Sonntag, 19. November 2017

16. Oktober 2017 00:33 Uhr

Festival

Ein Faust, wie er so nicht bei Goethe steht

Zur klapps-Eröffnung spielt das Ambrella Figurentheater den Klassiker. Und legt die Messlatte ganz hoch.

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Goethe schrieb 60 Jahre am „Faust“ – aber wie es wirklich war mit dem Doktor und Magier, das weiß nur der Kasper der sächsischen Puppenspielerdynastie Richter. „Gekürzt und wesentlich verbessert“ gab der Holzkopf die Geschichte zum Auftakt des klapps-Festivals im ausverkauften Abraxas wieder – und legte die Messlatte für die anderen Figurentheater-Ensembles ganz hoch.

Heike Klockmeier vom Ambrella Figurentheater Hamburg spielt großes Welttheater in der Guckkasten-Kulisse eines Zirkuswagens. Der liebe Gott persönlich tritt auf, um dem schmierigen Mephistopheles im krachbunten Gewand des Gecks und mit auskragender Stirntolle freie Hand zu geben, den Doktor Faust in seinem höheren Streben auf die dunkle Seite zu ziehen. Als Hexe mit Wuschelmähne und krummer Nase rührt sie selbst den effektvoll dampfenden Zaubertrank an, der Faust um 30 Jahre jünger macht.

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Einen Unterschied zwischen ihren Handpuppen und ihrem Schauspiel gibt es nicht. Munter mischen sich belebte und lebendige Personen, zuweilen darf die Fantasie der Zuschauer imaginieren, was man auf der Bühne nur ahnt. Drei Gläser genügen, damit sich die Zechrunde in Auerbachs Keller einfindet. Vieles trägt zur verblüffenden Wirkung die unglaubliche stimmliche Wandlungsfähigkeit von Heike Klockmeier bei. Alle Rollen spricht sie alleine – oft in Goethes originalen Versen –, am liebsten den sächselnden Kasper, der das Spiel moderiert. Ihr Partner Jürgen Maaßen, der die ausdrucksstarken, karikaturhaften Puppen geschnitzt hat, assistiert von der Seite mit Tönen und Musiken.

Die Tragödie steuert bei Ambrella einem glücklichen Ausgang zu. Mag auch das betrogene, engelhafte Gretchen als Kindsmörderin im Kerker schmachten, sie wird selig in den Himmel auffahren. Selbst Faust ist am Ende nicht der Teufelsbraten. Mag ihn auch die graue Sorge noch erschrecken, er darf ins Helle gehen. Ambrella hat immer noch eine Überraschung in der Hinterhand – und sei’s ein verdammt aktuell klingender Vers des alten Goethe: „Nehmen wir dem Teufel die Arbeit ab, gründen wir eine Bank.“

Christoph Mayer, der Vorsitzende des ausrichtenden Vereins der Freunde des Augsburger Puppenspiels, konnte mit dem ersten Wochenende des klapps-Festivals hoch zufrieden sein. Professionelle Bühnen, motiviertes Publikum und eine reibungslos funktionierende Spielstätte ergeben ein Erfolgsrezept. Als kleine Schwester der Augsburger Puppenspieltage gegründet, besteht klapps schon länger und gewinnt jedes Mal mehr an Format.

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Ein Artikel von
Alois Knoller

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