Montag, 24. Juli 2017

19. November 2010 16:30 Uhr

Kissing

Durch eine Therapie überwand die kleine Emma ihre Sprechhemmung

Wenn Emma in der Eisdiele selbst ihre Kugeln bestellt, dann ist nicht nur die Sechsjährige auf sich stolz. Auch die Mutter macht es glücklich, wenn sie ihre Tochter mit dem Lieblingseis in der Hand sieht. Noch vor drei Monaten wäre kein Wort über die Lippen des zierlichen Mädchens gekommen. Von Heike John

i

"Rate mal, was ich geknetet habe", heißt eines der Spiele, mit dem die kleine Emma in der Praxis von Susanne Dieterle-Hautmann (links) Schritt für Schritt ihr Schweigen aufgab. Emmas Mutter und das Maskottchen Elefant sind immer mit dabei. Foto: John
Foto: John

Wenn Emma in der Eisdiele selbst ihre Kugeln bestellt, dann ist nicht nur die Sechsjährige auf sich stolz. Auch die Mutter macht es glücklich, wenn sie ihre Tochter mit dem Lieblingseis in der Hand sieht. Noch vor drei Monaten wäre kein Wort über die Lippen des zierlichen Mädchens gekommen. Nicht in der Öffentlichkeit und schon gar nicht gegenüber Fremden. Die kleine Emma gilt als Mutistin.

Lange hat ihre Mutter nichts davon gemerkt, denn das Mädchen ist zu Hause sehr lebendig und spricht viel. Erst als die drei Jahre ältere Schwester in die Schule kam und im Kindergarten nicht mehr Sprachrohr für die Jüngere sein konnte, fiel das Schweigen auf.

ANZEIGE

Emma sprach nicht, wenn sie von anderen angesprochen wurde. Außerhalb ihrer Wohnung nahm sie eine steife Haltung an und schaute weg, wenn jemand das Wort an sie richtete. Zunächst werteten die Eltern diese Haltung als große Schüchternheit, doch mit zunehmendem Alter wurde das Schweigen zum Problem.

Einige Monate vor der geplanten Einschulung war klar, dass etwas unternommen werden musste. Vor dem stationären Klinikaufenthalt als letzte Möglichkeit wurde nach Rücksprache mit dem Kinderarzt eine Therapie bei der Logopädin erwogen.

So kam Emma in die Praxis von Susanne Dieterle-Hautmann in Kissing. In zehn Therapiesitzungen gelang es der Fachfrau mit viel Geduld, dass das Mädchen im Kindergarten und sogar gegenüber Fremden nicht mehr schweigt.

Noch kommen außerhalb des engsten Familienkreises nur ganz leise Worte über die Lippen der kleinen Emma, aber ein großer Schritt ist gelungen. Mit ihrer Entscheidung, Emmas Erfolge und die Hilfe, die ihr zuteil wurde, über die Friedberger Allgemeine auch an die Öffentlichkeit zu bringen, will die Mutter nun auch anderen Betroffenen helfen.

"Ich bin ihr sehr dankbar für ihren Mut, denn noch immer wird in Fällen von Mutismus ein Trauma oder gar Missbrauch als Ursache unterstellt", erklärt die Logopädin aus Kissing. Zu viel Öffentlichkeit will die Familie nicht, schließlich soll Emma weiter Fortschritte machen und sich ungestört entwickeln können. Aber wichtig ist es den Eltern schon, dass auch andere Unterstützung erfahren.

Hilfe bieten spezialisierte Therapeuten und Logopäden, die der Kinderarzt auf Rezept verschreiben kann. Dieterle-Hautmann therapiert seit zwei Jahren mutistische Kinder aus dem gesamten Landkreis.

Die meisten finden über die Internetadresse www.mutismus.de den Weg in ihre Praxis. Die logopädische Therapie ist verhaltenstherapeutisch orientiert und beinhaltet neben der Elternberatung und eventueller Beratung des Kindergartens oder der Schule vor allem das Spielen mit den Kindern.

Schrittweise werden die Anforderungen von sehr leichten Aufgaben an das Kind wie das Bilden von Geräuschen, Lauten oder Silben über Worte und Sätze bis zu Geschichten gesteigert. Schließlich folgen Aufgaben aus dem täglichen Leben, wie die erwähnte Bestellung in der Eisdiele oder das Brezenkaufen beim Bäcker. Und natürlich gibt es bei Fortschritten immer eine Belohnung ähnlich wie bei der Stottertherapie, auf die sich die Kissinger Logopädin ebenfalls spezialisiert hat.

Mit der systemischen Mutismustherapie nach Dr. Hartmann hatte sie auch bei Emma Erfolg. "Das Wichtigste ist zunächst, mit Eltern und Kind eine große Vertrauensbasis ohne Schuldzuweisung herzustellen", weiß Susanne Dieterle -Hautmann.

In Spielen wie "Wohin kleine Raupe?" entlockte sie der stummen Emma die ersten Worte und zeigte viel Geduld und Ermutigung. Auch von der ersten erworbenen Breze im Kaufladen bis zur richtigen Breze beim Bäcker war noch mal ein langer Weg, der sich aber ohne Zweifel gelohnt hat.

i

Ihr Wetter in Friedberg
24.07.1724.07.1725.07.1726.07.17
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                Regenschauer
	                                            Wetter
	                                            Gewitter
                                                Wetter
                                                Regen
Unwetter12 C | 18 C
12 C | 16 C
12 C | 16 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Top-Angebote


Bauen + Wohnen

Beilage: Ferien Journal

Alle Infos zum Messenger-Dienst
Unternehmen aus der Region

Bade-Seen in der Region

Partnersuche