Sonntag, 20. August 2017

20. März 2017 00:37 Uhr

Wer war Elia?

Ein Platz im Himmel für den Propheten Von Stefanie Schoene

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Der zweitwichtigste Prophet des Alten Testaments fällt aus der Reihe. Nicht nur, dass er als einziger der vielen Propheten Israels in den Himmel auffuhr. Auch im irdischen Leben unterschied sich seine Arbeitsauffassung von der seiner Vorgänger. Nils Ederberg, Referent des traditionellen Augsburger Lehrhauses von Rabbiner Henry Brand, bezeichnet Elia in einem Vortrag als außergewöhnlichen „Orakelmann“. Für das Judentum sei er wichtig, wenn auch nicht konstitutiv.

Elia, der zwischen 900 und 850 vor Christus im Nordreich Israels lebte, sagte dem König Ahab eine dreijährige Dürre voraus. „Propheten lebten gefährlich“, erklärt der Lehrhaus-Referent, der in Potsdam Aramäisch und Liturgie lehrt. Wenn positive Voraussagen nicht eintrafen, verloren sie nicht selten ihr Leben. Elia, der die Vielgötterei seiner Zeit kritisierte, schoss mit seinem Negativ-Orakel sogar noch über dieses Ziel hinaus. Er provozierte zudem die Elite der königlichen Baal-Geistlichkeit und forderte 450 Priester auf dem Berg Karmel zu einer Machtprobe. Während Baal keinen Funken für das geplante Stieropfer entfachte, hatte Elias Gebet Erfolg. Sein Gott entzündete das Feuer – und das, obwohl die Opferstätte vorher noch mit Wasser getränkt worden war. Die Baal-Priester wurden hingerichtet. Elia musste fliehen. In der Wüste wird er von einem Engel genährt. Auch seine Gotteserscheinung unterscheidet ihn von früheren und späteren Prophetenkollegen: Statt eines Donners oder Feuers hört er eine leise Stimme, die ihm verschiedene Aufgaben zuflüstert. Am Ende der dramatischen Elia-Erzählungen steigt er schließlich in einem Sturmwind zum Himmel auf.

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Der Prophet Maleachi kündigte die Wiederkunft des nach jüdischer Überlieferung lebenden Elias an. Er werde Wegbereiter des Messias sein. Im jüdischen Ritus hat er daher einen festen Platz. So wird etwa zum Ende des Sabbats – bevor der Alltag wieder beginnt – des Propheten gedacht. „Denn vielleicht kommt er ja in dieser Woche und mit ihm der ersehnte Erlöser. In der Volksfrömmigkeit ist er Hoffnung und Mittler zwischen Himmel und Erde“, erklärt Nils Ederberg.

Der große, verzweifelte Elia, wie ihn der Komponist Felix Mendelsohn in seinem berühmten Oratorium darstellt, sei der jüdischen Literatur und Exegese allerdings fremd. Zur rabbinischen Tradition gehöre es, Brüche und Zweifel von Auserwählten wegzudiskutieren. „Propheten müssen perfekt sein. Im Gegensatz zum Christentum, in dem die menschliche Fehlbarkeit durch anschließende Gottesgnade wettgemacht wird“, so Ederberg.

Zum 100-jährigen Bestehen der Augsburger Synagoge führen das Friedberger Kammerorchester und das Augsburger Vokalensemble Felix Mendelsohns „Elia“ am 2. Juli um 17 Uhr in der Synagoge auf.

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