Donnerstag, 23. Oktober 2014

10. Juli 2010 05:36 Uhr

Wo echte Männer noch Blut und Wasser schwitzen

Rehling Die Bäume rund um sein Elternhaus in Neuburg sind tabu, zum Üben kauft sich Manfred Kröpfl aus Rehling günstiges Pappelholz vom Staat. Sonst würde ihm sein Vater aufs Dach steigen. Obwohl der indirekt für das ungewöhnliche Hobby seines Sohnes verantwortlich sein könnte: Kröpfl ist Sportholzfäller. Heute kämpft der 26-Jährige bei brütender Sommerhitze um den Einzug zur deutschen Meisterschaft in einem Vorentscheid. Der findet bei der Landesgartenschau in Hemer (Nordrhein-Westfalen) statt. Kröpfls Ziel heute: Die Qualifikation schaffen. Sein Traum: "Einmal Weltmeister werden, das wär's." Von Barbara Worschech

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Die Leidenschaft für Bäume liegt in der Familie

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, der seinen Anfang in Kröpfls Kindheit genommen hat. Schon mit sechs Jahren habe er gerne mit Sägen hantiert. Da kommt auch sein Vater wieder ins Spiel, er ist Forstwirt. Die Leidenschaft für Bäume liegt somit in der Familie. Doch wie kommt man vom Nutzen zur Sportart Holzfällen? Kröpfls Freundin Manuela Finsterer hat ihm 2008 zu Weihnachten ein Probetraining geschenkt, "dass ich ihn halt mal zwei Tage los hab'", sagt sie und lacht. Diese zwei Tage beschreibt der 26-Jährige als "wie schon mal erlebt". Es sei ihm vorgekommen, als hätte er gesucht, aber erst dort das Richtige für sich gefunden.

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Darin bestätigt ihn der Erfolg, der sich kurz nach dem ersten Probetraining einstellte. Nur fünf Monate später, im August 2009, belegte Kröpfl den dritten Platz bei einem Nachwuchs-Cup im Freizeitpark Tripsdrill, "ohne großes Training", wie er sagt. Seine Freundin fügt hinzu: "Den hat er aber nicht mit Technik gewonnen, sondern mit Gewalt." Seinem muskulösen Oberkörper ist es anzusehen, dass viel Kraft in ihm steckt. Doch wenn er über "seine" Sportart spricht, betont er, wie wichtig das Zusammenspiel verschiedener Fähigkeiten ist: "Die Kunst ist, Disziplin, Kraft und Präzision unter einen Hut zu bringen."

Diese Kombination müssen die Männer bei den Wettkämpfen der "Stihl Timbersports Series" in sechs Disziplinen beweisen, erläutert Kröpfl: Je schneller der Stamm durch ist, desto mehr Punkte gibt es und alle zählen zum Gesamtergebnis. Bei den Sägewettbewerben treten die Athleten mit einer zwei Meter langen Zugsäge, einer handelsüblichen Motorsäge und einer 75-PS-Sportsäge gegeneinander an. Bei den Axt-Disziplinen gilt es, einen stehenden und einen liegenden Stamm zu spalten und einen Stamm mithilfe des "Springboards" zu erklimmen und oben einen Holzblock zu teilen. Diese Disziplin gehört zu Kröpfls Favoriten. Spektakulär sieht sie auf jeden Fall aus. Das dürfte auch ein Grund sein, warum das Sportholzfällen auch in Deutschland so viele, oft über tausend Zuschauer anlockt, obwohl nur wenige es ausüben. Und Finsterer verrät noch einen: "Es ist toll zu sehen, wie echte Männer da noch Blut und Wasser schwitzen." Nur heute wird sie nicht dabei sein, um ihren Freund zu unterstützen. Die weite Fahrt und die Hitze halten sie davon ab. Die sieht Kröpfl selbst allerdings als Vorteil. Denn der selbstständige Gerüstbauer ist die Arbeit in der Sonne bei über 30 Grad gewöhnt. Sein Job hindert ihn jedoch daran, mehr als zweimal pro Woche zu trainieren. Auf ein Weiterkommen lassen ihn dennoch "gute Voraussetzungen und Talent" hoffen.

Mindestens Europameister möchte er werden

Unter die ersten zehn von 17 Teilnehmern will der 1,97-Meter-Mann es schaffen und sich qualifizieren. Doch das soll längst nicht der Höhepunkt sein. Falls es mit der Weltmeisterschaft nicht klappt, dann möchte er wenigstens Europameister werden.

Die Sportart auch in Bayern bekannter zu machen, dürfte ihm mit derartigen Erfolgen auf jeden Fall gelingen. Seine Freundin hätte diesbezüglich auch eine Idee: "So einen Vorentscheid mal auf Schloss Scherneck zu veranstalten, das wäre der absolute Hammer." Kröpfl hat sie mit seiner Leidenschaft schnell angesteckt, nur über eins sind sie sich uneins: Sie wünscht sich einen Holzofen in der Wohnung, er kann darauf verzichten. Immerhin kann sie ihn überreden, schnell den kaputten Obstbaum im Garten zu fällen.

Besonderen Nutzen hat Kröpfls Hobby allerdings für seine Eltern, deren ganzes Haus und Warmwasser ein Ofen im Keller versorgt. Dort landet, was vom Training übrig ist: gekauftes Pappelholz natürlich und nicht die geliebten Bäume des Vaters.

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