Dienstag, 27. Juni 2017

10. April 2017 09:43 Uhr

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Holocaust in Schwaben: Das waren die KZ-Außenlager in der Region

In Landsberg soll ein Dokumentationsort entstehen, um an das größte Außenlager des KZ Dachau zu erinnern. Nicht nur dort gab es Ableger des größten Konzentrationslagers der Nazis.

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Beim Namen Dachau denken die meisten an das dortige Konzentrationslager. Das war aber keineswegs nur auf diesen Ort beschränkt: 169 Außenstellen hatte das KZ, einige auch in Schwaben. Somit war es nicht nur das erste Arbeits- und Vernichtungslager, das vom NS-Regime errichtet wurde, sondern gleichzeitig auch das größte und am weitesten verzweigte.

Der größte Außenlager-Komplex fand sich in und um Landsberg. Dort soll nun ein Informationsort entstehen, um an die bewegte Vergangenheit der Stadt vor, während und nach der Nazizeit zu erinnern und auf andere Gedenkstätten zu verweisen. Das beschloss der Stadtrat am Mittwochabend. Man wolle in angemessener Form an das Geschehen während des NS-Regimes erinnern. Dazu soll es eine zentrale Anlaufstelle vermutlich im Umfeld des Historischen Rathauses geben.

Wo sich die KZ-Außenlager in der Region befanden

Ein Netz von sogenannten Außenkommandos überzog von Dachau aus das Land. Diese Lager und Stätten, die oft weit entfernt waren vom Hauptlager, dienten der Versorgung von SS-eigenen Betrieben oder Rüstungsfirmen mit Arbeitskräften. Auch der Aufbau von neuen Produktionsstätten fiel in ihren Aufgabenbereich. Oft mussten die Gefangenen auch nach Luftangriffen bei den Aufräumarbeiten mithelfen. Ihnen wurden meist die gefährlichsten und unangenehmsten Arbeiten zugeteilt: Bomben unter dem Trümmerschutt suchen oder Sprengkörper entschärfen.

In unserer Karte sehen Sie, wo sich in der Region Außenlager befanden. Wenn Sie mit der Maus über die einzelnen Markierungspunkte fahren, erhalten Sie weitere Informationen zum jeweiligen Lager:

Zwangsarbeiter wurden an Unternehmen, Behörden und Politiker "vermietet"

Wie auf der Internetseite des Bayerischen Bildungsministeriums zu erfahren ist, wurden Gefangene des Dachauer Konzentrationslagers auch an Unternehmen "vermietet", unter anderem in vielen Orten in Bayern, Württemberg und Baden, aber auch in Salzburg, Tirol, Oberösterreich und Vorarlberg. Sie waren für Firmen in der Baubranche und der Rüstungsproduktion tätig sowie für SS-eigene Einrichtungen wie das "Institut für wehrwissenschaftliche Zweckforschung", wo sie medizinische Versuche über sich ergehen lassen mussten.

Auch Behörden und Politiker bedienten sich der Zwangsarbeiter: So waren Dachauer Gefangene zum Beispiel für die Parteikanzlei in München, das Reichsstraßenbauamt Innsbruck, die Geheime Staatspolizei München oder die Polizeidirektion Salzburg tätig, aber auch für die Landräte von Freising, Ingolstadt, Sonthofen, Starnberg, Weilheim und die Oberbürgermeister von Augsburg, München, Kempten.

Leben unter unmenschlichen Bedingungen

Die Bedingungen in den Außenlagern waren oft unmenschlich. Das Bayerische Bildungsministerium zitiert einen polnischen Häftling, der sich an das Außenlager Kaufering III bei Landsberg am Lech erinnert: „Es war dort sehr feucht, wir lagen auf bloßen Brettern, jeder Mann hatte nur eine Decke. Unter den Kopf gab es nichts. In dem einzigen kleinen Ofen wurde nur abends geheizt. Ein wenig Heizmaterial bekamen wir als Zuteilung, aber viel mehr waren wir angewiesen auf das, was ,organisiert‘ wurde.

Den ganzen Tag über wurden die Kleider und Schuhe feucht oder gänzlich durchnäßt, und natürlich genügte der kleine Ofen nicht, die Bekleidung von sechzig Menschen zu trocknen. Was tagsüber getragen wurde, das hatte man auch nachts an. Zum Umziehen gab es nichts – nur die Schuhe zogen wir aus. Zu meiner schönsten Erinnerung an Kaufering gehört, wie wohl ich mich fühlte, als ich einige Zeit in der Nähe des Ofens schlief.“

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Ein Artikel von
Sandra Liermann

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontärin

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