pynchon, 88 Jahre alt, am liebsten eigenhändig den Literatur-Nobelpreis verleihen. In „Schattennummer“ bringt der noch einmal virtuos Quatsch und Kunst zusammen, mit einer unbändigen Lust am Erzählen und einer überbordenden Freude am Formulieren. Der Inhalt, lesen Sie hier die Rezension, ist komplex, oder sagen wir so: Ein aberwitziger, vor Ideen übersprudelnder Ritt auf der Rasierklinge.

    Josephine Quinn: „Der Westen“ 
    Josephine Quinn: „Der Westen“  Foto: Bearbeitung Emrah Can
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    Josephine Quinn: „Der Westen“

    Gerade als es mit ihm vermeintlich zu Ende geht, ist er wieder in aller Munde: der Westen. Aber wo hört er auf? Wer darf mit rein? Seit wann gibt es den? Worauf wird sich da berufen? All diese Fragen versucht die britische Althistorikerin Josephine Quinn zu beantworten – und blickt dafür in „Der Westen. Eine Erfindung der globalen Welt“ zunftgemäß ganze 4.000 Jahre in die Vergangenheit. Eine europäische Heldengeschichte ist das übrigens bei ihr nicht, aber ein ungeheuer gut zu lesendes Werk, das einen hier im Westen ganz schön nachdenklich machen kann.

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    Götz Aly: „Wie konnte das geschehen“
    Götz Aly: „Wie konnte das geschehen“ Foto: Bearbeitung Emrah Can
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    Götz Aly: „Wie konnte das geschehen“

    Auch wenn man schon viel über die Zeit des Nationalsozialismus gelesen haben sollte, ein neuer Götz Aly lohnt sich immer. Sein Blick als Historiker auf die Zeit ist besonders, im neuen Buch geht er von Anfang an der Frage nach, wie das geschehen konnte, wie Deutschland unter nationalsozialistischer Diktatur Kriegsverbrechen in nie geahntem Ausmaß begehen konnte und gleichzeitig einen Völkermord. Seine Analyse zeigt einem, wie raffiniert die Nazis die Bevölkerung in ihre Verbrechen hineinzogen.

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