Samstag, 16. Dezember 2017

10. Oktober 2017 18:43 Uhr

Wandertipps

Das sind die sechs besten Wanderwege in Südtirol

In Südtirol ist es jetzt, im Herbst, wunderschön. Doch welche Almen und Täler lohnen sich besonders? Fünf unserer Autoren machten sich auf den Weg. Das fanden sie heraus.

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Südtirol von seiner schönsten Seite.
Fotolia

Die Seiser Alm: Wo Steine sprechen

Seiser Alm geht immer, fast immer. Auch noch in der zweiten Oktoberhälfte. Wenn die Seilbahnen ringsum bereits ihren Dienst eingestellt haben, schweben die Gondeln der Seiser-Alm-Bahn weiter vom Talort Seis am Schlern nach Compatsch auf der Seiser Alm – in diesem Jahr bis zum 2. November. Auch wer schon öfter da war: Immer wieder gibt es oben den Wow-Effekt. Ringsum imposante Bergmassive und ganz nah das Wahrzeichen Südtirols, der Schlern mit den beiden Felsnadeln Santner- und Euringerspitze.

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Auf Europas größter Hochalm lassen sich Spaziergänge und Wanderungen in jeder beliebigen Länge unternehmen. Obwohl viele Wege ohne große Steigung verlaufen, bieten sie immer wieder neue Einblicke und Aussichten. Wir empfehlen heute zusätzlich den Abstieg durch eine wildromantische Schlucht auf dem Geologensteig. Der abseits gelegene und daher auch nicht überlaufene Pfad ist mit Infotafeln und steinernen Exponaten ausgestattet, die auch Nicht-Geologen einen Blick in das Innenleben der Südtiroler Berge erlauben.

Der Weg führt zunächst von Compatsch auf der Alm-Hochfläche zur Jausenstation Prossliner Schwaige (bis 19. Oktober offen). Nun geht es auf engem und teils steilem, aber gut ausgebautem Pfad bergab, Steilhänge querend, teils nah am Fels, an Wasserfällen vorbei bis Bad Ratzes und nach Seis. (Winfried Züfle)

 

Das Pflerschtal: Auf Dolomieus Spuren

Jetzt, wenn die hohen Gräser sich golden-rotbraun gefärbt haben, ist es vielleicht am schönsten. Die ersten Lärchen tragen schon helles Gelb. Weiße Schäfchenwolken spiegeln sich in den kleinen dunkelblauen Hochmoortümpeln. Ein Farbenrausch wie ihn nur der Herbst hinbekommt. Sanft schlängelt sich der Wanderweg "Dolomieu" immer auf der Anhöhe von Sterzing bis weit hinein ins Pflerschtal. Wir haben uns nur eine Etappe der langen Tour vorgenommen, sind in Ladurns mit dem Sessellift nach oben gefahren – und dann gemütlich gelaufen und gelaufen. Vielleicht zu gemütlich, denn der schmale Pfad – so schön er auch ist – zieht sich in die Länge. Die vielen Hütten in dieser Almenlandschaft, die auf der Landkarte eingezeichnet sind, haben schon zu oder sind nicht bewirtschaftet. Das muss man wissen, wenn man seinen Rucksack packt. Ein schnelles Speckbrot zwischendurch ist also nicht drin.

Dafür viele Stopps an den kleinen Info-Tafeln über Déodat Guy Sylvain Tancrède Gratet de Dolomieu. Also jenem französischen Adeligen, nach dem die Dolomiten benannt sind. Hier im Pflerschtal hat der Mineraloge Ende des 18. Jahrhunderts jenes Gestein ausgemacht und bestimmt, das die Südtiroler Berge einzigartig macht, den Dolomit. Dazu der Ausblick auf den beeindruckend Gipfel des Tribulaun. Einfach schön. (Doris Wegner)

 

Das Eisacktal: Wandern und schlemmen

63 Kilometer voller Genüsse: Wer den Keschtnweg zwischen Vahrn bei Brixen und Bozen geht, lernt einen besonderen Schatz des Eisacktals kennen – die Edelkastanie.

Jahrhundertealte Haine an den Sonnenhängen bis hin zum Rittner Hochplateau und hinunter in den Bozener Talkessel bieten eine imposante Naturkulisse und stehen besonders im Herbst für kulinarische Erlebnisse. Denn viele Gastbetriebe entlang des markierten Wanderwegs verarbeiten die Esskastanien. Ob als Suppe, Beilage, Marmelade, im Backwerk oder als kleine Stärkung am Wegesrand mit einem Glas Wein: Die Südtiroler Spezialität ist allgegenwärtig. Am Keschtnweg bieten außerdem Direktvermarkter regionale Produkte an. Dazu gibt’s Kunst- und Naturdenkmäler sowie sagenumwobene Orte, die von Hexen, Feen und Geistern erzählen. Höhepunkt der Saison sind die Kastanien-Wochen "Keschtnigl" in Feldthurns: Vom 14. Oktober bis 5. November gibt es ein buntes Programm mit Aufführungen, Konzerten, naturkundlichen Wanderungen, den "Niglmarkt" mit bäuerlichen und handwerklichen Angeboten, Marktständen und Musik sowie den "Niglsunntig" mit Musik und allerlei Schlemmereien.

Übrigens: Der Eisacktaler Kastanienwanderweg kann am Stück oder auch in mehreren Etappen zurückgelegt werden – Genuss in kleinen Portionen. (Maximilian Czysz)

 

Die Plose: Bergabenteuer auch für Kinder

Wer mit Kleinkindern unterwegs ist, weiß: Ohne ausreichende Spielmöglichkeiten wird’s schnell anstrengend. Wenn der Nachwuchs quengelt, dann ist es mit dem Naturerlebnis vorbei. Ein Glück, dass es den "Woody-Walk" gibt: So heißt der kinderwagentaugliche Panoramaweg auf der Plose, dem Hausberg von Brixen.

Die Eltern genießen den herrlichen Dolomitenblick, die Kinder toben sich an 14 Spielstationen aus. Die können besonders an Wochenenden mitunter ordentlich in Beschlag genommen und überlaufen sein. Aber was soll’s: Hauptsache, der Nachwuchs hat seinen Spaß. Plose-Blitz-Rutsche, Glockensee, Waldtelefon, Peitlerthron, Kletterbaum, Wassermühle, Barfußweg oder Wikingerschiff heißen die Erlebnisstationen zwischen der Bergstation der Kabinenbahn und der Rossalm. Die Zeit vergeht wie im Flug und statt der genervten Frage "Wie lang noch" heißt es nur: "Wann kommt die nächste Station?" Der kostenlose Spieleweg bietet sich auch als Rundwanderung an. Wegen der vielen Wasserspiele sollte unbedingt Ersatzkleidung für die Kleinsten in den Rucksack.

Ein ähnliches Angebot für den Nachwuchs gibt es übrigens auch in der Nähe von Sterzing: Auf dem neu angelegtem Parcours der Ratschingser Bergerlebniswelt auf 1800 Metern Höhe wird niemandem langweilig. (Maximilian Czysz)

 

Das Vinschgau: Wie bei den Hobbits

Bereits der Eingang zum Partschinser Waalweg lässt Eltern mit Kindern Gutes hoffen: Oberhalb von Partschins bei Salten geht es los über ein kleines Holzbrücklein über den plätschernden Bach, unter einem verwitterten Portal hindurch – eine Szenerie, wie Kinder sie lieben. Doch die Füße ins kalte Wasser zu strecken, muss noch bis zum Rückweg warten. Erst einmal geht es ohne große Steigung an Wein- und Obstgärten vorbei, teils am Hang entlang mit Panoramaaussicht auf Partschins, das Vinschgau bis zum Ortler im Westen und die Sarntaler Alpen im Osten.

Der Waal verläuft hier nicht in einer tristen Betonrinne, sondern sprudelt im Naturbett mal unter den Felsen hindurch, mal in Kurven und kleinen Sturzbächen. Der romantische Laubwald hat besonders jetzt im Herbst eine herrliche Färbung und kann stellenweise schön gruselig wirken. Riesige, moosbewachsene Findlinge und knorrige Bäume laden zum Klettern ein und mit ein bisschen Fantasie glaubt man fast, jetzt könnten jeden Moment die Hobbits hinter dem Felsen auftauchen. Die einfache Wanderung dauert etwa zwei Stunden (4,7 Kilometer). Der Weg ist nicht für Kinderwagen geeignet und ist auch in der Hochsaison nicht überlaufen.

Wer mag, kann noch 25 Minuten bis zum tosenden Partschinser Wasserfall (100 Meter Gefälle) steil hinaufsteigen. (Angela David)

 

Der Langkofel: Unterwegs in den Wunderbergen

Die Dolomiten sind verführerisch. Im Tal fühlt sich alles schon nach Süden, Sonne und Italien an, auf halber Höhe gibt es fantastisch anmutende Ebenen und dann ragen die Gipfelzacken aus der Landschaft heraus. Wunderbar zu erleben im Grödner Tal. Und dort bietet sich für das volle Erlebnis die Wanderung rund um Lang- und Plattkofel an. Dieser Rundweg fasziniert, weil er zum einen die beiden 3000er hautnah spüren lässt und zum anderen die schönsten Blicke auf die Dolomiten bietet. Der Sella-Stock, den Rosengarten und die Gletscher der Marmolada, die Seiser Alm …

Die Wanderung kann gut am Sellajoch begonnen werden. Die Strecke für die Umrundung des Lang- und Plattkofel-Massivs beträgt 17 Kilometer. Das ist als Tagestour möglich. Wer eine Besteigung des Plattkofels einplant oder es gemütlicher angehen möchte, findet auch Übernachtungsmöglichkeiten.

 

Romantisch liegt die Langkofelhütte, umgeben von den Wänden des Langkofel und Plattkofel. Ein Blick dort in alte Tourenbücher – ein Schatz der Hütte – offenbart haarsträubendste Berggeschichten von der Erstbegehung bei Blitz und Donner. Ein Schmankerl bei der Umrundung ist ein Stopp in der Comici-Hütte, dort hat man sich auf schmackhafte Kräuterküche spezialisiert. Zwei Hüttenklassiker also – allerdings für langfristige Planer. Beide sind schon zu. (Richard Mayr

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