Donnerstag, 29. Juni 2017

22. September 2016 17:00 Uhr

Blaustein

Großer „Sturm“ ganz klein

Die Theaterei zeigt den Shakespeare-Klassiker in einer Miniaturversion für nur drei Schauspieler – und gibt ihm eine hochaktuelle neue Bedeutung. Von Florian L. Arnold

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Luftgeist „Ariel“ (Sven Djurovic) erfüllt die Befehle des zornigen Prospero – und hat doch seine eigenen Pläne.

Stücke von William Shakespeare sind stets etwas für ein großes Ensemble. „Der Sturm“, das letzte Drama des legendären englischen Theaterautors, das nun auch im Zelt am Bad Blau anlässlich des 30-jährigen Bestehens von Wolfgang Schukrafts Theaterei auf dem Programm steht, ist nicht nur ein solches Ensemblestück, sondern zudem voller Andeutungen, Nebenhandlungen sowie voller witziger und absurder Figuren. Allen voran Prospero, einer der stärksten Charaktere: ein mächtiger Zauberer, einst Herzog von Mailand, der auf Rache sinnt.

Die Bühne im Theaterei-Zelt ist tiefblau: Eine enorme Zeltplane ist, je nach Szene, das tosende Meer, der Strand der Insel oder das zerklüftete Bergland. Hier endet der Minimalismus dieser „Sturm“-Variation nicht. Wolfgang Schukraft hat sich die Drei-Personen-Fassung des Sturms von Joachim Lux (jetzt Intendant des Thalia-Theaters in Hamburg) ausgesucht, die Regie für das Wagnis besorgte Dieter Nelle, jüngst mit dem Hamburger „Monika Bleibtreu Preis 2016“ ausgezeichnet. Drei Personen auf einer Insel respektive der Bühne, wo das Manuskript eigentlich 22 vorschreibt – daran muss man sich gewöhnen.

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Dabei helfen die Darsteller ganz erheblich, voran Laura Kaiser, die ganz ausgezeichnet mal die zerbrechlich-naive Miranda gibt und, mitunter im Minutentakt, in die raue Hülle des hinterhältigen und verbitterten Caliban wechselt. Prospero, diese starke und mythische Figur, wird von Bernhard Bonvicini als gebrochener Machtmensch gezeigt. Er ist der Bitterkeit und des Hasses müde. Man erlebt hier keinen Prospero, der seinen verdienten Zorn bis zum Letzten austrägt. Der Zauberer wird als Zweifelnder dargeboten, schwankend zwischen dem alten Zorn und einer noch unverorteten Sehnsucht nach Ruhe. In den Rollen des Ariel und des Trunkenboldes Sebastian hat Sven Djurovic reichlich Raum, die notwendige Komik auszuspielen, die als Gegengewicht für Prosperos dramatische Vorgeschichte nötig ist. Diese wird, wie ein Ritual, immer und immer wieder erzählt und durchleuchtet.

Durch die ständigen Rollenwechsel und den Witz, mit dem die Darsteller das Stück von Macht und Rache erzählen, geht der temporeiche Abend in 90 ohne Pause gespielten Minuten wie ein Wimpernschlag vorbei. Die Herrlinger Inszenierung ist sicherlich weniger dunkel geraten als man das beim „Sturm“ gewohnt ist; der finale Frieden mit den einstigen Feinden kommt hier nicht als Überraschung, sondern als folgerichtige Abkehr vom Zorn. Eine Botschaft, die sehr aktuell ist und dieses Stück Shakespeares mit einer zusätzlichen Bedeutungsschicht versorgt. Als Prospero befriedet Ariel aus seinen Diensten entlässt, setzt begeisterter Applaus im Theaterei-Zelt ein.

Weitere Vorstellungen gibt es bis Anfang November. 

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