Sonntag, 19. November 2017

11. Oktober 2010 05:47 Uhr

Im Schnürlgehänge am Wolfgangsee

Illusion oder Transparenz auf der Bühne? Darüber muss ein Puppentheater wohl bei jeder Produktion entscheiden - besonders, wenn sie für Erwachsene gedacht ist und vor allem bei scheinbar so unbeschwerter Unterhaltung wie "Im Weißen Rössl". Soll die fröhlich sich ver- und entliebende Miniaturwelt in der Puppentheaterversion von Ralph Benatzkys Revue wie am Schnürchen nach allen Regeln der illusionären Kunst inszeniert werden? - oder übt der Puppen-Strippenzieher sein Metier am seidenen Faden sichtbar aus, spielt er gar mit? Von Stephanie Knauer

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Das Kobalt Figurentheater Lübeck, bestehend aus zwei Spielern, entschied sich für Letzteres und landete beim Publikum im Kulturhaus abraxas einen Volltreffer. Sein "Weißes Rössl", eine aus Poesie und Kalauer, Fantasie und Spielwitz bestehende Mischung, die sich bis in die Puppenphysiognomien hinein an der Fassung der Berliner Bühne "Bar jeder Vernunft" von 1994 anlehnte, eröffnete am Freitagabend das Augsburger Klapps-Puppentheaterfestival.

Gespielt wurde vornehmlich mit Stabpuppen und Silhouetten, in der erotisch aufgeladenen Badeszene auch mit niedlichen Handpuppen. Der Kaiser erhielt Übergröße: Angetan mit einem Zwitter aus Allongeperücke und Dreadlocks als Karikatur des rauschenden Rosshaarbusches auf dem Kaiserhelm übernahm Stephan Schlafke die Rolle des klischeegerecht gütigen Souveräns.

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Aus dunklen Wolken blitzt es Hakenkreuze

Die Akteure aus Lübeck erwiesen sich als Multitaskingtalente. Zu ihrem lebendigen Puppenspiel kamen individuelle Stimmgebung und Dialekte. Zudem sangen Silke Technau und Stefan Schlafke die berühmten Nummern treffsicher zu der vom Band kommenden Begleitung, die mit schrägen Anklängen à la Kurt Weill glänzte. Die historische Tragik des "Weißen Rössls", seine Verfemung als "entartet" unter den Nazis, die Vertreibung oder Ermordung der Mitwirkenden, kam ebenfalls zur Sprache. Der Chor "Wenn es hier mal richtig regnet" wurde zur politischen Schlechtwetterzeit mit Hakenkreuzblitzen und unverkennbarem Totenkopf im dunklen Wolkenberg umgedeutet.

"Der gestiefelte Kater" am Folgenachmittag, eine Solovorstellung von Stefan Schlafke und für die Großen ebenso geeignet wie für die Kleinen ab drei Jahren, war von solchem Grauen unbeschwert. In dieser witzig modernisierten Märchenproduktion mit träumerisch verspielter Klaviermusik vom Band bezauberte das Kobalt Figurentheater mit einem Kaleidoskop aus Poesie, Fantasie und trickreicher "Bühnenmaschinerie". Ein großer, eckiger, drehbarer Sonnenschirm wurde zur Wandelkulisse, jedes Stoffviertel zwischen den Speichen trug ein anderes Bühnenbild. Die Handpuppen wechselten ihre Kleider und zogen rote Stiefel an, die Mühle drehte sich langsam, und das ratternde, tuckernde königliche Auto hatte bewegliche Insassen. Puppenspieler Schlafke zeigte Wandelbarkeit, gackerte, kreischte, miaute oder brüllte wie ein Löwe, in den sich der eitle Zauberer verwandelte. Sehr empfehlenswert.

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Lübeck | Kurt Weill

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