Donnerstag, 18. Januar 2018

13. Januar 2018 07:00 Uhr

Senden

Das Lido ist bald nur noch Erinnerung

Das Sendener Kino war einer der wichtigsten Treffpunkte der Stadt. Demnächst wird es abgerissen und durch ein Mehrfamilienhaus ersetzt. Ein Rückblick. Von Angela Häusler

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Der geschwungene Namenszug über dem Eingang ist schon lange abmontiert, doch zwei vergilbte Filmplakate hängen noch in den großen Glasfenstern des markanten Kino-Gebäudes in der Sendener Hauptstraße: „Trash Detektive“, angelaufen im Februar 2016, war die letzte Produktion, die hier gezeigt wurde. Seither flimmerte nichts mehr auf der Leinwand des Lido. Und schon bald wird das kleine Sendener Lichtspielhaus Geschichte sein: Die Bagger rücken demnächst an.

„Wir sind gerade dabei, alles für den Abriss vorzubereiten“, sagt Denis Hadzalic, der das Kinogebäude vor rund zwei Jahren gekauft hat, im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Inhaber eines Ulmer Fliesenlegerbetriebs wird auf dem Grundstück neu bauen, er rechnet damit, dass das Gebäude in circa 14 Monaten fertig sein wird.

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Zunächst hatte er vorgehabt, den Altbau zu erhalten und weiter zu nutzen. Die Substanz des Nachkriegsbaues aber habe sich als zu schadhaft erwiesen. Jetzt wird ein ganz neues Haus mit zwölf Wohneinheiten und Geschäftsräumen im Erdgeschoss entstehen. Hadzalic hat nur noch auf die Abrissgenehmigung gewartet – diese hat das Neu-Ulmer Landratsamt nun erteilt. „Wir stimmen uns jetzt mit den Handwerkern ab, damit der Bau gleich im Anschluss losgehen kann“, so der Eigentümer. Die Ladenräume im Erdgeschoss will er vermieten.

Mehrere Generationen von Kinogängern müssen sich nun endgültig von dem gelb-roten Gebäude mit der prägnanten Front in der Ayer Hauptstraße verabschieden, mit dem sie so manche Jugenderinnerung verbinden. Denn die Geschichte des „Kino Lido“ ist lang, wurde es doch seit 1952 vom Gründerpaar Ludwig und Martha Schuster betrieben, später übernahm Sohn Gunther das Lichtspielhaus. Zu seinen Glanzzeiten war das Lido abendlicher Treffpunkt der Sendener Jugend, die sich hier aufgehübscht zum Kinobesuch versammelte. Und Generationen von Kindern haben im Lido ihre ersten Kinofilme bestaunt. „Ich erinnere mich gut, dass hier immer sonntags Märchen liefen“, berichtet etwa die Sendenerin Elisabeth Czermak, „und die roten Samt-Sessel im Saal fand ich einfach wunderschön.“ Auch Hilde Zinsmeister erinnert sich an einen ihrer Jugend-Kinobesuche in Senden. „Ich habe in Senden Ben Hur gesehen – ich saß in der ersten Reihe, und hatte tagelang einen steifen Nacken, weil ich drei Stunden lang hochgeschaut hatte“, erzählt sie und schmunzelt.

Mit den Jahren war das Lido aber immer mehr ins Hintertreffen geraten, konnte sich gegen wachsende Konkurrenz durch große Kinopaläste in der Umgebung und zuletzt auch aus dem Internet nicht behaupten. Mangels Einnahmen wurden wiederum Modernisierungen unmöglich.

Dadurch blieben dem Betrieb bis zuletzt große Teile der ursprünglichen Einrichtung aus den 50er-Jahren erhalten. Zum Beispiel das Kassenhäuschen hinter Glasscheiben, der mintgrüne, blecherne Wrigley’s-Kaugummiautomat, der mit blauem Stoff bezogene Himmel über den Plüschsitzen im holzvertäfelten Kinosaal. Und der großzügige Eingangsbereich, der mit seinen Stufen und dem lang gezogenen Vordach an die Zeiten erinnert, als das Lido ein wichtiges Stück Ausgehkultur im Städtchen war.

Über die Jahre hatte sich Besitzer Schuster, gesundheitlich angeschlagen, notdürftig über Wasser gehalten und unverdrossen Filme gezeigt. Neben dem 2012 geschlossenen Vöhringer Programmkino Capitol war das Lido das letzte kleine Kino im Landkreis.

Doch die Besucher blieben aus, auch eine Hilfsaktion einer Initiative von Sendener Jugendlichen, die das Kino wiederbeleben sollte, trug keine Früchte. Shows mit Live-Musik sowie Veranstaltungen wie Film-Abende und Zaubershows fanden zur Kino-Unterstützung im Hause statt. Zeitweise wurden auch türkische Filme gezeigt. Doch nachhaltige Wirkung entfalteten die gut gemeinten Aktionen nicht.

Cineast Schuster blieb letztlich keine andere Wahl, als das Gebäude im Jahr 2015 doch zu verkaufen. Er hatte stets über dem Kino gewohnt – und soll künftig auch im Neubau wieder eine Wohnung bekommen.

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