Sonntag, 19. November 2017

Landsberg

31. Januar 2017 12:07 Uhr

Landsberg

„Das waren keine Dreharbeiten, das war ein Duell“

Das Snowdance Film Festival zeigt erstmals in einem deutschen Kino eine Afrika-Doku über Leni Riefenstahl. Filmemacher Ray Müller und ein „Traum von Afrika“. Er kannte sie persönlich. Von Maren Martell

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Sie gilt als eine der umstrittensten Persönlichkeiten der Filmgeschichte. Einerseits wurde sie als Regisseurin und Fotografin für ihre Werke von Kritikern hoch geachtet, andererseits wegen ihrer Beteiligung an der Nazi-Propaganda und ihrer Nähe zu Adolf Hitler scharf verurteilt.

Doch was trieb Leni Riefenstahl um, im betagten Alter von 98 Jahren noch einmal nach Afrika zu reisen? Waren es die schwarzen Afrikaner, die ihr so viel Verehrung und Zuneigung entgegenbrachten, wie sie es in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg so sehr vermisste? Der Filmemacher Ray Müller geht in seiner Dokumentation „Leni Riefenstahl – ein Traum von Afrika“ nicht nur dieser Frage nach. Er beleuchtet auch noch einmal die verfemte Legende Riefenstahl. Zum diesjährigen Snowdance Independent Filmfestival wurde der bereits im Jahr 2000 herausgebrachte Film nun erstmals auch in einem Kino in Deutschland gezeigt. In vielen anderen Ländern war er längst im Kino oder Fernsehen zu sehen. Dass diese Doku noch nicht Deutschland lief, erklärt Festivaldirektor Tom Bohn so: „Fernsehredakteure haben grundsätzlich Angst, wenn es um Leni Riefenstahl geht. Und dieser Film zeigt ja auch ein paar sympathische Züge von ihr.“

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In seiner Doku beschreibt Müller die besondere Beziehung zwischen Riefenstahl und dem afrikanischen Volk der Nuba, zeigt sie bei ihrer fotografischen Arbeit oder mit den Schwarzen ausgelassen tanzend. Erstmals hat Riefenstahl diesen archaischen Volkstamm in den 1960er Jahren besucht. Damals verbrachte sie sogar mehrere Monate dort. Die in der Zeit entstandenen einmaligen Fotos und Bildbände fanden weltweit hohe Anerkennung. Riefenstahl selber entwickelte eine sehr innige Beziehung zu ihren „afrikanischen Freunden“ und erwog sogar, dort ganz zu bleiben. Als sie sich nach fast 40 Jahren wieder aufmacht, sie zu besuchen, findet sie ein vom Bürgerkrieg zerrüttetes Land vor. Viele im Süden des heutigen Sudans liegende Dörfer der Nuba sind zerstört, die Bewohner getötet. Die Begegnungen vor Ort sind für sie teils sehr schmerzlich.

Müller gelingt es, filmisch ein sehr vielschichtiges Bild der 2003 in Pöcking am Starnberger See verstorbenen Riefenstahl aufzuzeichnen.

Immer wieder werden alte Filmaufnahmen und Fotos von Riefenstahls ersten Afrikabesuchen eingeblendet. Müller stellt aber auch unangenehme Fragen, wie die nach ihrem Verhältnis zum Dritten Reich und zeigt die Bilder ihrer Nazi-Propagandafilme zu den Reichsparteitagen in Nürnberg. „Ich habe sicher Fehler gemacht, die ich zutiefst bedauere“, antwortet die Riefenstahl schließlich vom Krankenbett in Feldafing.

Ihre letzte Afrika-Reise endet dramatisch mit dem Absturz eines Hubschraubers, den die hochbetagte Dame wie durch ein Wunder überlebt. Für Müller ist Riefenstahl keine Unbekannte. Für seine erste Dokumentation über die berühmte Legende mit dem Titel „Die Macht der Bilder“ wurde er 1993 mit dem „International Emmy Award“ ausgezeichnet.

Riefenstahl schildert er im Publikumgespräch nach der Filmvorführung im Landsberger Stadttheater als eine „absolute Powerfrau“, die wahnsinnig anstrengend sein konnte. „Wir haben sehr oft gestritten. Das waren keine Dreharbeiten, das war ein Duell“, schildert Müller. Ihr Verhältnis zu Hitler charakterisiert er so: „Zwei Mega-Egos, die sich gegenseitig bewunderten. Sie sah in Hitler den Macher, er in ihr die große Künstlerin.“ Und dass sie eine Künstlerin durch und durch war, bewies sie auch im hohen Alter in Extremsituationen. „Denn als wir sie aus dem abgestürzten Hubschrauber blutüberströmt herauszogen, überraschte sie uns mit der ersten Frage, ‘Habt Ihr das auch richtig gefilmt?’“, erinnert sich Müller.

Film „Leni Riefenstahl - Ein Traum von Afrika“ von Ray Müller (59 Min.)

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