Die Wirtschaftslage in Deutschland und Bayern ist derzeit angespannt. So viele Firmenpleiten wie 2025 hat es zuletzt vor zehn Jahren gegeben. Auch in Bayern und Schwaben gab es einige Insolvenzen. Dabei waren es nicht nur kleine Betriebe, die wirtschaftlich in Schwierigkeiten geraten sind. Wir zeigen in der Übersicht, welche Firmen-Insolvenzen rund um Augsburg zuletzt für Aufsehen in der Region gesorgt haben.
Augsburger „Quecksilber-Hotel“ ist pleite – Insolvenz noch vor Eröffnung
Es sollte eine der ungewöhnlichsten Unterkünfte in Augsburg werden – und die große Attraktion im Textilviertel: Aus der ehemaligen Augsburger Kammgarnspinnerei sollte das Hotel Star Inn werden. Doch das Bauprojekt in dem alten Industriedenkmal war von Anfang an extrem ambitioniert, die Herausforderungen für die Bauherren enorm. Für mehr als 150 Anleger ist das Investment in die Immobilie über die Jahre zum Albtraum geworden. Sie haben viel Geld in das Projekt investiert und Anteile an Apartments erworben – doch kurz vor Eröffnung des frisch sanierten Hotels ist im Jahr 2022 im historischen Kesselhaus hochgiftiges Quecksilber festgestellt worden.
Den Verantwortlichen des Hotelprojekts ist im Jahr 2025 schließlich das Geld ausgegangen. Im Juni vergangenen Jahres hat die Firma AKS Business Hotel GmbH & Co. KG, die das denkmalgeschützte Gebäude entwickelt und verkauft hat, am Amtsgericht Augsburg Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Mittlerweile ist die Pleite um das „Quecksilber-Hotel“ auch für die Stadt Augsburg ein Politikum: Wurde das Areal 2018 zu früh aus dem Altlastenkataster genommen? Unter anderem um diese Frage geht es nun im juristischen Streit vor Gericht. Anleger verklagen die Stadt Augsburg auf rund 40 Millionen Euro. Inzwischen kann auch eine Gefährdung des Grundwassers nicht mehr ausgeschlossen werden.
Aus für Thalia, Mephisto und Lechflimmern – in Augsburgs Kinos gehen die Lichter aus
Ob Freilichtkino im Plärrerbad, Café am Obstmarkt oder die Programmkinos Thalia, Savoy und Mephisto im Augsburger Kinodreieck: Franz Fischer und Ellen Gratza waren mit ihrer ARB Kino GmbH über Jahrzehnte eine Institution im Augsburger Kulturleben. Als sie im Dezember 2025 Insolvenz anmeldeten, war das nicht nur für die 70 Mitarbeitenden, sondern auch für Kinobesucher ein Schock. Die Ursachen für die Pleite waren vielschichtig: Einerseits belasteten stark gestiegene Investitions-Kosten des Savoy-Umbaus das Unternehmen, aber auch rückläufige Besucherzahlen, ein immer größeres Angebot der Streamingdienste und eine allgemein schlechte Konjunktur hätten die Lage verschärft, hieß es.
Hinzu kam ein persönlicher Schicksalsschlag: Franz Fischer, das Gesicht der Augsburger Kinos, war im Oktober 2025 schwer erkrankt. Schon vor Bekanntwerden der Insolvenz war der 67-Jährige seit Längerem nicht mehr in Erscheinung getreten. Die gute Nachricht für sein Lebenswerk folgte Anfang Februar 2026: Das Thalia-Kino und das Café sind gerettet – und werden ab 1. März von den Betreibern des Liliom-Kino übernommen. Weniger Hoffnung gibt es für die anderen Kinos Savoy und Mephisto. Auch wie es um das Freilichtkino Lechflimmern im Augsburger Plärrerbad bestellt ist, ist weiter offen. Auch die Zukunft der beiden Altstadtkinos in Ingolstadt, die ebenfalls zur ARB Kino GmbH von Fischer und Gratza gehören, ist ungewiss.
Insolvenz bei Feneberg: Allgäuer Lebensmittelhändler aus Kempten insolvent
Die anhaltend angespannte Lage in der Wirtschaft trifft auch das Allgäuer Unternehmen Feneberg. Anfang Januar hat die Feneberg Lebensmittel GmbH beim Amtsgericht Kempten ein Schutzschirmverfahren beantragt. Mit rund 3000 Beschäftigten und rund 70 Märkten in der Region rund um den Hauptsitz Kempten ist Feneberg einer der größten selbstständigen Lebensmittelhändler bundesweit. Im Zuge der Sanierung der Unternehmensfinanzen soll das Filialnetz überprüft werden – langfristig unrentable Standorte kommen auf den Prüfstand.
Die Feneberg-Filiale in der Augsburger City-Galerie bleibe erhalten, heißt es von Seiten des Unternehmens. Von der Insolvenz des Lebensmittelhändlers aus dem Allgäu sind aber nicht nur Beschäftigte und einige Filialen betroffen. Auch die Edeka-Gruppe Südbayern wird Verluste hinnehmen müssen, da sie Feneberg ungesicherte Kredite zugebilligt hatte. Und auch alle Kunden, die zuletzt Gutscheine von Feneberg gekauft oder bekommen haben, büßen deren Warenwert ein. Gutscheine gelten im Zuge eines Insolvenzverfahrens als Insolvenzmasse und können allenfalls im Laufe des Verfahrens als Anspruch angemeldet werden.
German Bionic – Tech-Startup aus Region Augsburg insolvent
Es war einmal ein gefeiertes Startup aus dem Hightech-Bereich: Der Augsburger Robotik- und Tragehilfen-Spezialist German Bionic machte seit seiner Gründung 2017 als Entwickler und Hersteller von Exoskeletten von sich reden. Ende des Jahres 2020 noch wollten internationale Investoren rund 20 Millionen US-Dollar in das Unternehmen investieren. Die Produkte sollten international vertrieben werden.
Doch im vergangenen Jahr folgt überraschend die schlechte Nachricht: Im November 2025 muss German Bionic Insolvenz anmelden. Grund war nach Angaben aus dem Unternehmen eine gescheiterte Finanzierungsrunde. Offenbar hatten Investoren ihre Finanzierungszusagen zurückgenommen. So kam es trotz einer positiven Umsatzentwicklung zum Liquiditäts-Engpass. Nun ist man gemeinsam mit einem Insolvenzverwalter auf der Suche nach neuen Investoren, die möglichst noch im ersten Quartal 2026 gefunden werden sollen.
Fassaden für FCA-Stadion und EZB: Insolvenz bei Roschmann aus Gersthofen
Diese Fassaden aus der Region Augsburg sind auf der ganzen Welt zu finden: Nicht nur die WWK-Arena in Augsburg oder der Hauptsitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt gehören zum Produktportfolio von Roschmann. Auch die Fassaden des Norwegische Nationalmuseum in Oslo oder des International Spy Museum in Washington D.C. kommen aus der Region. Die Firma aus Gersthofen hat sich vom Glasereibetrieb zum international tätigen Hightech-Fassadenbauer entwickelt. Und trotzdem geriet Roschmann in die Krise: Schon im Frühjahr 2025 verzeichnete man einen deutlichen Rückgang der Gesamtleistung.
Als Ursachen werden seitens des Unternehmens eine schwächere Marktentwicklung, weniger Aufträge sowie unverschuldete projektbezogene Verzögerungen bei Großaufträgen genannt. In der Folge sei es zu verspäteten Zahlungseingängen gekommen, die zur Insolvenz führten. Dieter Roschmann, der das Unternehmen vom Ein-Mann-Betrieb zur international tätigen Gruppe entwickelte und 2017 an die RAG-Stiftung verkauft hatte, zeigte sich angesichts der Insolvenznachricht erschüttert. Im Oktober 2025 wurde klar: 100 Arbeitsplätze bei Roschmann Stahl und Glas werden abgebaut, 50 können erhalten bleiben.
Trotz Unterstützung durch Cathy Hummels: Augsburger Startup Hye ist pleite
Was für eine Nachricht war das im Herbst 2021: Cathy Hummels und die gefeierten Gründer des Augsburger Startups „Little Lunch“ Denis und Daniel Gibisch investieren gemeinsam in ein Getränk, das gegen Stress helfen soll. Für ihre Kreation „hye“ setzten sie neben Vitaminen und Fruchtextrakten auf Nahrungsergänzungsmittel, denen entspannende und stimmungsaufhellende Wirkungen nachgesagt werden. Für die teils etwas zu vollmundigen Versprechungen kassierte „Hye“ eine Abmahnung von foodwatch.
Und der Lebensmittelmarkt war auch mit Unterstützung von Cathy Hummels nicht einfach zu erobern. Neben einem guten Produkt sind auch gutes Marketing und bekannte Geldgeber gefragt. Doch die Hoffnungen, die alle Beteiligten in das Unternehmen gesetzt hatten, wurden enttäuscht: Das Getränke-Startup „Hye“ ging pleite – Mitte September 2025 hat das Amtsgericht Augsburg ein Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnet.
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