Mittwoch, 20. September 2017

27. Januar 2017 00:33 Uhr

Prozess

War es eine Vergewaltigung – oder Sex für Geld?

Aussage gegen Aussage: Wie ein 37-jähriger Familienvater auf die Anklageschrift reagiert Von Michael Peter Bluhm

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Zwei Frauen soll er im Verlauf eines Tages brutal vergewaltigt haben. Danach habe er nach seiner Festnahme mehrere Polizisten angegriffen, verletzt und mit Hitlervergleichen geschmäht. Seit Donnerstag muss sich ein 37-jähriger mehrfacher Familienvater aus dem Alb-Donau-Kreis vor dem Ulmer Landgericht wegen dieser Vorwürfe verantworten. Die umfangreiche Anklageschrift lehnte er gleich am ersten Verhandlungstag in Bausch und Bogen ab. Er sei unschuldig und habe sich nichts vorzuwerfen.

In der Tat passen diese erheblichen Vorwürfe nicht zu dem bisherigen Lebensbild des verheirateten und nicht vorbestraften Mannes, der als gelernter Fliesenleger vor ein paar Jahren von Mazedonien nach Deutschland kam. Er baute sich im Alb-Donau-Kreis eine makellose berufliche Existenz auf, die er möglicherweise an einem einzigen Tag selbst zerstört hat, wenn sich die polizeilichen Ermittlungen in der gerichtlichen Beweisaufnahme bestätigen sollten.

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Dieser Tag war der 9. Oktober 2016, ein Sonntag. Am frühen Morgen gegen 2.30 Uhr wartete eine 23-jährige Austauschstudentin aus Finnland in der Ulmer Innenstadt auf ein bestelltes Taxi, als der Angeklagte mit seinem Wagen vorfuhr und einladend die Tür öffnete. Die junge Frau stieg arglos ein und nannte dem Fahrer ihr Fahrtziel. Wie der Angeklagte gestern aussagte, hatte er kurz vor diesem Zeitpunkt ein Striptease-Lokal besucht und war auf die Frau bei der Heimfahrt aufmerksam geworden. Er wollte ihr nur behilflich sein, sagte der Angeklagte gestern, der Staatsanwalt schildert was anderes: So sei er mit der Finnin aus der Stadt an einen Feldrand gefahren, wo er sie mit Schlägen erheblich verletzt habe, um sie gefügig zu machen. Dann habe er die Studentin auf der Rückbank seines Autos vergewaltigt. Danach habe er die junge Frau zum Ulmer Hauptbahnhof gefahren und sie laut Staatsanwaltschat erst ins Freie entlassen, nachdem das Opfer ihrem Täter einen Kuss gegeben habe. Das kann nicht stimmen, wenn sich die gestrigen Einlassungen des Angeklagten als wahr herausstellen sollten. Demnach habe die Studentin ihn im Auto grundlos gekratzt und auf die Zunge gebissen, sodass er weder zum Küssen geschweige denn zum Geschlechtsverkehr fähig gewesen wäre.

Angeblich helfen wollte er nach seinen gestrigen Einlassungen auch einer 27-jährigen Frau am Abend des gleichen Tages, die weinend am Straßenrand in der Ulmer Weststadt gestanden sei. Er habe seinen Wagen angehalten, um die verzweifelte Frau zu trösten und habe dabei erfahren, dass sie soeben aus der Wohnung ihres Freundes geworfen worden sei und für die Nacht kein Dach über dem Kopf habe. Der Angeklagte sagt, sie habe bei ihm übernachten wollen, aber das sei ja wegen seiner Familie nicht gegangen. Man habe sich aber auf Sex geeinigt, wofür er der Frau 20 Euro als Anzahlung gegeben habe. Die restlichen 80 Euro wären am nächsten Tag fällig geworden. Damit wäre auch der Frau ein kurzfristiger Hotelaufenthalt ermöglicht worden, erläuterte der Angeklagte seine Ansicht von Fürsorge. Die Polizei ermittelte jedoch, auch diese Frau sei ein Opfer des Angeklagten gewesen, der sie auch mit Schlägen gefügig gemacht und brutal vergewaltigt habe.

Turbulente Szenen bei der Festnahme

Auch im dritten Punkt der Anklageschrift klaffen die Aussagen des Beschuldigten und die des Staatsanwaltes weit auseinander. Nachdem das 27-jährige mutmaßliche Opfer die Polizei alarmiert hatte, konnte der mutmaßliche Täter am frühen Morgen in seinem Haus im Alb-Donau-Kreis festgenommen werden. Sechs bis sieben Polizisten waren offenbar notwendig, den Mann zu bändigen. Der erklärte gestern seine Wut auf die Beamten damit, dass sie es waren, die ihn unter anderem mit Kopfstößen verletzt hätten. Aussagen gegen Aussagen. Mehr Klarheit erwartet die erste Große Strafkammer am Montag, 6. Februar.

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Schlagworte

Ulm | Mazedonien | Deutschland | Finnland | Polizei

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