Samstag, 16. Dezember 2017

12. Juli 2016 11:45 Uhr

Hamlar: Tierheim-Leiterin über den „absoluten Horror“ 

Porträt Tierheimleiterin Sonja Hoffmeister erzählt aus ihrem Alltag. Jetzt im Sommer kurz vor den großen Ferien beginnt wieder eine kritische Zeit Von Petra Plaum

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Sonja Hoffmeister mit einem Eichhörnchen, das sie aufgepäppelt hat. Sie genießt es, wenn es ihren Schützlingen besser geht.
Foto: Petra Plaum

Bäumenheim-Hamlar Behutsam hält Sonja Hoffmeister das zwei Wochen junge Eichhörnchen fest. Das namenlose Jungtier, eben noch ganz zappelig, ist nun voll und ganz damit beschäftigt, das Puppenfläschchen voller Spezialmilch zu leeren. „Alle zwei Stunden füttere ich die Kleinen“, schildert Sonja Hoffmeister. Nachts natürlich auch. So ist das halt, wenn man Babys retten will!

Dass sie einmal in Bayerisch-Schwaben landen würde, um ihr Leben Hund, Katz, Kleinnagern, Ziegen, Vögeln und anderen zu widmen, scheint Hoffmeister noch immer zu überraschen. Obwohl sie inzwischen 17 Jahre hier lebt und seit 15 davon das Tierheim in Hamlar leitet. Geboren wurde sie 1948 in Thüringen, wo sie zunächst Blumen- und Kranzbinderin lernte, jung heiratete und eine Tochter bekam.

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„Berufe hatte ich einige“, berichtet Hoffmeister. Lange arbeitete sie als Verladestellenleiterin für Schrott, trennte wertlose Stoffe von wertvollen Metallen. Damals schon galt: „Tierquälerei war für mich immer der absolute Horror.“ Um sie herum, zu DDR-Zeiten, hatte der Tierschutz allerdings keine Lobby. Kaum war die Mauer weg, wurde Hoffmeister aktiv: „Zum Glück hatte ich einige Verbündete, die mitmachten. Also habe ich einen Tierschutzverein gegründet und wurde auch gleich zur Vorsitzenden.“ Eine Berufung, in die sie rasch hineinwuchs.

Sie und ihre Mitstreiter eigneten sich den verlassenen Stall einer ehemaligen landwirtschaftlichen Produktionsgemeinschaft an. Hier durften herrenlose Tiere fortan wohnen und auf neue Herrchen und Frauchen hoffen. „40 Hunde hatten wir ganz schnell, die wir unterbrachten“, berichte Hoffmeister, „dazu streunende Katzen. Zum Glück hatten wir eine Großküche, sodass wir Futterstellen einrichten konnten.“ Auch einen Tierarzt konnte sie dafür gewinnen, kranke Tiere zu behandeln und Katzen zu kastrieren.

Doch kaum war alles tiergerecht ausgebaut, hieß es: „Für das Gelände besteht ein Bebauungsplan, das Tierheim muss weg.“ Die Aktiven suchten und fanden einen neuen Unterschlupf, eine uralte Immobilie. Alles noch einmal von vorne... Was sie über Tiergesundheit, artgerechte Haltung verschiedener Vierbeiner und Vögel und das Vereinswesen lernen musste, eignete sich Hoffmeister in Seminaren des Deutschen Tierschutzbunds an. „So lernte ich früh, wie das in der BRD gehandhabt wurde“, berichtet sie. Dann strahlt sie: „Ich habe auch gleich den Tierschutzpreis des Deutschen Tierschutzverbandes bekommen.“ Das Geld investierte sie natürlich in den Tierschutz.

1999 musste sich das Ehepaar Hoffmeister beruflich neuorientieren. Es suchte bundesweit. Das Tierheim im Hamlar suchte damals neue Tierpfleger – der Rest ist Geschichte. Gemeinsam waren beide für die Tiere da, bis Wolfgang Hoffmeister 2010 starb. Seit 2001 leitet Sonja Hoffmeister das Tierheim – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Die Zahl der Bewohner schwankt täglich, momentan sind es ungefähr 120, wie die Tierheimleiterin sagt. Und seufzt, wenn sie an den Sommer denkt: Denn alle Jahre wieder finden sich dann herrenlose Katzen und Hunde im Umland oder gleich an der Schwelle zum Tierheim, weil die Besitzer in den Urlaub wollen, aber Bello, Miezi oder Hasi dabei stören.

Das Schwierigste im Tierschutz, vermittelt Hoffmeister denn auch, sind nicht die langen Einsatzzeiten, nicht die verschmutzten Käfige, nicht Tierkrankheiten oder die ständige Unsicherheit, ob die Einnahmen des Tierschutzvereins die Ausgaben für die Bewohner decken. Es sind die Menschen. Menschen die Tiere vernachlässigen oder quälen. Menschen, die einen Schützling adoptieren wollen, aber im Gespräch sofort zu erkennen geben, dass sie keine Ahnung davon haben, was Haustierhaltung bedeutet. Wer allzu oberflächlich auftritt, erntet von Hoffmeister schon mal einen Spruch wie: „Haben Sie sich schon überlegt, ob der Hund zu Ihrem Teppichboden passt?“ Ihre direkte Art hat schon manchen vor der Kopf gestoßen. Aber auch schon manches Tier vor viel Leid bewahrt – abgeholt und bald zurückgegeben zu werden, weiß Hoffmeister, traumatisiert die Vierbeiner erneut.

Tierheimleben heißt auch: Teenager treffen auf Rentner. Hundeliebhaber auf Katzenfans. Laute auf leise Menschen. Manchmal kochen die Wogen hoch, weiß Hoffmeister und bleibt doch der Fels in der Brandung.

Hoffmeisters schönster Lohn ist, wenn Haustiere in gute Hände vermittelt werden – und wenn Wildtiere wie die beiden Eichhörnchenkinder fit genug sind, um in die Wildnis zurückzuziehen. „Dass jedes Tier das für es beste Leben bekommt, das ist unser Ziel.“

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